Lebhafter Eindruck unmittelbarster Gegenwart

Ramana Maharshi / Foto Archiv

Im Geiste sehe ich deutlich die sitzende Gestalt des Maharschi vor mir schweben. Seiner wiederholt erteilten Anweisung folgend bemühe ich mich, zu dem hinter dem Bild befindlichen Gestaltlosen, seinem wahren Wesen, seiner inneren Natur, seiner Seele, vorzudringen. Zu meiner Überraschung gelingt mir dies fast auf der Stelle. Das Bild verschwindet wieder und hinterläßt in mir nichts weiter als den lebhaften Eindruck seiner unmittelbarsten Gegenwart.

Auszug aus Paul Brunton: Der Mensch ist hohen Ursprungs

Der vollständige Text über seine Begegnung mit Ramana Maharshi ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH IX
CIII. Jahrgang, März 2022, Heft 3 / Thema: Theosophie

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Unsere Wandlung vorbereiten

Foto (c) wak

Wer stehenbleibt, verfällt.
Aber auch wer zu laufen beginnt, verfällt.
Daß wir uns wandeln können,
ist unser größter Reichtum.
Bereiten wir diese Wandlung
Schritt für Schritt vor,
damit uns dann und wann
der entscheidende Sprung,
der immer zugleich
ein Scheiden und ein Ankommen ist,
gelinge.

Jean Gebser (1905 – 1973) in: Gebser Gesamtausgabe, Schaffhausen 1986, Band 1, S. 316

Alle Gegensätze aufgehoben

Der Ochse und sein Hirte ~ Bild 8 | Archiv

Im Zen-Buddhismus hat man die ganze Entwicklung vom Zustand vor der Erleuchtung bis zur Erleuchtung und ihrer vollen Auswirkung durch die sog. „Zehn Bilder des Rindes“ (jugyuzu) symbolisch dar gestellt. Der Verlauf ist kurz folgender: Die Bilder stellen einen Bauern dar, der sein Rind sucht, das ihm davongelaufen ist. Nach vielem Suchen entdeckt er die Fußspuren und schließlich auch das Rind selbst. Mit vieler Mühe legt er ihm den Zügel an, aber das Tier sträubt sich noch, ihm zu folgen. Endlich gelingt es ihm, das Rind wieder zu gewöhnen, und er sitzt nun, vergnügt die Flöte spielend, auf seinem Rücken. Das Tier geht, wohin er will. Das sind die ersten sechs Bilder. Das Rind ist das wahre Selbst, das der Mensch verloren hat. Er sucht lange und findet es. Das ist der Augenblick des Satori. Aber die Leidenschaften sind noch widerspenstig, bis er schließlich seiner selbst Herr wird und zur wahren Freiheit gelangt. Auf dem siebten Bilde ist er allein. Das heißt, das Ich und sein Herz sind eins geworden. Das achte Bild stellt nur einen leeren Kreis dar: alle Gegensätze sind aufgehoben, selbst der von Erleuchtung und Nicht-Erleuchtung. Das neunte Bild stellt eine Landschaft dar. In der Außenwelt hat sich nichts geändert, aber der Erleuchtete sieht sie mit anderen Augen als vorher. Auf dem zehnten und letzten Bild sehen wir, wie er sich bemüht, auch seinen Mitmenschen den Weg aufzuzeigen, auf dem er selbst das wahre Glück gefunden hat.

Hugo M. Enomiya-Lassalle: Erleuchtungsweg des Zen-Buddhismus und christliche Mystik. In: Wilhelm Bitter (Hrsg.) Abendländische Therapie und östliche Weisheit. Stuttgart 1968, S. 90/91

Er kam um von dem wahrhaftigen Licht zu zeugen

Foto: © wak

 

„Er kam, um von dem Licht zu zeugen – von dem wahrhaftigen Licht, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen.” Joh. 1; 7, 9

 Der Geist muß … vom inneren Licht erfüllt und überformt werden.

Wer diese Durchlichtung, Überformung und Verwandlung erreimt hat und ein in völliger Hingabe an Gott ganz in seinen innersten Grund entsunkener Mensch geworden ist, dem mag es wohl gelingen, daß ihm in diesem Leben ein Blick der höchsten Überformung durch das ungeschaffene Licht Gottes zuteil wird, in dem er Gott erkennt: „Herr, in Deinem Lichte sehe im das Licht.”

Und wenn er oft in seinen Seelengrund einkehrt und darin heimisch wird, würde ihm mancher Blick in den Gottesgrund zuteil, in dem ihm von Mal zu Mal deutlicher offenbar wird, was Gott ist.

Mit diesem innersten Grund waren große Meister wie Proclus und Plato wohl vertraut, während viele Christen weder sich selbst noch das erkennen, was in ihnen ist: weder den Seelengrund noch den Gottesgrund, weil sie statt nach innen nach außen gerichtet sind und sich mit den äußeren Wahrheiten der Religion begnügen, die sie hindern, über ihre Ichheit hinauszugelangen und den Weg nach innen zu gehen.

Damit wir fähig und bereitet werden für das Erfüllt- und Überformtwerden durch das innere Licht, müssen wir unsere ganze Liebeskraft statt nach außen nach innen lenken und in ihr entflammen, um eine würdige Stätte für den Aufgang des göttlichen Lichts zu werden. Wir müssen denken, begehren und sprechen wie Augustinus:

„Herr, Du gebietest mir, daß im Dich liebe: gib mir, was Du mir gebietest! Du gebietest mir, Dich zu lieben von ganzem Herzen, von ganzer Seele, mit allen Kräften und von ganzem Gemüte: gib mir, Herr, daß ich Dich vor allem und über alles liebe!” Wer das mit allen Fasern seines Wesens begehrt und sich mit aller Kraft seiner Seele nach innen wendet, in dem wächst die Hitze seiner Liebe, bis ihre Glut ihm Mark und Bein verzehrt und das Feuer der Liebe so stark und strahlend wird, daß sein Herz zu leuchten beginnt und schließlich zu Gott und in Gott entflammt.

Dann antwortet Gott mit seiner Liebe und spricht sein Wort, das höher, lichtvoller und leuchtender ist als alle Menschenworte. Davon sagt Dionysius: „Wenn das ewige Wort im Seelengrund gesprochen wird und der Grund so viel liebende Hingabe und Empfänglichkeit hat, daß er das Wort – Christus -in seiner Allheit schöpferisch und vollkommen empfangen kann, dann wird der Seelengrund mit dem Wort eins und wird das Wort selbst. Wenn er auch seinem Wesen nach seine Geschaffenheit behält, ist er vom seinem Ursprung nach das Wort selbst.”

Eben dies bezeugte Jesus: „Vater, daß sie eins werden, wie wir eins sind”, und das Wort, daß Augustinus von Gott empfing: „Du sollst verwandelt werden in mich.”

Dahin gelangt man auf dem Wege der liebenden Gott-Entflammung des Herzens.

Auf diesen Weg nach innen sollen wir achtgeben. Es ist der Weg des Geistes zu Gott und Gottes zu uns. Er ist schmal und verborgen, und jene verfehlen ihn, die sich auf äußere Übung und Wirksamkeit verlassen und meinen, sich vom Ich aus Gott nähern zu können.

Nein, wenn der Mensch den Weg nach innen betritt, muß er das Ich und seine Schwächen und alle äußeren Unzulänglichkeiten lassen und sich mit der ganzen Kraft seiner Liebe Gott überlassen und hingeben, sich selber entwerden und ganz in der Liebe aufgehen. Dann mag es geschehen, daß er für Augenblicke schon in der Zeit erfährt, was er ewig sein wird, wenn die Einheit erreimt ist.

Daß uns allen dies zuteil werde, dazu helfe uns Gott!

Johannes Tauler (um 1300 – 1361) / 44. Predigtzum Fest des Heiligen Johannes des Täufers

Zu Neujahr

Steinlabyrinth in Kevelaer / Foto: © wak

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

In Einklang sein mit dem was in Erscheinung tritt

Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unmöglich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so,dass wir das unablässige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben vermögen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen darüber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tatsächlich geschieht. Uns entrüstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.

Bernard Glassman (1939 – 2018)

Mystikos – ein Versuch

Gottes Natur
sein Wesen
und seine Gottheit
hängt daran,
dass er in der Seele
wirken muss.
Meister Eckhart, Von unsagbaren Dingen

 Foto: © wak

mystikos:
verborgen und geheimnisvoll
und auch
undurchschaubar und unerklärbar.

Sich
und sein Selbst
verschließen.
Nicht nur die Augen.

myein ist mein ganzes Herz.

Hinein
in den Hortus Conclusus
in den verschlossenen Garten.
Leben lernen
aus der Quelle schöpfen
um den Brunnen überfliessen zu lassen.

Und dann:
Hinaus
mitten in diese Welt,
die sie braucht
die misericordia,
die Barmherzigkeit

die nicht gelingen kann
ohne zuvor
sich und sein Selbst
zu verschließen.

w.a.k.

 

Dieser Text ist zuerst hier erschienen: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2015/01/08/mystikos-versuch-von-wak/

 

Herzensratschlag

Hast du dir
weder innere Erfahrung angeeignet
noch die Sicht durch Meditation
vollkommen erhellt,
dann wir dir dies
durch philosophische Debatten
oder einfaches Lesen
nicht gelingen.
Meditiere unaufhörlich.
Das ist mein Herzensratschlag.

Rigdzin Chökyi Dragpa (1595 – 1659)

Entdeckungsreise zum eigenen Selbst

Was nützt es uns,
zum Mond reisen zu können,
wenn es uns nicht gelingt,
den Abgrund zu überwinden,
der uns von uns selbst trennt?

Dies ist die wichtigste
aller Entdeckungsreisen;
ohne sie
sind alle anderen
nicht nur nutzlos,
sondern zerstörerisch.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Mit uns im Einklang sein

Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unmöglich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so,dass wir das unablässige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben vermögen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen darüber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tatsächlich geschieht. Uns entrüstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.

Bernard Glassman (* 1939)