Ich sah dass er in allen Dingen ist

Ich sah Gott in einem Punkt – ich rede nach meinem Verstehen. Und in diesem Gesichte sah ich, dass er in allen Dingen ist. Und ich sah mit der Aufmerksamkeit, und ich sah und erkannte in diesem Gesicht, dass er alles wirkt, was da geschieht.

Juliana von Norwich (ca. 1342 – 1413)

Symbol für künstlerisches Streben

„Da jegliche Künstübung ihren tiefsten, tragenden Grund in einer Lebensauffassung, einer Weltanschauung findet, und da die hier vereinigten Künstler ihrer Mehrzahl nach einer Naturmystik nahestanden, die in Jakob Böhme ihren hohen klassischen Vertreter hat, da überdies Görlitz die Stätte des Lebens und Wirkens dieses erst neuerdings wieder in seiner tiefen Bedeutung erkannten Seelenkünders war, so wählte man den Namen dieses großen Görlitzers als Symbol für das hier vorliegende künstlerische Streben.“

Neuer Görlitzer Anzeiger vom 5. Juni 1921

 

Jetzt erschienen in den neuen „Magischen Blättern“, April 2020, Heft 3, S. 138 – 139

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Gegensätze versöhnt und überwunden

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In allem spirituellen Leben ist in erster Linie das innere Leben wichtig. Der spirituelle Mensch lebt stets in seinem Innern. In einer Welt der Unwissenheit, die ihre Umwandlung verweigert, muß er sich in gewissem Sinn von dieser absondern und sein inneres Leben gegen das Eindringen und den Einfluß der dunkleren Mächte der Unwissenheit schützen. Er steht außerhalb der Welt, selbst wenn er mitten in ihr ist. Wirkt er auf sie ein, so geschieht das von der Burg seines inneren spirituellen Wesens aus, wo er im innersten Heiligtum eins ist mit dem höchsten Sein, wo allein seine Seele und Gott beieinander sind. Das gnostische Leben ist ein inneres Leben, in dem der Gegensatz von innen und außen, von Selbst und Welt, versöhnt und überwunden sein wird. Das gnostische Wesen wird in Wahrheit ein inneres Sein besitzen, in dem es mit Gott allein ist, eins mit dem Ewigen, selbst-versunken in die Tiefen des Unendlichen, in Kommunion mit dessen Höhen und mit den erleuchteten Abgründen seines Geheimnisses. Nichts wird es in diesen Tiefen stören oder in sie eindringen können; nichts wird es von diesen Höhen herabziehen können, weder die Inhalte der Welt, noch sein Wirken, noch alles, was ihn umgibt. Das ist der Aspekt der Transzendenz spirituellen Lebens. Für die Freiheit des Geistes ist er notwendig.

Aurobindo (1872- 1950) über den „gnostischeen Menschen“

Gottes Gegenwart in allen Dingen

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Man soll sich also darin üben,
Gottes Gegenwart in allen Dingen zu suchen,
im Gehen, Sehen, Schmecken, Hören, Denken,
überhaupt in allem, was man tut.
Ist doch Gottes Sein in allen Dingen,
durch Gegenwart, Wirken und Wesen.

Ignatius von Loyola (1491 – 1555)

Beziehungen zwischen Kunst und Mystik

(JACOB BÖHME – MORGENRÖTE IM AUFGANG, 1612, KAPITEL 22, 52-65)

Der 1920 in Görlitz gegründete Jakob-Böhme-Bund war eine Künstlerkooperation, die bewusst mystischem Erleben Ausdruck verleihen wollte, unabhängig von expressionistischen oder anderen zeitgenössischen Kunstbewegungen. Ziel des Bundes war es, die Beziehungen zwischen Kunst und Mystik zu finden und den lebendigen Geist des Visionärs und Metaphysikers Jacob Böhme (1575-1624) in die Zeit der 20er Jahre wirken zu lassen, um die Grundlagen einer Kunst zu schaffen, die Joseph Anton Schneiderfranken / Bô Yin Râ übergreifend als „Sakralkunst“ bezeichnet.

2020, hundert Jahre später, wird der neue Jacob Böhme Bund für die Dauer von vier Jahren neu gegründet.

Das Plakat zu 100 Jahre Jakob-Böhme-Bund  kann zum Preis von  5,00 € hier bestellt werden: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

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Lauter und rein

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Wo und wann Gott dich bereit findet,
muss er wirken und sich in dich ergießen,
ganz so, wie wenn die Luft lauter und rein ist,
die Sonne sich in sie ergießen muss
und sich dessen nicht enthalten kann.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Wie für dich vorgesehen…

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Askese ist zweifellos sehr heilsam, eine Höhle sehr friedvoll und ein Berggipfel wunderbar angenehm; trotzdem sollst du in der Welt wirken, wie Gott es für dich vorgesehen hat.

Aurobindo (1872 – 1950)

Wesen des Unsichtbaren

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Die sichtbaren empfindlichen Dinge
sind ein Wesen des Unsichtbaren;
von dem Unsichtlichen, Unbegreiflichen
ist kommen das Sichtbare, Begreifliche:
von dem Aussprechen oder Aushauchen
der unsichtbaren Kraft
ist worden das sichtbare Wesen;
das unsichtbare geistliche Wort
der Göttlichen Kraft
wirket mit und durch das sichtbare Wesen,
wie die Seele mit und durch den Leib.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

Vom Nutzen des Lassens

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Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

Meister Eckhart – Heilende Texte

Ausgewählt und (auf dem Hintergrund der Gestalttherapie) kommentiert von Stefan Blankertz. Herausgegeben und eingeleitet von Erhard Doubrawa.

Inhalt:

Unaussprechlich: Gott
Alles um seiner selbst willen tun:
So lebenswert ist das Leben
Wie gesund ist gesund?
Du sollst kein Maß haben
Das Wirken der Seele:
Das Leibselbst
Die Gnade der Gelassenheit:
Das Paradox der Veränderung
Feuer und Axt fürs Werden:
Aggressio
Nicht beten und nicht feiern:
Deflektion
Wie ich nicht werde, der ich bin:
Introjektion
Du machst dir ein Bild: Projektion
Unterscheiden tut weh: Konfluenz
Leiden: Retroflektion
Die Fruchtbarkeit der Jungfrau:
Die Seele als Mann und Frau
Die Kraft des ewigen Nun:
Hier-und-Jetzt
Von Engeln und Menschen:
Urbild und Abbild

Aus der Einleitung von Erhard Doubrawa:

Meister Eckhart ist ein christlicher Mystiker. Es geht ihm um Gott und darum, wie sich der Mensch mit Gott vereinigen könne. Spiritualität ist heute eine sehr private Sache geworden. Fast ist es, als läge ein Tabu darüber, über den eigenen Glauben zu sprechen, jedenfalls wenn es sich um ein religiöses Erleben handelt und nicht um die kirchen- oder sozialpolitische Dimension der Religion. Es ist allerdings keine Voraussetzung dafür, die heilende Kraft von Meister Eckharts Gedanken in sich fruchtbar werden zu lassen, sich zu einem speziellen Glauben zu bekennen oder überhaupt an einen persönlichen Gott zu glauben. Denn die Themen von Meister Eckhart sind existenzieller Natur. Gott steht für das Unermessliche, von dem kaum einer bestreiten könnte, dass es einen wesentlichen Teil unserer Existenz ausmacht, seien es Liebe, Freude, Schmerz, Trauer, Mitgefühl, Verzweiflung, Hass, seien es Sinn-, Grund- und Wahrheitsuche, seien es schöpferische Kraft, Gnadenerlebnis oder auch Heilung. Die Leichtigkeit des Seins ist nicht weniger spirituell gefärbt als die Schwere des Seins.

gikPRESS 2018 (Neuauflage)
GIK Gestalt-Institute Köln & Kassel
180 Seiten , Paperback: 17,80 EUR, eBook: 11,99 EUR

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