In Wahrheit ist kein Ding vorhanden

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Im Ursprung gibt es keinen Erleuchtungsbaum,
Und nirgends steht der klare Spiegel.
In Wahrheit ist kein Ding vorhanden,
Woran sollte Staub wohl haften?

Hui Neng (638 – 713)

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Erfahrung, dass alles heilig ist

Foto: © wak

Eine Fokussierung auf die Wahrheit der Mystik bedeutet somit keine Infragestellung von Religion, vielmehr ermöglicht sie eine Neubelebung religiöser Weltdeutung. Die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Gott, Kosmos und Transzendenz, muss keineswegs Säkularisierung bedeuten; Sie kann im Gegenteil zu der Erfahrung führen, dass alles heilig ist — eine Erfahrung, die glücklicherweise nicht legendären Gestalten wie etwa dem indischen Mystiker Ramakrishna vorbehalten ist, sondern heute von zahlreichen Menschen gemacht wird.

Joseph Campbell (1904 – 1987) in: Reflections on the Art of Living

Die Wahrheit in sich selbst erblicken

Foto: © wak

Die Stille bedeutet mehr
als tausend Leben,
und diese Freiheit ist mehr wert
als alle Reiche der Welt.

Die Wahrheit in sich selbst erblicken,
für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles, was es gibt.

Dschelaleddin Rumi (1207 – 1273)

Alles ist das Selbst

Das Original ist ein Siebdruck aus Arunachala – Foto: © wak

In Wahrheit existiert nichts als das Selbst. Wie Perlmutt als Silber erscheint, erscheint das Selbst als Welt, individuelle Seele und Gott. Diese drei treten zugleich in Erscheinung und versinken zugleich.
Das Selbst ist dort, wo keinerlei „Ich-Gedanke“ ist. Das nennt man Stille, Das Selbst ist die Welt, „Ich“ und Gott in einem. Alles ist das Selbst.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Wir gehören alle Gott an

Hazrat Inayat Khan – Foto wikimedia / gemeinfrei

Jegliche Disharmonie in der Welt, die durch religiöse Unterschiede hervorgerufen wird, ist ein Resultat des menschlichen Unvermögens, zu verstehen, dass in Wirklichkeit alle Religionen eins, die Wahrheit eins, Gott eins sind. Jenseits der engen Grenzen von Rasse und Religionszugehörigkeit können wir alle in Eintracht leben, denn wir gehören alle Gott an.“

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927), der den Sufismus als „Religion des Herzens“ bezeichnet hat.

Das Zitat fand ich in dem Beitrag „Spiritualität und Isalam: Sufismus für alle“ von Tanja Mancinelli, der in dem Tagungsband „Spiritualität der Zukunft“ erschienen ist. Dazu später mehr.

Umwandlung des Seelengrundes

Foto: © wak

 

Welches ist metaphysisch, ontologisch der Zustand des Menschen im Zustand der heiligmachenden Gnade? Es ist die Umwandlung des „Seelengrundes“. Die Bezeichnung Seelengrund wird von Eckhart und im Anschluss an ihn von seinen Schülern, besonders von Tauler, ständig gebraucht. Das Wort geht zurück auf Platon, der von den göttlichen Seelengründen (Gerechtigkeit, Wahrheit, Gutheit) spricht.

Die mittelalterlichen Mystiker sprechen sowohl vom göttlichen Grund als auch vom Seelengrund. In Gott gibt es keine Teile; daher ist mit dem göttlichen Grund Gott selbst gemeint. Aber dieses Wort hat bei Eckhart auch eine spezifische Bedeutung.

Mit dem Seelengrund des Menschen ist das eigentliche tiefste Wesen des Menschen gemeint. Die Umwandlung des Seelendgrundes bedeutet also eine Umwandlung des Menschen in seinem tiefsten Wesen. Die Umwandlung durch die Gnade besteht demnach nicht in äußeren Werken und nicht in einem  Gesinnungswandel des Menschen; sie können höchstens die Folgen der Umwandlung sein, die im Seelengrund stattfindet, noch können sie die Rechtfertigung des Menschen ausmachen. Ohne die Umwandlung im Seelengrund sind sie wertlos, in Eckharts Sprache nur iustitia civilis, die allein nicht genügt. Diese Umwandlung im Seelengrund ist der Sinn der Wiedergeburt durch die Gnade, die wir durch Christus erlangen. Erst wenn das geschehen ist, sind wir wirklich „wesentlich“ gut.

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 – 1990)

 

Mehr zu Johannes Tauler und dem Seelengrund hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/