Zu Neujahr

Steinlabyrinth in Kevelaer / Foto: © wak

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.

Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das, worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Wilhelm Busch (1832-1908)

Buchtipp VIII – Weisheiten der Wüstenväter (Freddy Derwahl)

Freddy Derwahl

Weisheiten der Wüstenväter

Butzon & Bercker / 203 Seiten, 15 €
ISBN: 978-3-7666-2486-4
Kevelaer 2018

„Die ‚Wüsten‘ der Wüstenväter überschreiben immer wieder ihre geographischen Grenzen. Auch handelt es sich bei den über Jahrhunderte hinweg überlieferten Sprüchen keineswegs um exotische Weisheiten greiser und spleeniger Gottesnarren. In der ‚Wüste‘ der Glaubensferne, in der Leere flüchtiger Genüsse und in der Öde unserer anonymen Großstädte gewinnen sie neue Aktualität“, schreibt der belgische Journalist Freddy Derwahl in der Einleitung zu den „Weisheiten der Wüstenväter“. Neu verortet werden ihre Sprüche von Managern, Seelsorgern, Psychologen, Therapeuten. Gehen die Gedanken doch gezielt auf Fragen und Sehnsüchte ein, die Menschen heute beschäftigen.

Mehr zur Meditation und zum Gebet will er dann auch mit der Sammlung anregen. Kurz und knapp sind die Gedanken, die durch den Tag begleiten können. Schon ein Blick auf die Überschriften belegt, dass Derwahl die Menschen dort abholen will, wo sie heute sind: Fliehen, Etwas Leiden, Ein guter Arbeiter, Wer bin ich eigentlich? Vollendete Liebe undsofort. Dazwischen gestreut sind Gedanken von Dichtern, Theologen, Schriftstellern, Mystikern.

Am Ende hat Derwahl eine Bibliographie hinzugefügt, die dem Anregungen gibt, der sich ausführlicher mit Geschichte und Bedeutung der Texte von Wüstenvätern und -müttern befassen möchte.

Darüber hinaus ist das Buch sehr ansprechend gestaltet, dass man es auch beruhigt und gern verschenken kann.

© Werner A. Krebber

 

Mittler zwischen Buddhismus und Christentum – Buchtipp III

Ursula Baatz

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle
Mittler zwischen Buddhismus und Christentum

Topos Taschenbuch 1082

191 Seiten, kartoniert, 18 cm

1. Auflage Januar 2017

Topos plus Verlagsgemeinschaft, Kevelaer

ISBN / Code: 978-3-8367-1082-4

Knapp und kurz ist es in der Verlagsankündigung zu lesen: „Der Jesuit, Zen-Meister und Friedenskämpfer Hugo M. Enomiya-Lassalle (1898–1990) überlebte den Atombombenabwurf in Hiroshima und wurde zur wegweisenden Gestalt des Dialogs zwischen Buddhismus und Christentum. Ihm ist es zu verdanken, dass die Übungen des Zen heute auch das religiöse Leben vieler Christen bereichern. Das spannende Porträt eines Meisters, der die Menschen berührt und bewegt.“

Ich denke, da muss mehr gesagt sein. Noch gut erinnere ich, dass ich vor vielen Jahren Enomiya-Lassalle in Kevelaer in einem Kloster begegnet bin. Er ging, nein er schritt durch den Flur. In einer Soutane, die manche wohl als abgewetzt bezeichnen hätten. Doch um solche Äußerlichkeiten ging es ihm nie. Doch was wollte er?

Ursula Baatz liefert hier die Skizze eines eindrucksvollen Mannes am Exempel verschiedener Lebensstationen. Unter der Überschrift „Der Perlentaucher“ schreibt sie unter anderem: „Der Mut, auf der Suche nach Gott immer wieder den nächsten Schritt auf einen unbekannten Horizont hin zu tun, gehört zu den Grundzügen von Lassalles Leben. Das hat vielen Leuten Hoffnung gemacht…“ Und auch: „Für Lassalle war die Zen-Übung ein Beitrag zum Weltfrieden. Er hatte zwei Weltkriege und in Hiroshima die erste Atombombe überlebt und war Zeuge des Endes der europäischen Kolonialreiche und der ersten Ansätze einer globalen Gesellschaft. Ein weltweiter Friede setzt eine grundlegende Veränderung des menschlichen Bewusstseins voraus, ein neues Bewusstsein, das über das Denken in Gegensätzen und Egoismen hinauskommt. Er glaubte, dass die Meditationspraxis den Weg zu diesem neuen Bewusstsein öffnen könnte und dass die Menschheit am Vorabend eines Bewusstseinswandels stehe, der zu einer friedlicheren Welt führen könne.“

Die Zeit in Japan wird von ihr ebenso bearbeitet wie die Frage, was Erleuchtung ist. Vom Reisenden zwischen Ost und West ist ebenso die Rede wie von der offenen Weite am Horizont. Und sie verweist auch auf vielleicht unerwartete Inspirationen: „Das Thomasevangelium … unterstützte Lassalle in diesen Gedanken. Der Jesus des Thomasevangeliums spricht oft in Paradoxen, die von einem der alten Zen-Meister stammen könnten.“

Ursula Baatz, Redakteurin und langjährige Zen-Praktizierende bei Enomiya-Lassale, skizziert eindrucksvoll den spirituellen, kirchlichen und weltpolitischen Gang eines Jesuiten und Zen-Lehrers durch die Zeiten, der sehr um seinen Weg gerungen hat. Lohnend, diesem Weg mit der Lektüre zu folgen

© Werner Anahata Krebber

Mystiker unserer Zeit im Porträt – Buchtipp I

(Das Umschlagbild des Buches zeigt Bede Griffiths)

Roland R. Ropers

 Mystiker unserer Zeit im Porträt

topos premium / 172 Seiten  19,95 €,

ISBN: 978-3-8367-0032-0 / auch als E-Book

Kevelaer 2017

 

„Mystiker sind großartige Menschen ohne magische Erscheinung und ohne missionarisches Sendungsbewusstsein. Sie sind Leuchtfeuer und Wegweiser in das innerste Universum, wo jeder tiefreligiös Suchende an der Urquelle seine ewige Heimat finden kann. … Wer das Mysterium der Ewigen Wahrheit und Wirklichkeit durchdrungen hat, kann einem dogmatischen Glaubenssystem nicht untergeordnet werden.“ So führt Roland R. Ropers in sein Buch „Mystiker unserer Zeit im Porträt“ ein. Und wenig später schreibt er: „Die wirkliche Neugeburt findet nicht nach dem Tod statt, sondern ist die Rückbesinnung des Menschen auf die Qualität seines Denkens und Handelns, ist eine radikale Veränderung der Denkgewohnheiten in diesem Leben…“

Versehen mit einem knappen Titel und den Namen der porträtierten Mystikerinnen und Mystiker weist Ropers mit zumeist zwei bis vier Buchseiten auf diese Leuchtfeuer und Wegweiser hin und stellt ihr Leben und Werk vor. Die Grenzen konfessioneller Enge überschreitet er dabei erfrischend weit. So entsteht ein Kompendium interspiritueller mystischer Gedanken und ihrer Protagonisten, die teils bekannt scheinen, teils eher unerwartet daherkommen.

Wer sind sie nun, diese heutigen Mystikerinnen und Mystiker? Hier nur eine kleine Auswahl der knapp 70, die Ropers mit Papst Franziskus beginnen lässt: Sri Aurobindo, Charlotte Joko Beck, Eugen Biser, Leonard Bernstein, Carlo Carretto, Alexandra David Néel, Dorothy Day, John O’Donohue, Hans-Peter Dürr, Khalil Gibran, Bede Griffiths, Dag Hammerskjöld, Willigis Jäger, Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Henri Le Saux, Wladimir Lindenberg, Thomas Merton, Henri Nouwen, Raimon Panikkar, Thich Nhat Hanh, Valentin Tomberg…

Außer den biographischen Hinweisen gibt es Zitate der Mystikerinnen und Mystiker, die neugierig machen, mehr von ihnen zu erfahren, erspüren.

Kurz noch etwas über den Autoren: Roland Romuald Ropers ist 1945 geboren, Religionsphilosoph und Kontemplationslehrer. Er ist Oblate des Benediktinerordens und Begründer der „Etymosophie“. Bücher von ihm beschäftigten sich bereits in der Vergangenheit u.a. mit Hans-Peter Dürr, Bede Griffiths , Hugo Makibi Enomiya-Lassalle, Raimon Panikkar, also der Begegnung von östlicher und westlichen Spiritualitäten.

© Werner A. Krebber

 

Sich selbst begegnen

Siehe auch hier:

3sat: Der Weg zur Mitte – Das Labyrinth im Alltag
„Labyrinthe sind ein Mythos der Kulturgeschichte. Der Ursprung dieses Menschheitssymbol reicht weit zurück in die Geschichte der Erde, wann und wo es geschaffen wurden, kann bis heute aber niemand mit Gewissheit sagen. Auch nicht, welchem Zweck sie ursprünglich dienten und was das Wort Labyrinth wirklich bedeutet.“
Aus dem Hinweistext zu der Sendung.

Die Wallfahrt nach Kevlaar

Schluckbildchen der Kevelaerer Madonna (um 1780)  Foto: © wak

Auf dem Druckbogen sind vier gleiche Darstellungen des Kevelaerer Gnadenbildes zu sehen. Sie wurden mit dem Kupferstich der Madonna berührt, geweiht, verkauft und von den Pilgernden gegessen. So sollten die Heilkräfte der Muttergottes im Körper der Pilgerinnen und Pilger wirken.
Zu sehen sind sie in der Ausstellung „Der geteilte Himmel“ im RuhrMuseum in Essen.

Siehe auch: Heinrich Heine, Die Wallfahrt nach Kevlaar

https://www.staff.uni-mainz.de/pommeren/Gedichte/BdL/Kevlaar.html