Lieben und Gutes tun

Foto: (c) wak

Gott atmet uns in der Kontemplation ein
und wir müssen dann ganz in Ihm aufgehen.
Später atmet der Spirit oder Atem Gottes uns wieder aus,
damit wir lieben und Gutes tun.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

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Die Frucht liegt im Akt des Begreifens

Umschlag eines Kataloges der Galerie Boisserée, Köln

„Die Frucht
liegt nicht
in der Erkenntnis,
sie liegt
im Akt des Begreifens.“

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Ja, das ist ein Satz,
der mich sehr beeindruckt hat.

Pierre Soulages (1919 – 2022)

Hier der Link zum Katalog der Ausstellung: https://www.pierre-soulages.com/wp-content/uploads/2015/04/DOC_CAT_Boisseree_Malereu_und_grafik_2009.pdf

Ewiger Sucher und Finder

Jacob Böhme Lesebuch / Gedenktafel an einer Wohnung Böhmes im damaligen Görlitz / Fotos (c) wak

… Er ist ein ewiger Sucher und Finder, als nämlich sich selber in großen Wundern; und was Er findet, das findet Er in der Kraft: Er ist das Eröffnen der Kraft, Sein ist nichts gleich, und Ihn findet nichts, als nur was sich in Ihm aneignet, das gehet in Ihn ein, was sich selber verleugnet, das es sei; so ist der Geist Gottes darinnen Alles, denn es ist Ein Wille im ewigen Nichts, und ist doch in allen, wie Gottes Geist selber.

Jacob Böhme (1575 – 1624) in: Vierzig Fragen von der Seele. 1. Frage 34

In: Das Jacob Böhme Lesebuch. Aus Jacob Böhmes Schriften ausgewählt und eingeleitet von Paul Hankamer (1925). Neu herausgegeben, erweitert und mit einem Glossar versehen von Ronald Steckel (2022), Verlag Magische Blätter, Ronnenberg, S. 160

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/publikationsreihe/buecher

Jacob Böhme ist unser Zeitgenosse

Alles ist in Bewegung, in ständiger Schöpfung und Vernichtung, in einer immerwährenden Genese, in der nichts stabil und dauerhaft ist. Aber diese Bewegung ist nicht chaotisch oder anarchisch; sie ist strukturiert, organisiert durch eine Ordnung, die sicherlich komplex und subtil, aber dennoch wahrnehmbar ist. Wie Böhme uns immer wieder sagt, „auch Gott ist durch diese Bewegung gezeugt, er ist nicht in der Welt, sondern mit der Welt geboren“. Das Fehlen eines Wertesystems, das an die Komplexität der modernen Welt angepasst ist, könnte uns zur Selbstzerstörung unserer eigenen Art führen. Die Formulierung einer neuen Naturphilosophie scheint mir in diesem Zusammenhang von unmittelbarer Dringlichkeit zu sein. Jacob Boehme ist bei dieser Suche unter uns: Er ist unser Zeitgenosse.

Warum schreiben wir heute über Jacob Böhme? Vorwort von Basarab Nicolescu zu seinem Buch Wissenschaft, Sinn und Evolution – die Kosmologie Jacob Böhmes

Der ganze Beitrag von Basarab Nicolesu kann hier gelesen werden:

XII. MAGISCHE BLÄTTER BUCH | WINTER
CIII. Jahrgang Winter 2022 / 2023 | Spuren (November | Heft 34)

EINZELBUCH, 364 Seiten, 20,00 € (zuzüglich Versandkosten)
ISBN-Nr. 978-3-948-5941-5 2

Herausgeber: Verlag Magische Blätter – Ronnenberg | Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

Bestellungen hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subject: BESTELLEN MAGISCHE BLÄTTER BUCH XII

Das Gefäß muß leer und ledig werden

Römische Keramik. ca. 1. -4. Jh. / Foto: (c) wak

Man höhlet Ton und bildet ihn zu Töpfen:
In ihrem Nichts besteht der Töpfe Werk.

Laotse: Tao Te King

Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich fassen.
Soll es Wein enthalten, so muß man notgedrungen das Wasser ausgießen;
das Gefäß muß leer und ledig werden.

Meister Eckhart: Buch der göttlichen Tröstung

Göttlicher Same in die Herzen der Hörer

Foto: (c) wak

Auf Grund Deines so vorzüglichen und sehr großen Geschenkes betrachte ich Dich, meinen Jesus. Du verkündest Worte des Lebens, und reichlich säst Du den göttlichen Samen in die Herzen der Hörer. Doch ich sehe diejenigen fortgehen, die das nicht in sich aufnehmen, was des Geistes ist; die Jünger aber sehe ich bleiben, die schon begonnen haben, die Wonne der die Seele belebenden Lehre zu verkosten. …

Nikolaus von Kues (1401-1464): In: De visione Dei. Kapitel 24: Wie Jesus das Wort des Lebens ist

Vom inneren Licht erfüllt

Foto: (c) wak

Was sich der Seele im Grunde darbietet, hat weder Bild noch Form, weder Ort noch Weise: es ist ein unergründlicher Grund, schwebend in sich selbst, und in diesem Grund ist Gottes Wohnung mehr als irgendwo anders. Wer sich dorthin einsenkt, der findet da Gott und findet sich selbst in Gott und eins mit Gott. Denn von diesem Grunde scheidet Gott sich nie. Hier ist dem vom inneren Licht erfüllten Geist Gott gegenwärtig, und die Ewigkeit wird hier empfunden, in der es weder Vorher noch Nachher gibt.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

In der Wüste tiefer in sich selbst vordringen

Photo by Walid Ahmad on Pexels.com

Für mich ist die Wüste ein Ort der Introspektion. Mich fasziniert die Idee, dass man, je mehr man in ihr voranschreitet, umso tiefer in sich selbst vordringt. Der Raum wird zur Metapher einer inneren Reise. Durch die Beziehung zur Wüste entsteht so etwas wie eine sakrale Beziehung zur Unendlichkeit, von der wir westlichen Gesellschaften abgeschnitten sind.

Denis Villeneuve (*1967), Regisseur des aktuell neu verfilmten Epos aus den 1960er-Jahren „Dune“ (2021)

Die Gnade im Herzen tragen

Von Gottes- und Liebfrauenminne. Lieder aus der deutschen Mystik. Ins Neuhochdeutsche übertragen von Heinrich Adolf Grimm. Leipzig 1913, S. 5

Die Wahrheit ist uns dabei Schein,
denn manches arme Schwesterlein
und andre arme Geister
können mehr als alle Lesemeister
von deiner großen Gnade sagen,
weil sie es in dem Herze tragen.

Der Mönch von Halsbrunne (um 1320)