In Einklang sein mit dem was in Erscheinung tritt

Sobald wir über etwas Bescheid zu wissen glauben, machen wir dadurch einen anderen Verlauf der Dinge unmöglich. Sobald wir nicht mehr aus dem Nichtwissen heraus leben, fixieren wir unsere Situation so,dass wir das unablässige In-Erscheinung-Treten der Dinge und Ereignisse nicht mehr zu erleben vermögen. Die Dinge geschehen aber und nichts bleibt so, wie es ist. Indem wir jedoch Vorstellungen darüber hegen, was unserer Meinung nach geschehen sollte, hindern wir uns daran zu sehen, was tatsächlich geschieht. Uns entrüstet, wenn unsere Erwartungen sich nicht erfüllen. Gelingt es uns hingegen, sie loszulassen, befinden wir uns im Einklang mit dem, was in Erscheinung tritt.

Bernard Glassman (1939 – 2018)

Advertisements

Mangel an Sein

Foto: © wak

 

Der leidenschaftliche, fanatische Glaube an Ideen und Führer – gleich welche – ist Götzendienst. Er entsteht aus einem Mangel an Mitte, an innerer Aktivität, an Sein. Das gleiche gilt für die große Liebe: Sie wird zum Götzendienst, wenn jemand glaubt, daß der Besitz eines anderen Menschen ihm die Antwort auf sein Leben gibt, ihm Gewißheit schenkt, zu seinem Gott wird.

Erich Fromm (1900 – 1980)

Gleichgültigkeit

Foto: © wak

Ich habe immer daran geglaubt,
daß das Gegenteil von Liebe nicht Haß ist, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Glaube
ist nicht Überheblichkeit, sondern Gleichgültigkeit.
Das Gegenteil von Hoffnung
ist nicht Verzweiflung, es ist Gleichgültigkeit.
Gleichgültigkeit ist nicht der Anfang eines Prozesses,
es ist das Ende eines Prozesses.

Elie Wiesel (1928 – 2016)

Weg der Erfahrung

Foto: Marlies Schwochow +

Was ist das zentrale Anliegen des Zen? Die Neugeburt und Verwandlung des Menschen aus der Erfahrung des Seins. Zen lehrt uns den Weg zur Befreiung unseres Wesens aus den Fesseln des weltabhängigen Ichs. Zen lehrt es nicht mit den Mitteln des analytischen, schlussfolgernden Denkens, auch nicht in der Form eines dogmatischen Glaubens oder einer spekulativen Metaphysik, sondern als Weg der Erfahrung und Übung.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988)

Die Welt ist das große Mysterium

Also, mein liebes Gemüte,
forsche nach dem Baum
des christlichen Glaubens recht.
Er stehet nicht in dieser Welt.
Wohl muss er in dir sein,
aber du musst
mit dem Baume mit Christus in Gott sein,
also dass dir diese Welt nur anhange,
wie denn sie Christus auch nur anhing.
Doch nicht also zu verstehen,
dass diese Welt vor Gott nichts taugte
oder nicht nütze wäre.
Sie ist das große Mysterium.

Jakob Böhme (1575 – 1624)

Gefunden habe ich diesen Text auf kontemplation.at