Jesus aber verbarg sich…

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Da hoben sie Steine auf,
um sie auf ihn zu werfen.
Jesus aber verbarg sich und verließ den Tempel.

Johannes-Evangelium 8,59

Gesehen in der Kunst-Station St. Peter in Köln. Mehr dazu hier: http://www.sankt-peter-koeln.de/wp/kunst-station/ubersicht/

 

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Er macht die innere und äußere Welt zu einer

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Wie könnte ich jemals
das Geheimnis aussprechen?
Wollte ich sagen, dass Er in mir ist,
würde das ganze Universum
den Kopf senken vor Scham.
Wollte ich behaupten, Er sei ausserhalb von mir,
wüsste ich, dass ich lüge.

Er macht die innere und äussere Welt zu einer:
Bewusst und unbewusst sind beide seine Schemel.
Er ist weder manifestiert noch verboren;
er ist weder offenbart noch nichtoffenbart.

Es gibt keine Worte,
die beschreiben könnten,
was er ist.

Kabir (1440-1518)

Mitten im Weltenbau steht der Mensch

Aus einem Codex der Hildegard von Bingen   wikimedia/gemeinfrei

Mitten im Weltenbau steht der Mensch, denn er ist bedeutender als alle übrigen Geschöpfe. An Statur ist er zwar klein, an Kraft seiner Seele jedoch gewaltig. Sein Haupt nach oben gerichtet, die Füße auf festem Grund, vermag er alles in Bewegung zu setzen. Was er mit seinem Werk bewirkt, das durchdringt das All. Wie nämlich der Leib des Menschen das Herz an Größe übertrifft, so sind auch die Kräfte der Seele gewaltiger als die des Körpers, und wie das Herz des Menschen im Körper verborgen ruht, so ist auch der Körper von den Kräften der Seele umgeben, da diese sich über den gesamten Erdkreis erstrecken. So hat der gläubige Mensch sein Dasein im Wissen aus Gott und strebt in seinen geistlichen wie weltlichen Bedürfnissen zu Gott. Immer richtet sich sein Trachten auf Gott, dem er in Ehrfurcht entgegentritt. Denn wie der Mensch mit den leiblichen Augen allenthalben die Geschöpfe sieht, so schaut er im Glauben überall den Herrn. Gott ist es, den der Mensch in jedem Geschöpf erkennt. Weiß er doch, daß Er der Schöpfer aller Welt ist.

Hildegard von Bingen (um 1098 – 1179)

Rätselhafter Grund in Gottes Liebe

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Wie der stille See tief im verborgenen, von keinem Auge geschauten Quellbereich seinen Grund hat, so hat die Liebe des Menschen einen noch tieferen Grund: sie gründet in Gottes Liebe. Wäre in der Tiefe kein Quell und wäre Gott nicht die Liebe, so gäbe es weder den kleinen See noch auch die Liebe des Menschen. Wie der stille See seinen dunklen Grund in der tiefen Quelle hat, so hat die Liebe eines Menschen ihren rätselhaften Grund in Gottes Liebe.

Søren Kierkegaard (1813 – 1855)

Hebt die Schätze, die in euch verborgen liegen

Ihr tätet gut daran, Menschen des Nicht-Handelns zu werden. Unablässig seid ihr mit irgend etwas beschäftigt. Ihr gebt vor, die Wahrheit zu suchen, euch in der Meditation zu üben, und legt eure Auffassungen über die Buddhalehre dar. Dieses ganze Treiben ist nur hinter leeren Worten her sein und ist völlig sinnlos.
Unmittelbar nachdem mir mein Lehrer sagte: “In deiner eignen Schatzkammer ist alles in seiner ganzen Vollkommenheit enthalten. Du solltest besser davon Gebrauch machen als vergeblich irgendwo sonst danach zu suchen”, habe ich das ganze Suchen eingestellt.
Hebt die Schätze, die in euch verborgen liegen und – was kann es Besseres geben – macht von ihnen Gebrauch!

Hui Hai (720-814)

Mystikos – ein Versuch

Gottes Natur
sein Wesen
und seine Gottheit
hängt daran,
dass er in der Seele
wirken muss.
Meister Eckhart, Von unsagbaren Dingen

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mystikos:
verborgen und geheimnisvoll
und auch
undurchschaubar und unerklärbar.

Sich
und sein Selbst
verschließen.
Nicht nur die Augen.

myein ist mein ganzes Herz.

Hinein
in den Hortus Conclusus
in den verschlossenen Garten.
Leben lernen
aus der Quelle schöpfen
um den Brunnen überfliessen zu lassen.

Und dann:
Hinaus
mitten in diese Welt,
die sie braucht
die misericordia,
die Barmherzigkeit

die nicht gelingen kann
ohne zuvor
sich und sein Selbst
zu verschließen.

w.a.k.

 

Dieser Text ist zuerst hier erschienen: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2015/01/08/mystikos-versuch-von-wak/