Leere Rollen mit spiritueller Wahrheit

Foto: © wak

Als die buddhistischen Textrollen erstmals von Indien nach China gebracht wurden, stellte man unterwegs fest, dass sie leer waren. Diese leeren Rollen enthielten die spirituelle Wahrheit. Doch wie nur Ananada allein verstand, als Buddha schweigend eine Blume hochhielt, während die anderen des „Stufenwegs der Erleuchtung“ bedurften, so braucht die Menschheit eine stufenweise Annäherung an die große Leere. Beschriebene Rollen dienten als Ersatz, um den Suchenden zu helfen, den inneren Pfad zu verstehen

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953) in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Wegs. Interlaken 1993, S. 25

Erfahrungen des Herzens

Foto: © wak

 

Die Lehre, die ich vertrete, ist darüber hinaus tief beeinflusst von und solidarisch mit den anderen großen heiligen Traditionen der Welt und ist daher interspirituell. Wir begegnen uns in unserem tiefsten Inneren, in der Tiefe, wo die großen Traditionen einander umarmen. Ich verstehe die heiligen Traditionen der Welt als die Farben eines Regenbogens. Sie alle sind absolut notwendig, um den Regenbogen zu bilden, und jede einzelne muss hell leuchten, wenn der Regenbogen tun soll, wozu er da ist. …

Meine eigene Arbeit wurde wesentlich beeinflusst und unterstützt insbesondere vom Sufismus, der mystischen Tradition des Islams, sowie vom tibetischen Buddhismus. Meine Sufi-Freunde nennen mich einen „christlichen Derwisch“. Das gefällt mir sehr, weil es das große Bild verdeutlicht.

Es geht nicht darum, eine interreligiöse Harmonie zu erzeugen, indem wir alle Religionen sozusagen in einem einzigen säkularen Eintopf neutralisieren, sondern darum, dass wir wirklich in die Tiefe vorstoßen, wo sich alle diese großen Traditionen gegenseitig durchdringen und eine Tiefendimension aufweisen, die sie der Welt auf keine andere Weise mitteilen können. Obwohl die Sprachen, mit denen sie diese Dimension beschreiben, unterschiedlich klingen mögen, reden sie alle von ein und derselben Erfahrung des Herzens. Dieses Herz brauchen wir heute in der Welt.

Cynthia Bourgeault (*1947)  Mehr über sie und ihre Bücher hier: https://chalice-verlag.de/cynthia-bourgeault/

Zuhörer in Corona-Zeiten ~ Werner A. Krebber

 

Wo finde ich nur einen Menschen,
der die Wörter zu vergessen weiß,
so dass ich einige Worte
mit ihm wechseln könnte.
Zuangzi / China

 

Sind manche Phasen ohnehin schon so, dass es einen Zuhörer braucht, ist das in einer Zeit, wie sie durch die Corona-Situation entstanden ist, um so drängender:

Menschen brauchen Zuhörende…

… die ihnen ein empathisches, vertrauensvolles und unabhängiges Gegenüber sind;

… die ihnen achtsam und konzentriert ihre volle Aufmerksamkeit schenken;

… die interessiert ihren Gedanken ohne Urteil und Bewertung folgen;

… bei denen ein geistiger Raum entsteht, in dem ihre Gedanken und Planungen in Ruhe beim Sprechen entwickelt werden können;

… die ihnen nicht Argumente, eigene Meinungen oder Ratschläge aufdrängen…

Ich bin für Sie da, bin Ihr Zuhörer – nehmen Sie Kontakt mit mir auf…

https://zuhoerer-ruhr.com/zuhoerer@email.de

Was die Welt braucht…

Foto: © wak

Was die Welt braucht, ist Denkkraft durch Individuen. Mein Meister pflegte zu sagen: “Warum bringst du nicht deinen eigenen Lotos zum Blühen? Die Bienen werden dann von selbst kommen.” Die Welt braucht Menschen, die verrückt sind vor Liebe zu Gott.

Vivekananda (1863 – 1902)

Wiederentdeckung ursprünglicher Weisheit

Thomas Merton in der Abtei Gethsemani / Bild: Archiv

Wir brauchen eine neue geistige Grundhaltung, und das bedeutet zuallererst die Wiederentdeckung der alten und ursprünglichen Weisheit. Und wirklichen Kontakt mit dem, was uns unmittelbar umgibt.

Thomas Merton 1966 in einem Brief an Thich Nhat Hanh

Die Welt bedarf der genialen Heiligen

Foto: Archiv

Es genügt heute nicht, ein Heiliger zu sein; es bedarf der Heiligkeit, die der gegenwärtige Augenblick fordert, einer neuen Heiligkeit, wie es sie früher nie gegeben hat. Ein neuer Typus der Heiligkeit, das ist wie der Ausbruch eines innersten Quells, das ist eine Erfindung. Es ist beinahe so etwas wie eine neue Offenbarung des Weltalls und der menschlichen Bestimmung. Es ist die Freilegung eines weiten Bereiches von Wahrheit und Schönheit, der bis dahin unter einer dicken Staubschicht verborgen war. Hierzu bedarf es eines größeren Genies, als Archimedes es brauchte, um die Mechanik und die Physik zu erfinden. Eine neue Heiligkeit ist eine sehr viel wunderbarere Erfindung.

Nur eine Art von Perversität kann die Freunde Gottes veranlassen, sich dessen zu berauben, dass sie Genie haben; denn um einen Überreichtum an Genie zu empfangen, genügt es, dass sie es im Namen Christi von ihrem Vater erbitten. Dies ist, wenigstens heutigen Tages, eine berechtigte Bitte, denn sie ist notwendig. Ich glaube, dies ist, in dieser Form oder in irgendeiner gleichwertigen, heute die erste Bitte, die man alle Tage, alle Stunden tun sollte, wie ein hungriges Kind immer nach Brot verlangt. Die Welt bedarf der genialen Heiligen, wie eine Stadt, in der die Pest wütet, der Ärzte bedarf.

 Simone Weil in einem Brief an Pater Perrin, 26.5.1942

In: https://www.nootheater.de/menu.html  – Buch der Freunde XXV

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 8  |  September 2020

TITELTHEMA: EIN VERSCHÜTTETER TEMPEL

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Erinnerung, Ermutigung, Erkenntnis

Foto: © wak

Die einzige Ermahnung, die du brauchst, ist die Erinnerung an die Unvollkommenheit des ewigen Daseinskreislaufes.

Die einzige Ermutigung, die du brauchst, ist das Bewusstsein von der Vergänglichkeit.

Die einzige Erleuchtung, die du brauchst, ist die Erkenntnis, dass alles, was erscheint, nur ein Spiel des Geistes ist.

Padmasambhava (756-796)

Entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen

Foto: © wak

Das am ehesten Wahre sagt man über Gott,
wenn man von allem sagt,
er sei dieses nicht.
Denn es ist angemessener,
alles über ihn zu verneinen,
als irgendetwas von ihm zu behaupten.
Das ist es, was wir sagen können,
wenn man uns fragt, wie man vom Unsagbaren reden könne.
Nichts lässt sich von ihm in angemessener Weise sagen.
Wir müssen entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen.

Isaak von Stella (um 1100 – 1178)

Ursprüngliche Weisheit und unmittelbarer Kontakt

 

Foto: © wak

Ich vermute, dass Ihre Probleme mit einer konservativen und formalistischen Religiosität den unseren in der katholischen Kirche ganz und gar gleichen. Es ist überall dasselbe. Wir brauchen eine neue geistige Grundhaltung, und das bedeutet zuallererst die Wiederentdeckung der alten und ursprünglichen Weisheit. Und wirklichen Kontakt mit dem, was uns unmittelbar umgibt.

Thomas Merton 1966 in einem Brief an Thich Nhat Hanh

Letztlich heilt nur die Liebe

Foto: © wak

Liebe ist ein Wunder. Und wie alle Wunder braucht sie nur eins, damit sie geschehen kann: Man muss bereit sein, sie zuzulassen. Sobald wir bereit sind, sie zuzulassen, strömt sie in unser Leben wie ein warmer Segen, heilt alle Wunden, lindert alle Krämpfe, entspannt unsere vor lauter Angst und Kampf verhärteten Muskeln und Organe, lockert unsere festgefahrenen Verhaltensmuster, schenkt uns Verstehen, Lächeln, schließlich Lachen. Liebe heilt. Letztlich heilt nur die Liebe.

Safi Nidiaye (*1951) in: Das Tao des Herzens