Das Erscheinende über der Erscheinung verloren

Franz Gareis: Novalis ~ um 1799

Alles, was wir erfahren, ist eine Mitteilung. So ist die Welt in der Tat eine Mitteilung – Offenbarung des Geistes. Die Zeit ist nicht mehr, wo der Geist Gottes verständlich war. Der Sinn der Welt ist verloren gegangen. Wir sind beim Buchstaben stehengeblieben. Wir haben das Erscheinende über der Erscheinung verloren. Formularwesen.

Friedrich von Hardenberg / Novalis ( 1772 – 1801)

Aus: Die Sprache ist Delphi. Hommage an Friedrich von Hardenberg / Novalis ausgewählt von Ronald Steckel

 Der vollständige Text  ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Geradewegs des Menschen Herz treffen

Bodhidharma
Tsukioka Yoshitoshi (1839-1892) | wikimedia ~ gemeinfrei

Kein Schrifttum soll errichtet werden.
Gelehrt sei außerhalb der Lehre.
Trefft gradewegs des Menschen Herz.
Zum Buddha wird, wer so sein Wesen fand.

Bodhidharma ( um 440 – um 528)

Nichtwissenheit wissen ist das Höchste

Die Nichtwissenheit wissen
ist das Höchste.
Nicht wissen, was Wissen ist,
ist ein Leiden.
Nur wenn man unter diesem Leiden leidet,
wird man frei von Leiden.
Daß der Berufene nicht leidet,
kommt daher, daß er an diesem Leiden leidet;
darum leidet er nicht.

Laotse (6./7. Jh. v.u.Z.) im Tao Te King, Buch 2: Das Leben, 71

Der Ungrund ist ein ewig Nichts

© wak

 

Der Ungrund ist ein ewig Nichts und machet aber einen ewigen Anfang als eine Sucht; denn das Nichts ist eine Sucht nach Etwas: und da doch auch Nichts ist, das Etwas gebe; sondern die Sucht ist selber das Geben dessen, das doch auch nichts ist als bloß eine begehrende Sucht. Und das ist der ewige Verstand der Magiä, welche in sich machet, da nichts ist; sie machet aus Nichts Etwas und das nur in sich selber, und da doch dieselbe Sucht auch ein Nichts ist als nur bloß ein Wille. Er hat Nichts und ist auch nichts, das ihm etwas gebe, und hat auch keine Stätte, da er sich finde oder hinlege.

Zitat von Jacob Böhme in: Felix Voigt in: Beiträge zum Verständnis Jakob Böhmes. Vom Wesen seiner Persönlichkeit und seiner Gedankenwelt (2)

Der komplette Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

HEFT 2 | Februar 2021
TITELTHEMA: Jacob Böhme (2)

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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Wahrheit ist die Spur Gottes in der Welt

Foto: © wak

 

Mein Freund, suche Gott in den Wahrheiten des Christentums, aber suche ihn auch in den ewigen Wahrheiten der Anderen, der Juden und der Muslime! Denn jeder, der nach Wahrheit strebt, in welcher Form es auch sei mag, ist auf dem rechten Weg zu Gott, von dem alle Wahrheit stammt, auch die der Andersgläubigen. Wahrheit ist die Spur Gottes in der Welt.

Raimundus Lullus (1232-1316)

Einförmig sein mit Gott

Foto: © wak

Was ist des abgeschiedenen Herzens Gebet? Darauf antworte ich wie folgt und sage: Abgeschiedene Lauterkeit kann nicht beten, denn wer betet, der begehrt etwas von Gott, das ihm zuteil werden solle, oder aber begehrt, daß ihm Gott etwas abnehme. Nun begehrt das abgeschiedene Herz gar nichts, es hat auch gar nichts, dessen es gerne ledig wäre. Deshalb steht es ledig allen Gebets, und sein Gebet ist nichts anderes als einförmig zu sein mit Gott.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seinem Traktat „Von der Abgeschiedenheit“

Editorial | Update 02_2021

„Wann, wenn nicht Jetzt“ heißt es im Untertitel des Blogs „Mystik aktuell“. Ganz so, wie es Sosan um 600 formuliert hat: „Der Weg ist jenseits von Sprache, denn auf ihm gibt es kein Gestern, kein Morgen, kein Heute.“

Werner Anahata Krebber | Foto: privat

Auf dem sprituellen Weg können Texte aus der mystischen Tradition wie aus der Gegenwart Begleiter sein, die eigene Verortung neu zu buchstabieren oder zu vertiefen. Dabei greife ich für den Blog „Mystik aktuell“ neben eigenen Beiträgen auf Quellen zurück, die weit über die eigene spirituelle Herkunft hinausgehen neue Zugänge ermöglichen können: interreligiös, interspirituell, transkonfessionell, interkulturell. Stammen sie geographisch oder spirituell auch von weit her, so können sie Anstoß, Anregung, Ansprache sein – immer neu sind sie danach zu befragen, welche Bedeutung sie für jede/n Einzelne/n haben. Jetzt. Und auch so, wie es Robert Musil (1880 – 1942) in seinem „Mann ohne Eigenschaften“ formuliert hat:

Ich sehe mir den heiligen Weg
mit der Frage an,
ob man wohl auch
mit einem Kraftwagen auf ihm fahren könnte!

In diesem Sinne viel anregende Lektüre!

Werner Anahata Krebber im Februar 2021

Schlüssel zur Tür des geistlichen Lebens

Das ist das letzte Ziel des Menschen,
das Eine zu finden,
das in ihm ist,
das sein Wahres Wesen,
das seine Seele ist,
der Schlüssel zu der Tür
des geistlichen Lebens,
zum himmlischen Reich

Rabindranath Tagore (1861-1941) in: Sadhana. Der Weg der Vollendung. München 1921

Der Seele Göttlichstes ins Auge fassen

 

Die Seele und der Seele Göttlichstes muss ins Auge fassen, wer den Geist erkennen will, und was er ist. Das nun kann vielleicht auch auf die Weise geschehen, dass du vom Menschen, und zwar natürlich von dir selbst, zuerst den Leib abstreifst; dann auch die Seele, die ihn formt, aber auch fein säuberlich die Wahrnehmung, dazu Begierde, Zorn und all diese Narrenpossen, die sich doch nur dem, was sterblich ist, zuneigen, erst recht: und das, was dann von der Seele übrig bleibt, das ist jenes Stück, welches wir Abbild Gottes nannten, das ein wenig Licht von Jenem in sich bewahrt, so wie bei der Sonne das Licht, das über die Kugel ihrer Masse hinaus um sie und aus ihr erstrahlt.

Plotin (203 – 269)

Nicht fürchten sondern transformieren

Porträtskizze zu Jakob Böhme

Für mich lässt sich die Bedeutung von Böhmes Werk sowohl auf der makrokosmischen als auch auf der mikrokosmischen Ebene zusammenfassen mit seiner tiefen Einsicht, dass Wille, Begehren, Schmerz und Qual die Rohmaterialien sind, aus denen etwas Starkes und Mächtiges bewirkt wird. Gott ist Liebe, sicherlich, aber die Liebe selbst ist das triumphierende Ergebnis eines Prozesses, dessen ewige, verborgene Bausteine in Begehren, Schmerz und Qual zu finden sind. Daher müssen diese Dinge in meinem Leben nicht gefürchtet oder geleugnet, sondern transformiert werden.

Cynthia Bourgeault (*1947) Eine Einführung in die Kosmologie des Jakob Böhme

Der komplette Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH V
CII. JAHRGANG FRÜHJAHR 2021

HEFT 2 | Februar 2021
TITELTHEMA: Jacob Böhme (2)

gebunden. ISBN 978-3-948594-06-0 – 20,00 €

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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