Zum wahren Licht

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Wer immer du seist,
wenn du strebst,
zu erheben den Ruhm dieser Tore,
Staune nicht an das Gold und den Aufwand,
sondern die Arbeit.

Edel erstrahlt das Werk,
doch das Werk, das edel erstrahlet,
Möge erleuchten die Geister,
dass sie eingehen durch die wahren Lichter.
Zum wahren Licht, wo Christus das wahre Tor ist.
Wie es der Welt innewohnt,
gibt das goldene Tor zu erkennen:
Der schwache Geist erhebt sich
zum Wahren durch das Materielle
Und sehnend erhebt er sich
durch das Licht aus
seiner Versunkenheit.

Inschrift, die Abt Suger (um 1081 – 1151) an der Westfront der Abtei St. Denis anbringen ließ.

Das Wesen Gottes mit erleuchteten Augen schauen

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Das Wesen Gottes ist unfassbar für die menschliche Vernunft, die nur erfasst, was sie kennt. Die aber den Geist Gottes in sich haben, haben auch Gott: Sie sehen Gott, weil sie ein erleuchtetes Auge haben, mit dem Gott geschaut werden kann; und sie nehmen ihn wahr nicht in einem anderen oder nach der Art eines anderen, das nicht er selbst wäre, sondern in selbst und in ihm selbst, was er ist: weil er gegenwärtig ist.

Hugo von St. Victor (ca. 1096/97 – 1141)

Was taugt diese Welt

Rabbi Israel ben Elieser( um 1700 – 1760), genannt Baal Schem Tow (Besitzer des guten Namens, auch: Meister des guten Namen oder abgekürzt Bescht). Er gilt als der Begründer der chassidischen Bewegung innerhalb des religiösen Judentums

Rabbi Abraham sprach: „Herr der Welt, wäre ein Nu vorstellbar ohne deinen Einfluss und deine Vorsehung, was taugte uns da noch diese Welt, und was taugte uns da noch jene Welt, was taugte uns noch das Kommen des Messias, und was taugte uns da noch die Auferstehung der Toten, was wäre da noch an alledem zu genießen, und wozu wäre es da!“

Auszüge aus »Die Erzählungen der Chassidim« (2) von Martin Buber

Weite Auszüge der Erzählungen sind hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH X
CIII. Jahrgang, Juli 2022, Heft 7 / Thema: MATERIALIEN ZUM FILM

Bestellt werden kann die Ausgabe hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/publikationsreihe/magische-bl%C3%A4tter-buchreihe

Du selbst bist es, der in mir ist

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Umklammert habe ich
mit meinem ganzen Wesen
Deine ganze Liebe,
Du Heiligkeit!
Du hast Dich
in mir geoffenbart,
so sehr,
dass es mir scheinen will,
Du selbst bist es,
der in mir ist.

Al-Halladsch (858 – 922)

Saatkörner der Kontemplation

Kontemplation ist der höchste Ausdruck des intellektuellen und geistigen Lebens des Menschen. Sie ist das Leben selbst, voll wach, voll aktiv, voll bewusst, dass es lebendig ist. Sie ist geistiges Staunen. Sie ist spontane Ehrfurcht vor der Heiligkeit des Lebens, des Seins. Sie ist eine lebendige Erkenntnis der Tatsache, dass das Leben und das Sein in uns aus einer unsichtbaren, transzendenten und unendlich reichhaltigen Quelle stammen. Kontemplation ist vor allem ein Bewusstsein für die Realität dieser Quelle. Sie kennt die Quelle, obskur, unerklärlich, aber mit einer Gewissheit, die über die Vernunft und über den einfachen Glauben hinausgeht… Es ist eine tiefere Tiefe des Glaubens, ein Wissen, das zu tief ist, um in Bildern, in Worten oder sogar in klaren Begriffen erfasst zu werden.

Thomas Merton (1915 – 1968) in: New Seeds of Contemplation