Keine Lücke zwischen dir und mir

Keramik von Vincenzo Altepost

Allen Lebewesen Buddha zu geben,
bedeutet, sich selbst zu geben.
Freundlich zu sprechen fühlt sich gut an
und hilft, die Gesundheit zu verbessern.
Taten zu vollbringen, die allen zugute kommen,
lässt jeden sehen, dass es in der Zusammenarbeit
keine Lücke gibt zwischen dir und mir.

Taigen Dan Leighton (*1950)

Es gibt keine Lehre für dich…

Foto: (c) wak

Es gibt keine Lehre für dich, um daran zu kauen oder sich darüber zu hocken. Wenn du nicht an dich selbst glaubst, nimmst du dein Bündel und machst die Runde vor anderer Leute Häuser, nach Zen und Tao zu suchen. Du suchst nach Mysterien, nach Wundern, nach Buddhas, nach Zenmeistern und Lehrern. Du meinst, das sei Suchen nach dem Höchsten, und du machst es zu deiner Religion, aber das gleicht einem Rennen nach Osten, um etwas zu bekommen, was im Westen liegt.

Meister Youansou (14. Jahrhundert)

Selbst Wirklichkeit sein

Fotographik (c) wak

Auf jeden Fall
wollen wir nicht vergessen,
dass Zen immer danach strebt,
uns die Wirklichkeit
unmittelbar erkennen zu lassen.
Das bedeutet,
die Wirklichkeit selbst zu sein,
so daß wir
mit Meister Eckhart sagen können:
„Christus wird jede Minute
in meiner Seele geboren“ oder
„Gottes Istheit ist meine Istheit“.
Wir wollen dies
in unserem Bewusstsein behalten,
wenn wir uns bemühen,
Zen zu verstehen…

Einführung von Daisetsu Teitaro Suzuki (1870 – 1966) zu dem Buch seines Freundes Shibayama Zenkei (1894-1974), A Flower Does not Talk. / Zen in Gleichnis und Bild, München 1974. Suzuki schrieb dies einen Tag vor seinem Tod.

Zurück in den göttlichen Urgrund

Foto: (c) wak

Im Zen ist diese Einheit Identität, die schon existiert, bevor man etwas davon weiß, und daher nur zum Bewusstein gebracht werden muss.

Im christlichen Bereich, so bei Eckhart, geht es um die Einheit des Menschen mit Gott; sie kann daher niemals bis zu einer Identität vorangetrieben werden. Aber Eckhart treibt sie soweit voran, wie es gerade noch möglich ist, ohne dass eine Identität behauptet wird.

Fragen wir, wo diese Einheit zwischen Gott und Mensch vollzogen wird, so antwortet Eckhart: Sie vollzieht sich im Seelengrunde, indem der Seelengrund in den göttlichen Urgrund eingeht. So wie das ewige Ich, das noch, bevor Seele und Leib mit ihm verbunden wurden, aus dem göttlichen Urgrund geboren wurde, so muss auch der Geist des Menschen in diesen göttlichen Urgrund zurückkehren.

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 – 1990)

Erscheinungen der Natur als Tor zur Erleuchtung

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Das Vogelgezwitscher in der Tiefe des Waldes, das muntere Springen der Fische im klaren Wasser der Bergbäche; das Rauschen und Schluchzen der Wasserfälle — all das kennt Ihr doch wohl. Bieten Euch nicht alle diese zahllosen Erscheinungen der Natur ein Tor zur Erleuchtung?

Aus dem Zen

Mit Geschriebenem nichts zu tun

Eine Nonne rezierte in einem fort das Nirvana-Sutra. Der Patriarch Huineng hörte ihr eine Zeit lang zu und erklärte ihr den tiefen Sinn des Textes. Nun bat ihn die Nonne, ihr auch einige Wörter im Text zu erklären. Sie nahm das Buch und hielt es dem Patriarchen hin.

„Wenn Ihr wollt, daß ich Euch den Sinn kundtue, das kann ich“, sagte der Patriarch zu der Nonne. „Lesen aber kann ich nicht.“

„Wenn Ihr nicht einmal lesen könnt, wie wollt Ihr mir da den Sinn erklären?“, erwiderte überascht die Nonne.

„Die tiefe Weisheit Buddhas hat mit Geschriebenem nichts zu tun“, gab der Patriarch ihr zur Antwort.

Zen-Geschichte