Vollkommene Freiheit genießen

Foto: © wak

Wenn die Jünger des Zen über die Welt ihrer Sinne und Gedanken hinaus nicht zu gehen vermögen, dann ist all ihr Tun und Lassen bedeutungslos. Aber wenn ihre Sinne und Gedanken vernichtet sind, bleiben alle Durchgänge zum Allumfassenden Geist verstopft und unbegehbar. Der Urgeist muss erkannt werden, solange die Sinne und Gedanken arbeiten. Er gehört ihnen nicht, ist aber von ihnen auch nicht unabhängig. Bauet eure Ansichten nicht auf euren Sinnen und Gedanken auf. Aber suchet nicht den Geist weitab von euren Sinnen und Gedanken, trachtet nicht danach, dadurch die Wirklichkeit zu erfassen, dass ihr eure Sinne und Gedanken verwerfet. Wenn ihr weder daran haftet noch davon losgelöst seid, dann werdet ihr eure vollkommene, unbehinderte Freiheit genießen, dann werdet ihr eure Quelle der Erleuchtung besitzen.

 Huang-Po (+ um 800)

Alle Weisheit des Universums

 

Foto: © wak

Von einem alten Zen-Meister wird erzählt, dass er jeden Tag zu seinen Schülern sprach. Bei seinen Unterweisungen hatte er immer ein dickes Buch auf seinen Knien liegen. Aufgeschlagen hat er es allerdings niemals. Doch wenige Tage bevor er starb, öffnete der Meister das Buch. Er las einen einzigen Satz:

Alle Weisheit des Universums gehört dir,
wenn du erkennst,
dass Leere Fülle und Fülle Leere ist.

Schon kurz danach ist der Meister gestorben. Als seine Schüler ihn vermissten, fragten sie sich, was wohl in dem Buch gestanden ist.  Doch das Buch war weg, verschollen, nicht aufzufinden. Aber nach langem Suchen fanden sie das Buch doch in einer fast zusammen gefallenen Hütte. Es war unansehnlich geworden und mit einer dicken Staubschicht bedeckt. Ungeduldig öffneten zwei der Schüler das Buch. Was sie sahen erstaunte sie: Es enthielt keinen einzigen Buchstaben, jede Seite war leer…

Was ist das Wesen des Selbst?

Foto: © wak

Von einem alten Zen-Meister wird erzählt, dass er Besuch von einem König bekam.
Der hohe Herr fragte den Meister: „Was ist das Wesen des Selbst?“
Der alte Mann sah ihn an – und schwieg.
Daraufhin wiederholte der König seine Frage: „Was ist das Wesen des Selbst?“
Wieder schwieg der Meister.
Und der König fragte zum dritten Mal – jetzt drängender und fast wütend: „Was ist das Wesen des Selbst?“

Darauf antwortete der Zen-Meister dem König in ruhigem Ton: „Dreimal habe ich Dir eine Antwort gegeben. Aber Du hörst nicht zu. So sage ich es Dir zum letzten Mal: Das Wesen des Selbst ist die Stille.

Aus dem Zen

Mystik lesen – Pfade zum Selbst | work in progress…

Es gibt so viele Definitionen von Mystik, wie es Menschen gibt, die sich damit beschäftigen. Denn in der Mystik geht es um den Sinn des Lebens. Und deshalb bringt jeder seine persönliche Lebenshaltung mit ein.

Friedrich Heiler (1892 – 1967)

work in progress

020

 

019

 

018

 

017

 

016

 

015

 

014

 

 

013

012

Sehen mit dem Dritten Auge ist die Sichtweise der Mystiker. Sie lehnen das Erste Auge nicht ab. Die sinnlichen Wahrnehmungen bedeuten ihnen etwas. Aber sie wissen, es gibt mehr. Sie lehnen auch das Zweite Auge nicht ab. Aber sie verwechseln Wissen nicht mit Tiefe und bloße korrekte Information nicht mit der Transformation des Bewusstseins selbst. Der mystische Blick baut auf das Erste und Zweite Auge auf – aber er reicht weiter. Er ereignet sich immer dann, wenn aufgrund eines wunderbaren „Zufalls“ der Raum unseres Herzens, der Raum unseres Verstandes sowie unsere Körperwahrnehmung gleichzeitig geöffnet und nicht-resistens sind. Ich nenne dies gern Präsenz. Präsenz wird als ein Moment tiefer innerer Verbundenheit erfahren und sie zieht uns unweigerlich in das nackte und ungeschützte Hier und Jetzt hinein.

Richard Rohr (*1943) in: Pure Präsenz. Sehen lernen wie die Mystiker. München, 2010

011

 

010

009

Der Fromme von morgen wird ein ‚Mystiker‘ sein, einer, der etwas ‚erfahren‘ hat, oder er wird nicht mehr sein, weil die Frömmigkeit von morgen nicht mehr durch die im Voraus zu einer personalen Erfahrung und Entscheidung einstimmige, selbstverständliche öffentliche Überzeugung und religiöse Sitte aller mitgetragen wird, die bisher übliche religiöse Erziehung also nur noch eine sehr sekundäre Dressur für das religiöse Institutionelle sein kann. Die Mystagogie muss von der angenommenen Erfahrung der Verwiesenheit des Menschen auf Gott hin das richtige ‚Gottesbild‘ vermitteln, die Erfahrung, dass des Menschen Grund der Abgrund ist: dass Gott wesentlich der Unbegreifliche ist; dass seine Unbegreiflichkeit wächst und nicht abnimmt, je richtiger Gott verstanden wird, je näher uns seine ihn selbst mitteilende Liebe kommt.“

Karl Rahner: Frömmigkeit früher und heute. In: Schriften zur Theologie VII, Einsiedeln 1971, S. 22-23

 

008

 

007

Die Mystiker haben immer wieder betont, dass höhere Erkenntnis und das gelebte höhere Wissen die große Befreiung bewirken. Befreiung wovon? Es ist die Befreiung von den zahllosen Fesseln, die unser Ich davon abhalten, dem Selbst entgegenzugehen, um mit diesem eins zu werden. Höhere Erkenntnis, das heißt Erkenntnis der Existenz einer absoluten Wirklichkeit, ist das sicherste Mittel für eine solche Befreiung.

René Bütler (1923 – 2016)

 

006

005

 

004

 

003

002

Ein Buch aufschlagen
und die Worte finden,
die mich be/treffen.

w.a.k.

 

001

000
Mystik lesen – Pfade zum Selbst. Überschrift über einen Text, der für jede und jeden mit anderem Inhalt gefüllt wird.
w.a.k.

 

Magie der Stille

James Lee Byars Untitled (Sigmund Freud), 1989 Bronze, vergoldet ~ Foto: © wak

James Lee Byars (1932 – 1997) begann 1957 seine intensive Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus. Seine Erkenntnisse übertrug er in ein künstlerisches Schaffen, das eine Symbiose aus Konzeptkunst, Minimalismus und Fluxus darstellt. Früh versuchte Byars existenzielle Begriffe zur Anschauung zu bringen, die dem Betrachter das Erleben von Stille und Leere ermöglichen sollen. …. Vollkommenheit, Schönheit und Immaterialität zählen zu den zentralen Begriffen des „Magiers der Stille“. (Aus der Homepage des Skulpturenparks Köln).

Mehr hier: http://www.skulpturenparkkoeln.de/de/ausstellungkoelnskulptur/koelnskulptur-4.html

In ruhigen Stunden nachlesen und Corona ein Schnippchen schlagen…

Foto: © wak

Nachfolgend Links zu ein paar älteren Texten von mir. Zum Teil sind sie in der „Connection“ erschienen, zum Teil anderswo. Jedenfalls laden sie ein, noch einmal darin zu stöbern und die eine oder andere Anregung zu bekommen.

I

Der Weg zum Selbst
Der Weg in die Zukunft auf den Spuren der Mystik
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/06/03/wege-zum-selbst/

Labyrinth – das große Abenteuer
https://mystikaktuell.wordpress.com/2011/05/21/labyrinth-das-grose-abenteuer/

Nur wer aufbricht, kann ankommen
Pilgerschaft als Seins-Weise
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/04/08/pilgern-als-seins-weise/

II

Meister Eckhart: Brückenbauer zum Hier und Jetzt
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/03/27/meister-eckhart-bruckenbauer-zum-hier-und-jetzt/

Annäherung an Meister Eckhart
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/12/06/annaherung-an-meister-eckhart/

Erleuchtung im Durchbruch des Nichts
Der Mystiker Johannes Tauler und Zen
https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/28/der-mystiker-johannes-tauler-und-zen/

Meister Eckhart und Zen-Buddhismus
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/11/20/meister-eckhart-und-zen-buddhismus/

Meister Eckhart und die Beginen
https://meistereckhart750.wordpress.com/2010/02/17/eckhart-und-die-beginen/

Beginen – Mystikerinnen des Tuns
https://mystikaktuell.wordpress.com/2010/11/21/beginen-mystikerinnen-des-tuns/

Beginen: Mystik, Verfolgung und Verurteilung
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/05/20/beginen-mystik-verfolgung-und-verurteilung/

 

III

Das Herz – Stätte der Lebenskraft
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/01/22/das-herz-statte-der-lebenskraft/

Worte, die heilen können
Bibliotherapie aus buddhistischem Geist
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/07/30/worte-die-heilen-koennen/

Heilende Worte
https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/07/29/heilende-worte/

Worte, die das Herz öffnen
Vorboten und Wegweiser zur Heilung
https://mystikaktuell.wordpress.com/2012/04/20/worte-die-das-herz-offnen/

 

Aphorismen und Lyrisches von mir findet sich hier:

https://wernerkrebber.wordpress.com/category/aphorismen/

Gemeintes ahnend erfassen

Foto: © wak

Es ist interessant, zu vergleichen, wie die mystische Erfahrung, die ja kein Privileg des Christentums ist, zu allen Zeiten, da und dort, der Unzulänglichkeit aller Worte zum Trotz, sich Ausdruck zu verschaffen wußte. Aus der Lücke des Ungesagten, dem aufklaffenden Sprung des Paradoxons, das zwei Sätze zerreißt, steigt in der Wechselrede des »Kôan«, wie sie im Zen–Buddhismus zwischen Meister und Schüler geübt wird, jählings das gemeinte Geheimnis auf. Der Chassidismus bedient sich der legendarischen Anekdote, ebenso die islamischen Sufis. Durch gewaltsame Verrenkung, Umstülpung des konventionellen Vokabulars und mit genialen Neubildungen formte die Mystik des deutschen Mittelalters sich ein sprachliches Organ. … Die theoretische Erklärung ist kein Ersatz für das im Vers Geborgene. Im Niemandsland zwischen beiden Arten des Sprechens, in der Blendung durch das zwiefache Licht ist das Gemeinte ahnend zu erfassen.

Fritz Vogelsang (1930 – 2009) in seiner Einleitung zu „Die innere Burg“ von Teresa von Ávila

Kannst Du mir sagen was mir fehlt?

Foto: © wak

Von einem Mann wird berichtet, dass er vor Tao-hsin trat und sprach:

„Ich habe alles gelesen
und einige Klarheit erhalten.
Und doch fehlt mir etwas.
Kannst Du mir sagen was es ist?“

Daraufhin sagte Tao-hsin: „Ja, das kann ich.“

Der Mann verbeugte sich und ging.

Dayi Daoxin / Tao-hsin (580–651)

Mehr hier: http://www.raizen.org/schriften.html