Das Licht das über ihnen allen ist

Aus dem Thomas-Evangelium / Bild: Archiv

Jesus sprach:
„Ich bin das Licht,
das über ihnen allen ist.
Ich bin das All,
das All ist aus mir hervorgegangen,
und das All ist bis zu mir ausgedehnt.
Spaltet ein Holz,
ich bin da.
Hebt den Stein auf,
und ihr werdet mich dort finden.“

Logion 77 des Thomas-Evangeliums

https://bkv.unifr.ch/de/works/nhc-22/versions/thomas-evangelium-2/divisions/78

Keine Lücke zwischen dir und mir

Keramik von Vincenzo Altepost

Allen Lebewesen Buddha zu geben,
bedeutet, sich selbst zu geben.
Freundlich zu sprechen fühlt sich gut an
und hilft, die Gesundheit zu verbessern.
Taten zu vollbringen, die allen zugute kommen,
lässt jeden sehen, dass es in der Zusammenarbeit
keine Lücke gibt zwischen dir und mir.

Taigen Dan Leighton (*1950)

Licht: Vollkommenheit und Schönheit

Foto: (c) wak

Von allen Körpern
ist das physische Licht
der allerbeste,
der allerköstlichste,
der allerschönste;
es ist das Licht,
welches die Vollkommenheit
und die Schönheit
der körperlichen Formen ausmacht.

Robert Grosseteste (1170 – 1253) in seinem Traktat „Über das Licht“

Ich bin mit allem erfüllt

Das Pfingstgeschehen bei El Greco / Bild-Detail / wikimedia, gemeinfrei

Ich umfasse alles, was war,
und was ist, und was sein wird.
Ich bin mit allem erfüllt.
Nehmet von mir, so viel ihr nur wollt!
Wollt ihr alles von mir,
so erhebe ich keinerlei Einspruch.
Sagt, meine Freundin! Was wollt ihr von mir?
Ich bin die Liebe, die ich mit aller Güte erfüllt bin:
was immer ihr wollt,
wir wollen es auch.

Die Begine Marguerite Porete (* 1250 – hingerichtet Pfingsten 1310)

Mehr zur Biographie der Begine, ihre spirituelle Sprengkraft und ihre Nähe zu Meister Eckhart hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Marguerite_Porete

Ich bin das Licht…

Beginn des Thomas-Evangeliums / Wikimedia, gemeinfrei

Ich bin das Licht,
das über ihnen allen ist.
Ich bin das All,
das All ist aus mir hervorgegangen,
und das All ist bis zu mir ausgedehnt.
Spaltet ein Holz, ich bin da.
Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.

Logion 77 von Jesus im Thomas-Evangelium

Christ, Moslem und Hindu

Foto: (c) wak

Der Mensch sei Christ
in der Barmherzigkeit,
Moslem in der genauen Beobachtung
der äußeren Bräuche und
Hindu in der alles umschließenden Milde
gegenüber allen lebendigen Geschöpfen.

Ramakrishna (1836 – 1886)

Iwan S. Turgenew: Christus

Foto: (c) wak

Ich sah mich als Jüngling, fast noch als Knaben in einer niedrigen Dorfkirche. — Die Flämmchen der dünnen Wachskerzen glühten wie kleine rote Punkte vor den alten Heiligenbildern.

Ein kleiner regenbogenfarbiger Lichtschein umgab jedes einzelne Flämmchen. Es war düster und dämmerig in der Kirche … Vor mir aber standen eine Menge Leute. Lauter schlichte, blonde Bauernköpfe. Von Zeit zu Zeit neigten sie sich, beugten sich herab und erhoben sich wieder gleich reifen Kornähren, wenn der sommerliche Wind wie eine sanfte Woge über sie hinstreicht. Mit einem Male kam jemand von hinten heran und trat neben mich.

Ich wandte mich nicht nach ihm um — aber ich fühlte sofort: dieser Mensch ist — Christus.

Rührung, Neugier und Angst bemächtigten sich meiner im selben Augenblick. Ich nahm mich zusammen … und sah meinen Nachbar an.

Ein Gesicht wie das aller anderen — ein Gesicht, das allen Menschengesichtern gleicht. Die Augen blicken ein wenig aufwärts, andächtig und ruhig. Die Lippen sind geschlossen, aber nicht zusammengepreßt: die Oberlippe ruht gleichsam auf der unteren; der kurze Bart ist in der Mitte geteilt. Die Hände gefaltet und unbeweglich. Auch die Kleidung ist dieselbe wie bei allen übrigen.

»Wie kann das Christus sein!« dachte ich bei mir. »Solch einfacher, einfacher Mensch! Es ist unmöglich!«

Ich kehrte mich ab. Doch ich hatte kaum den Blick von diesem einfachen Menschen abgewandt, als mich wiederum das Gefühl überkam, als stünde wirklich Christus an meiner Seite.

Noch einmal nahm ich mich zusammen … Und wieder erblickte ich dasselbe Antlitz, das allen Menschengesichtern gleicht, dieselben alltäglichen, wenn auch unbekannten Züge.

Da wurde es mir plötzlich schwer ums Herz — und ich kam zu mir. Nun begriff ich erst, daß gerade solch ein Antlitz — ein Antlitz, das allen Menschengesichtern gleicht — Christi Antlitz sei.

Iwan S. Turgenew (1818 – 1883) in: Gedichte in Prosa. Übertragen von Theodor Commichau, Leipzig 1922

Tao Te King: Von allen tiefen Quellen das reinste Wasser

… Ich wollte ein Buch des Weges,
das für einen heutigen, unklugen,
unmächtigen und vielleicht
nicht männlichen Leser zugänglich ist,
der nicht auf der Suche
nach esoterischen Geheimnissen ist,
sondern auf eine Stimme hört,
die zur Seele spricht.
Ich möchte, dass dieser Leser erkennt,
warum die Menschen das Buch
seit fünfundzwanzig Jahrhunderten lieben.

… Es ist der liebenswerteste
aller großen religiösen Texte,
witzig, scharfsinnig,
gütig, bescheiden,
unzerstörbar empörend
und unerschöpflich erfrischend.

Von allen tiefen Quellen
ist dies das reinste Wasser.
Für mich ist es auch die tiefste Quelle.

Ursula K. Le Guin (1929 – 2018) in ihrer Einleitung über das „Tao Te King“, das ihr zuerst in der Ausgabe von Paul Carus von 1898 vorlag

Lao Tzu: Tao Te Ching. A Book about the Way and the Power of the Way. A New English Version bei Ursula K. Le Guin with the Collaboration of J.P. Seaton, Professor of Chinese, Shambala Boston & London, 2011

Herr, mit welchem Hymnus soll ich beginnen?

… Herr, mit welchem Hymnus soll ich beginnen? Mit einem zu Seiner Ehre und Herrlichkeit, der mich geheilt und meine Erlösung bewirkt hat. Vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang will ich diesen Lobgesang über die ganze Erde singen, nicht nur, um die Macht und die Liebe meines Befreiers zu feiern, sondern um allen suchenden Seelen und der ganzen menschlichen Familie das sichere und wirksame Mittel zur Wiedererlangung von Gesundheit und Leben für immer mitzuteilen. Ich will sie dadurch lehren, wie der Geist der Weisheit und der Wahrheit in ihren eigenen Herzen wohnen und sie auf allen ihren Wegen leiten kann. Amen.

In: Zehn Gebete von Louis Claude de Saint-Martin (1743 – 1803). Hier: Neuntes Gebet. Wie sollte es möglich sein

(Interessante Analogien hier: Rahel Varnhagen von Ense, Karl August Varnhagen von Ense: Angelus Silesius und Saint-Martin. Ferdinand Dümmlers Buchhandlung, Berlin ³1849)

Der vollständige Text der „Zehn Gebete“ ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER, BUCH IX
CIII. Jahrgang, März 2022, Heft 3 / Thema: Theosophie

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift-magische-bl%C3%A4tter

Bestellt werden kann die Ausgabe hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Licht das über ihnen allen ist

Foto: (c) wak

Jesus sprach: Ich bin das Licht, das über ihnen allen ist. Ich bin da All, das All ist aus mir hervorgegangen, und das All ist bis zu mir ausgedehnt. Spaltet ein Holz, ich bin da. Hebt den Stein auf, und ihr werdet mich dort finden.

Aus dem Thomas-Evangelium