Im Innersten der Seele

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Gott ist in allen Dingen: Je mehr Er in den Dingen ist, desto mehr ist Er außerhalb von ihnen. Je mehr Er im Innern ist, desto mehr ist Er im draußen.

Gott ist in allen Dingen, aber insofern Gott göttlich ist und insofern Gott vernünftig ist, ist Gott nirgends so eigentlich wie in der Seele, in dem Innersten der Seele und in dem Höchsten der Seele. Wo die Zeit nie hinkam, wo nie ein Bild hineinleuchtete, im Innersten und im Höchsten der Seele erschafft Gott die ganze Welt. Alles was vergangen ist und alles was künftig ist, das schafft Gott im Innersten der Seele.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Gefunden habe ich dieses Eckhart-Zitat hier: https://www.ellopos.net/theology/eckhart-allen-dingen.asp

Allen zugeneigt

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Mutter Jesu,                                                  A: bitte für uns

Mutter, allen zugeneigt,

Mutter nach unserem Herzen,

Mutter von Generation zu Generation,

Mutter unserer Mütter,

Mutter jeder Sehnsucht,

Mutter aller Tränen,

Mutter der Gerechtigkeit,

Mutter der Armen,

Mutter der Menschheit,

Mutter des Erlösers,

Mutter der Kirche,

liebliche Jungfrau,

offenherzige Jungfrau,

schwesterliche Jungfrau,

zärtliche Jungfrau,

heitere Jungfrau,

freieste Jungfrau,

Spiegel der Frauen,

Hort des Erbarmens,

Wurzel der Zärtlichkeit,

stets Gegenwärtige,

Stimme des Lobes,

Blüte der Hoffnung,

Quelle der Stärke,

Herz aus Gold,

Arche der Heimatlosen,

Hafen des Himmels,

Stern der Einsamen,

Zuflucht in Not,

Trost der Hinterbliebenen,

Hilfe der Unschuldigen

Dienerin des Heiligen Geistes,

Dienerin der Engel,

Dienerin deines Volkes,

Dienerin der Unterdrückten,

Dienerin der Märtyrer,

Dienerin der Behinderten,

Dienerin der Sterbenden,

Dienerin der verlorenen Seelen,

Dienerin der Versöhnung,

Dienerin des Friedens,

Dienerin deiner Diener,

Dienerin unseres Herrn Jesus Christus,

Dienerin Gottes,

Frère Léonard, Taizé

In Gelassenheit wonnigliche Frucht

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Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

Johannes Tauler (1300 – 1361) In: Georg Hofmann (Hg.): Johannes Tauler Predigten. Freiburg/Basel/Wien 1961, S. 43 – 44

Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen

Gedenktafel im Kloster Helfta | Foto: © wak

Der Fisch kann im Wasser nicht ertrinken,
der Vogel in den Lüften nicht versinken,
das Gold ist im Feuer nie vergangen,
denn es wird dort Klarheit und leuchtenden Glanz empfangen.
Gott hat allen Kreaturen das gegeben,
dass sie ihrer Natur gemäß leben.
Wie könnte ich denn meiner Natur widerstehn?

Mechthild von Magdeburg (ca. 1207/1208 – 1282)

Llewellyn Vaughan-Lee zitiert sie in seinem Artikel „Rückkehr zur Liebe: ein paar einfache Worte für Mystiker*innen und Liebende“ vom Juni 2020 https://goldensufi.org/de/rueckkehr-zur-liebe-ein-paar-einfache-worte-fuer-mystikerinnen-und-liebende/

Einförmig sein mit Gott

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Was ist des abgeschiedenen Herzens Gebet? Darauf antworte ich wie folgt und sage: Abgeschiedene Lauterkeit kann nicht beten, denn wer betet, der begehrt etwas von Gott, das ihm zuteil werden solle, oder aber begehrt, daß ihm Gott etwas abnehme. Nun begehrt das abgeschiedene Herz gar nichts, es hat auch gar nichts, dessen es gerne ledig wäre. Deshalb steht es ledig allen Gebets, und sein Gebet ist nichts anderes als einförmig zu sein mit Gott.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seinem Traktat „Von der Abgeschiedenheit“

Das Herz ist kein einsamer Ort

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Im Innersten unseres Herzens finden wir uns in einem Bereich, in dem wir nicht nur auf das Innigste mit uns selbst, sondern ebenso mit anderen vereint sind, mit allen anderen. Das Herz ist kein einsamer Ort. Es ist der Bereich, in dem Alleinsein und Beisammensein zusammentreffen. Ist es nicht so, dass unsere ureigenste Erfahrung uns das lehrt? Kann man jemals sagen „Jetzt bin ich wirklich bei mir, obwohl ich anderen entfremdet bin“? Oder: „Ich bin wirklich eins mit anderen, oder auch nur mit einer anderen Peson, die ich liebe, und doch bin ich mir entfremdet“? Undenkbar! Im selben Moment, da wir eins sind mit uns selbst, sind wir mit allen anderen eins. Dann haben wir die Entfremdung überwunden. Und das Herz steht für jenen Kern des Seins, wo lange vor der Entfremdung ursprüngliche Zusammengehörigkeit herrschte.

David Steindl-Rast (*1926) in: Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik. 1968, S. 29

Sich in allen Dingen lassen können

Foto: wak

 

Man muss dahin kommen,
dass man sich
in allen Dingen lassen kann
und stets denken,
dass ein anderer
mehr recht habe als man selbst,
und nicht streiten und zanken, sondern lernen,
sich selbst zu lassen,
und stille sein und gütig,
woher der Wind auch weht.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

Schule der Weisheit

Bild: Archiv

Der ist gelehrt,
Wer nichts für sich begehrt,
Wer nichts will sein bei allen,
Wer sich auch selbst nicht will gefallen,
Wer in sich selbst nichts find’t,
Als daß er wie ein kleines Kind
Sonst nichts will wissen, nichts will denken,
Als in sein Nichts sich zu ersenken.
O schönes Nichts,
Du Fülle alles Lichts,
Du Sonne voller Klarheit,
Du Brunnen aller reinen Wahrheit,
Verborgnes Winkelein,
So unansehnlich und so klein,
Wer sollte das von dir, du armes Häuslein, denken,
Daß du uns würdest so die wahre Weisheit schenken!

Gerhard Tersteegen (1697–1769) in: Geistliches Blumengärtlein

Alle tiefgreifenden Veränderungen kommen aus einem ruhigen und friedvollen Geist

 

Habe mit allen Menschen Geduld, vor allem aber mit dir selbst. Lasse dich nicht durch deine Unvollkommenheiten entmutigen, beginne immer wieder mit neuem Mut. Ich freue mich, daß du jeden Tag von neuem beginnst. Es gibt keinen besseren Weg zu geistigen Erkenntnissen, als immer wieder von vorn zu beginnen und nie zu denken, daß es nun genug sei. Wie können wir geduldig bei den Schwächen unseres Nachbarn sein, wenn wir ungeduldig bei unseren eigenen sind. Wer sich über seine eigenen Mängel grämt, wird sie nicht korrigieren können. Alle tiefgreifenden Veränderungen kommen aus einem ruhigen und friedvollen Geist.

Franz von Sales (1567 – 1622)

Joseph Goldstein (*1944) zitierte es hier: Vipassana-Meditation:Die Entfaltung der Bewusstseinsklarheit. Erster Abend – Eröffnung und erste Unterweisung: http://www.palikanon.com/vipassana/goldstein/goldstein01.htm

 

Mit allen Dingen in den Grund fließen

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Trage alles recht wieder in den Grund,
von dem es ausgeflossen ist,
halte dich bei nichts auf,
sondern fließe du selbst
mit allen Dingen da hinein.

Johannes Tauler (1300 – 1361)