Wir huldigen dem Atem des Lebens

 

Wir huldigen dem Atem des Lebens,
denn dieses ganze Universum gehorcht ihm.
Er ist der Herr aller Dinge geworden,
alles hat in ihm seinen Ursprung.

Wir huldigen Dir, Atem des Lebens:
Wir huldigen deinem Tosen:
Wir huldigen Dir, Donner, und Dir, Blitz;
Wir huldigen Dir, o Atem des Lebens,
wenn Du Regen herabgießt.
Wenn donnernd der Atem des Lebens
auf die Pflanzen nieder braust,
empfangen sie Leben;
ein neuer Lebenskeim reift in ihnen.
Zahlreich werden sie geboren.

Als der Atem des Lebens Wasser spendete,
erhoben die Pflanzen ihre Stimme:
„Du hast unser Leben verlängert;
Duft hast Du uns gegeben.“

Wir huldigen Dir beim Einatmen.
Wir huldigen Dir, Lebensatem, beim Ausatmen:
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich abwendest;
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich uns wieder zukehrst!
Dir gebührt in allem, ja in allem, Huldigung.

Der Atem des Lebens nimmt die Kreaturen als sein Gewand;
Er nimmt sie wie ein Vater seinen geliebten Sohn.
Der Atem des Lebens ist der Weltenherr,
der Herr aller, die atmen,
der Herr von allem, was ohne Atem ist.

O Atem des Lebens, wende Dich nicht ab von mir:
Ich selbst verschmelze mit Dir.
Wie ein Lebenskeim im Wasser:
So umgebe und binde ich Dich in mir, damit ich lebe!

Atharva-Veda XI, 4,1-3;8;10;26 (ca. 1.000 v.u.Z.)

Gefunden habe ich den Text im Blog von Reinhard Kirste: https://an-deutungen.blogspot.com/2016/06/?m=0

Leben bedeutet jede Minute geboren zu werden

Foto: ©  wak

Die Geburt ist nicht ein augenblickliches Ereignis, sondern ein dauernder Vorgang. Das Ziel des Lebens ist es, ganz geboren zu werden, und seine Tragödie, dass die meisten von uns sterben, bevor sie ganz geboren sind.
Zu leben bedeutet, jede Minute geboren zu werden. Der Tod tritt ein, wenn die Geburt aufhört.

Erich Fromm (1900 – 1980)

„Ihr Zuhören entlastet, entschärft und stärkt“

Screenshot der Homepage https://zuhoerer-ruhr.com/

 

„Obwohl ich es ja vom letzten Mal schon kannte, war ich wieder positiv  beeindruckt: Es ist so erleichternd und klärend, einen Raum für das  Erzählen der eigenen Geschichte, Gedanken und Gefühle zu haben.

Es hilft  mir sehr, dass Sie das Zuhören als professionelle Dienstleistung  anbieten – so sind die Rollen klar verteilt und ich fühle mich freier.  Gegenüber einer zuhörenden Person, die ganz offen und ohne eigene ‚Agenda‘ ist, lichtet sich durch das Formulieren und Aussprechen mein innerer Nebel. Ich darf weinen und lachen und schweigen, und bin dabei nicht allein.

Ihr Zuhören entlastet, entschärft und stärkt. Danke!“

Aus der Mail-Rückmeldung nach einem Zuhörer-Telefonat

Hier geht es zu meinem Angebot: https://zuhoerer-ruhr.com/

Keine Dunkelheit wird mehr sein

Hermes Trismegistos in einem Bodenmosaik | wikimedia gemeinfrei

 

Die Wahrheit, Gewißheit, das Wahrste, ohne Unwahrheit. Das Obere ist wie das Untere. Das Untere ist wie das Obere. Zu erlangen ist: das Wunder der Einheit. Alles ist geformt von der Betrachtung der Einheit, und alles kommt – durch Angleichung – aus der Einheit. Ihre Eltern sind Sonne und Mond, der Wind hat sie geboren, die Erde sie genährt. Jedes Wunder ist von ihr, und ihre Macht ist vollkommen. Wirf sie auf die Erde, und Erde wird von Feuer sich trennen. Das Ungreifbare getrennt vom Greifbaren. Durch Weisheit erhebt sie sich langsam von der Erde in den Himmel. Dann steigt sie zur Erde nieder, verbindend das Obere und das Untere. So werdet ihr die Erleuchtung der ganzen Welt haben, und keine Dunkelheit wird mehr sein. Dies ist die Macht aller Stärke: das Ungreifbare fügt sich ihr, das Feste durchdringt sie. Auf diese Weise wurde die Welt erschaffen. Die Zukunft wird herrliche Entwicklungen bringen, und dies ist der Weg. Ich bin Hermes, der dreifältige Weise; ich wurde so genannt, weil ich die drei Elemente aller Weisheit bewahre. Und so endet die Offenbarung des Werkes der Sonne.

Die Lehren, die Hermes Trismegistos zugeschriebn werden, hat Idries Shah so übersetzt in: Die Sufis. Die Botschaft der Derwische, Weisheit der Magier. Ein Kompendium der Sufi-Geschichte und -Lehre

 

O mein gott vnd mein herr…

Detail aus der Bruder Klaus-Kapelle in Mechernich/Eifel ~ Foto: © wak

O mein gott vnd mein herr,
nym mich mir,
vnd gib mich gantz zw aygen dir.

O mein gott vnd mein herr,
nym von mir alles
das mich hindert gegen dir.

O mein gott vnd mein herr,
gib mir alles,
das mich fürdert zw dir.  Amen.

 

Gebet des Bruder Klaus (1417 – 1487). Diese Version des Textes stammt aus einem Prager Manuskript des 15./16. Jahrhundert. Gefunden habe ich sie hier: http://www.con-spiration.de/german/klaus.html

Nichts sein, nichts wollen, nichts wissen ~ Gelassenheit bei Meister Eckhart

Textbild © wak

Der Mensch stellt in der Gelassenheit sein Sein (er ist nichts), sein Handeln (er will nichts), und sein Erkennen (er weiß nichts) ganz Gott anheim und verzichtet auf jede kreatürliche Selbstversicherung. Das heißt, dass nur derjenige gelassen ist, der sich selbst ganz und gar lässt, also sein Selbstsein in der Welt und die kraft dieses Selbstseins erlangte Versicherung des Heils negiert, ja selbst Gott lässt, insofern er sich etwas darunter vorstellt.

Nikolaus Largier (* 1957) | Meister Eckhart, Werke I, Frankfurt 1993, S. 960

Der blaue Berg ist der Vater der weißen Wolke…

Der blaue Berg
ist der Vater der weißen Wolke.
Die weiße Wolke
ist der Sohn des blauen Berges.

Den ganzen Tag bedingen sie sich gegenseitig,
ohne voneinander abhängig zu sein.

Die weiße Wolke ist immer die weiße Wolke.
Der blaue Berg ist immer der blaue Berg.

Meister Tozan (807 – 869)

Im Stillesein beharren

Foto: © wak

Stell dir eine Quelle vor,
die keinen anderen Ursprung hat,
sich aber selber ganz den Strömen dargibt
und dabei durch diese Ströme nicht verbraucht wird,
sondern im Stillesein beharrt.

Plotin (205 – 270)

Die Grenzen durchbrechen die unsere sichtbare Welt von einer dahinter liegenden unsichtbaren trennt

Was will die große Masse des Publikums mit solchen Büchern, Vorträgen, Vorführungen und Sitzungen? – Die Grenzen durchbrechen, die unsere sichtbare Welt von einer dahinter liegenden unsichtbaren trennt; denn die Überzeugung oder wenigstens das dunkle Gefühl, dass es eine solche Welt gibt, ist aus dem Bewusstsein der Menschheit, auch in den Zeiten des Materialismus und der sogenannten „Aufklärung“, niemals ganz verschwunden, beruhen ja doch auf dem „metaphysischen Bedürfnis“, wie es Schopenhauer nennt, alle Reliionen und viele philosophischen Systeme. – Ein Durchbrechen dieser Grenze ist sicher möglich. Es fragt sich nur, wo und wie man sie durchbricht.

Felix Weingartner, aus dem Buch Bo Yin Ra / Text auf der Rückseite des aktuellen Bandes der „Magischen Blätter“

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Gott ist Vater und Mutter aller Dinge

Meister Eckhart spricht, Gott ist nicht allein ein Vater aller Dinge, er ist vielmehr auch eine Mutter aller Dinge. Denn er ist darum ein Vater, weil er eine Ursache und ein Schöpfer aller Dinge ist. Er ist aber auch eine Mutter aller Dinge, denn wenn die Kreatur von ihm ihr Wesen nimmt, so bleibt er bei der Kreatur und erhält sie in ihrem Wesen. Denn bliebe Gott nicht bei und in der Kreatur, wenn sie in ihr Wesen kommt, so müsste sie notwendig bald von ihrem Wesen abfallen. Denn was aus Gott fällt, das fällt von seinem Wesen in eine Nichtheit. Es ist mit andern Ursachen nicht so, denn die gehen wohl von ihren verursachten Dingen weg, wenn diese in ihr Wesen kommen. Wenn das Haus in sein Wesen kommt, so geht der Zimmermann hinaus, und zwar darum, weil der Zimmermann nicht ganz und gar die Ursache des Hauses ist, sondern er nimmt die Materie von der Natur; Gott dagegen gibt der Kreatur ganz und gar alles, was sie ist, sowohl Form wie Materie, und darum muss er dabei bleiben, weil sonst die Kreatur bald von ihrem Wesen abfallen würde.

Meister Eckharts mystische Schriften. Berlin 1903