Als sprächest Du zu Dir selber

Welches Glück,
welche Geborgenheit,
welche Seligkeit,
wenn jemand Dir zuhört,
zu dem Du zu sprechen wagen darfst,
als sprächest Du zu Dir selbst.

Aelred von Rievaulx (1110 – 1167)

https://zuhoerer-ruhr.com/

Kontakt: zuhoerer@email.de

Meine Natur ist einzigartig

Ich bin das große aus sich selbst heraus entstandene natürliche Verweilen,
das von Anbeginn als der Ursprung aller Dinge bekannt ist.

Du, der du mit großem Eifer nach mir suchst und dich nach mir sehnst,
erschöpfst dich:
auch im Laufe vieler Zeitalter findest du mich nicht.

Meine Natur ist einzigartig unter allen Dingen,
nicht vergleichbar mit dem, was nicht ich ist,
oder was versucht, ich zu sein.

Aus dem Dzogchen

Nehme ich das Nun so begreift das alle Zeit in sich

Cover mit Text der ersten Auflage Landauers Auswahl

 

Etliche Meister meinten, daß die Seele nur im Herzen sei. Dem ist nicht so, und darin haben große Meister geirrt. Die Seele ist ganz und ungeteilt vollständig im Fuße und vollständig im Auge und in jedem Gliede. Nehme ich ein Stück Zeit, so ist das weder der heutige Tag noch der gestrige Tag. Nehme ich aber das Nun, so begreift das alle Zeit in sich. Das Nun, in dem Gott die Welt erschuf, das ist dieser Zeit so nahe wie das Nun, in dem ich jetzt spreche, und der jüngste Tag ist diesem Nun so nahe wie der Tag, der gestern war.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Was ist Gott?“. Erschienen in: Meister Eckharts mystische Schriften Aus dem Mittelhochdeutschen in unsere Sprache übertragen von Gustav Landauer Berlin 1903. Hier: 2. Auflage 1920, S. 66 (Mitarbeit: Martin Buber)

Der Seele Göttlichstes ins Auge fassen

 

Die Seele und der Seele Göttlichstes muss ins Auge fassen, wer den Geist erkennen will, und was er ist. Das nun kann vielleicht auch auf die Weise geschehen, dass du vom Menschen, und zwar natürlich von dir selbst, zuerst den Leib abstreifst; dann auch die Seele, die ihn formt, aber auch fein säuberlich die Wahrnehmung, dazu Begierde, Zorn und all diese Narrenpossen, die sich doch nur dem, was sterblich ist, zuneigen, erst recht: und das, was dann von der Seele übrig bleibt, das ist jenes Stück, welches wir Abbild Gottes nannten, das ein wenig Licht von Jenem in sich bewahrt, so wie bei der Sonne das Licht, das über die Kugel ihrer Masse hinaus um sie und aus ihr erstrahlt.

Plotin (203 – 269)

Sich dem Leben öffnen und Kommunikation damit eingehen

Foto: © wak

Vielleicht wird dies einige Leute aus der Fassung bringen, doch ich fürchte, Liebe hat keinesfalls nur mit Erfahrung von Schönheit und romantischem Glück zu tun. Zur Liebe gehört auch Häßlichkeit und Schmerz und Aggression, gemeinsam mit der Schönheit der Welt. Sie ist nicht die Wiedererschaffung eines himmlischen Zustandes. Liebe oder Mitgefühl, der offene Weg, bezieht sich auf das, „was ist“. Damit wir Liebe entwickeln können – universelle Liebe, kosmische Liebe oder wie wir sie sonst bezeichnen wollen -, müssen wir die gesamte Lebenssituation akzeptieren, mit ihren hellen und dunklen, ihren guten und schlechten Seiten. Wir müssen uns dem Leben öffnen und eine Kommunikation damit eingehen.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987) in: Spirituellen Materialismus durchschneiden

Mit allen Dingen in den Grund fließen

Foto: © wak

Trage alles recht wieder in den Grund,
von dem es ausgeflossen ist,
halte dich bei nichts auf,
sondern fließe du selbst
mit allen Dingen da hinein.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

Wiederentdeckung ursprünglicher Weisheit

Thomas Merton in der Abtei Gethsemani / Bild: Archiv

Wir brauchen eine neue geistige Grundhaltung, und das bedeutet zuallererst die Wiederentdeckung der alten und ursprünglichen Weisheit. Und wirklichen Kontakt mit dem, was uns unmittelbar umgibt.

Thomas Merton 1966 in einem Brief an Thich Nhat Hanh

Abhändiges Entstehen lehren können

 

Ohne Vergehen und ohne Entstehen,
ohne Ende und ohne Ewigkeit,
ohne Einheit und ohne Vielheit,
ohne Kommen und ohne Gehen;
Wer so das Abhängige Entstehen lehren kann,
Das Zurruhekommen illusorischer Verdinglichung:
Vor Ihm, dem Erleuchteten,
dem besten aller Lehrer,
Verneige ich mich.

Nâgârjuna (ca. 150 – 250)

Geheimnisse offenbaren sich nur dem…

Dies und mehr hier:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

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