Meister Eckhart zum Nachhören

Pfarrer Holger Kaffka von der Predigergemeinde in Erfurt weist auf ein hörenswertes Angebot hin:

Beim Kirchentag auf dem Weg im Mai 2017 haben Dietmar Mieth und Sabine Bobert drei
bemerkenswerte Vorträge in der Predigerkirche gehalten:

Dietmar Mieth: „Im Geist und in der Wahrheit“
Biblische Textarbeit zu Johannes 4.
Die Begegnung von Jesus mit der Samaritanerin am Brunnen — übersetzt und ausgelegt
von Meister Eckhart

Dietmar Mieth: Meister Eckhart und Luther

Sabine Bobert: „Erleuchtet wie Meister Eckhart“
Spiritualität für postmoderne Mystikerinnen und Mystiker

Als Audio-Dateien (MP3 können die Vorträge von der nachfolgenden Seite heruntergeladen werden:

http://www.meister-eckhart-erfurt.de/index.php?id=220

Oder hier zu hören:

Dietmar Mieth: „Im Geist und in der Wahrheit“

 

Dietmar Mieth: Meister Eckhart und Luther

 

Sabine Bobert: „Erleuchtet wie Meister Eckhart“

In den Grund des grundlosen Brunnens fließen

Die Seele ist eine Kreatur, die alle genannten Dinge empfangen kann, und ungenannte Dinge kann sie nur empfangen, wenn sie so tief in Gott empfangen wird, dass sie selbst namenlos wird. Und das kann dann niemand wissen, ob Gott sie oder sie Gott ergriffen habe. Dionysius sagt, dass Gott sich selbst in ihr begriffen habe und sie so ganz in sich zieht, dass sie in sich selbst nichts mehr ist als Gott. Zu dieser Erkenntnis ist die Seele geschaffen, dass sie mit einem Erguss göttlicher Herrlichkeit in den Grund des grundlosen Brunnens zurückfließen soll, woher sie geflossen ist, und erkennen soll, dass sie an sich selbst nichts ist. Das Wahrste, das uns zugehört, das ist, dass wir erkennen, dass wir von uns selbst aus nichts sind und dass wir nicht wir selbst sind.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Ich liebe, um zu lieben

Die Liebe ist für sich selbst genug, sie gefällt sich selbst und um ihrer selbst willen. Sie ist sich selbst Verdienst, sich selbst der Lohn. Die Liebe sucht außer sich keinen anderen Grund, erstrebt keinen anderen Gewinn. Ihr Genuß ist ihr Gewinn. Ich liebe, weil ich liebe, ich liebe, um zu lieben.

Es ist etwas Großes um die Liebe, wenn sie zu ihrem Uranfang zurückkehrt, wenn sie sich ihrem Ursprung wieder schenkt, wenn sie zu ihrem Urquell zurückströmt, um von dem Brunnen zu schöpfen, von dessen Wassern sie immerzu fließt.

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Stirb o Freund, bevor du tot bist

Stirb o Freund, bevor du tot bist, wenn du das ewige Leben willst; allein durch einen solchen Tod erreichte Adris (ein Heiliger) den Himmel vor uns. Du hast dich sehr bemüht, aber noch ist der Schleier der Materie nicht entzwei; denn den wirklichen Tod hast du nicht gefunden. Solange du nicht stirbst, kann dein Kommen und Gehen nicht enden. Bis du nicht die höchste Sprosse der Leiter erklimmst, kannst du den Gipfel nicht erreichen. Oder wie einer, der nur 99 Meter Schnur hat, nicht Wasser in seinen Eimer bekommen kann, wenn der Brunnen hundert Meter tief ist. Bis du den Geist nicht völlig vom Körper zurückziehst, ist der Zyklus der Geburten und Tode nicht beendet. Lass das flammende Licht deiner Lampe (Seele) sich im Glanz des Morgens verlieren. Solange die Sterne nicht verborgen sind, sei versichert, bleibt auch die Sonne außer Sicht. Genau so, o kluger Mensch, tritt der Herr nicht in Erscheinung, solange der Schleier der Materie nicht zerrissen ist. Darum wähle den Tod und reiße den Schleier dadurch entzwei. Dieser Tod ist nicht derselbe, der dich ins Grab bringt. Er ist nur ein Zurückziehen des Geistes – eine Umwandlung, um dir ein nach oben ausgerichtetes Leben zu verleihen.

Jelal-ad-Din Rumi  (1207-1273)