Streben nach dem einen

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Es gibt einen, nur einen unfehlbaren Geleiter für uns, den Weltgeist, der uns allesamt und jeden einzelnen durchdringt, der jedem das Streben nach dem eingibt, was sein soll; jenen selben Geist, der im Baum gebietet, zur Sonne hin zu wachsen, der in der Blüte gebietet, im Herbst Samen auszustreuen, und der in uns gebietet, uns unbewusst zueinander zu drängen.

Lew Nikolajewitsch Tolstoi (1828–1910) in seiner Erzählung “Luzern”

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Licht der Herrlichkeit

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Das Licht der Herrlichkeit
scheint mitten in der Nacht.
Wer kann es sehn?
ein Herz, das Augen hat und wacht.

Angelus Silesius / Johannes Scheffler (1624–1677) in: Cherubinischer Wandersmann, Fünftes Buch, Nr. 12

Aufblühen der Weltseele

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Wenn die innere und äußere Welt zusammentreffen und mit der Sicherheit der Liebe zusammengehalten werden können, dann wird diese jetzige Phase des Übergangs zu einem Aufblühen der Weltseele führen. Im Zentrum dieser Welt mssen Seine Liebenden als Pfeiler der Hoffnung stehen, denn sie kennen die Bedeutung der Vereinigung. Ihre Hoffnung wird die Furcht des Kollektivs ausgleichen, das sich so sehr mit der äußeren Welt identifiziert hat, dass der Gedanke der Vereinigung mit der inneren Welt den Schrecken des Unbekannten zusammen mit der Dunkelheit des Schattens hervorruft. Furcht lässt uns Schutz im Ego suchen, während Hoffnung uns für die Seele öffnet. Furcht betont die Polarisierung, Hoffnung fügt uns zusammen. Hoffnung gibt der Zukunft Raum zur Entfaltung.

Llewellyn Vaughan-Lee in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Weges. Interlaken 1993, S. 57

Fremden Federn zugeschrieben – inspirierende Texte für die Adventszeit ~ 1 | Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

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Herr, mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens,
dass ich liebe, wo man hasst;
dass ich verzeihe, wo man beleidigt;
dass ich verbinde, wo Streit ist;
dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;
dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;
dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;
dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;
dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.
Herr, lass mich trachten,
nicht,
dass ich getröstet werde, sondern
dass ich tröste;
nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;
nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.
Denn wer sich hingibt, der empfängt;
wer sich selbst vergisst, der findet;
wer verzeiht, dem wird verziehen;
und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Autor:
Unbekannt

Zugeschrieben:
Franz von Assisi

Geschichte und Quelle:
1912 war der Text zuerst in der französischer spirituellen Zeitschrift „La Clochette“ erschienen. Der Herausgeber, Esther Bouquerel, gab dort keinen Autor an, versah es aber mit der Überschrift „Belle prière à faire pendant la messe“ („Ein schönes Gebet für die Messe“). 1916 erschien er im „Osservatore Romano“. Ca. 1920 ist er dann auf einem Gebetszettel abgedruckt worden, der auf der Vorderseite ein Bild des Franz von Assisi zeigte. Ab 1927 wurde der Text dann zum ersten Mal auch Franz von Assisi als Autoren zugeschrieben. In der Folge war immer wieder zu lesen, dass der Text ein „Gebet des Franz von Assisi“ sei. Sieh auch hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Fremden Federn zugeschrieben – inspirierende Texte für die Adventszeit

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Achte auf deine Gedanken, Herr mach mich zu einem Werkzeug Deines Friedens, Ich lobe den Tanz…

Gelobt werden beim Nennen von diesen und anderen Texten, die uns mitunter als Zitate bekannter Autoren begegnen, beispielsweise Sinn und Formulierung, Klang und Gehalt, Klage und Lob. Doch außer Acht gelassen wird mitunter, aus welchem Zusammenhang die Gedanken stammen und wer wirklich der Autor dieser Zeilen ist.
„Fremden Federn zugeschrieben“ wird hier in loser Form die tiefen Aussagen knapp informierend mit der wirklichen Geschichte verbinden. Wird auch aufzeigen, aus wessen Feder diese Texte, Gedichte oder Gedanken stammen und/oder, von wem sie nicht sind.

Denn es sind Texte und Gedanken, die von Ankunft und Aufbruch, von Sorge und Hoffnung, von Rückblick und Vision, von Sehnsucht und Erfüllung sprechen. Um so wertvoller auch ihren wirklichen Hintergrund zu kennen. In der Adventszeit mögen sie Anregungen für die vorweihnachtliche Besinnung sein.

Werner A. Krebber

Eigenschaften des einsamen Vogels

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Der einsame Vogel hat fünf Eigenschaften:
die erste, dass er zum höchsten Punkt fliegt;
die zweite, dass er keine Gesellschaft erträgt,
auch wenn sie von seiner Art ist;
die dritte, dass den Schnabel in den Wind hält;
die vierte, dass er keine bestimmte Farbe hat;
die fünfte, dass er sehr leise singt.

Johannes vom Kreuz (1541-1591) in „Worte von Licht und Liebe“

Eine Wolke von Geheimnis darüber gelegt

Was ich in der kleinen Sammlung einzelner für sich bestehender Abhandlungen, die ich unter dem Titel „Wegweiser“ herausgab, über Jakob Böhme gesagt habe, will, wie Sie richtig verstehen, darauf hinweisen, daß Böhme angenommener, geistig berufener Schüler der Leuchtenden des Urlichtes war. Ihm selbst war dieser Umstand etwas so Heiliges, daß er eine Wolke von Geheimnis darüber zu legen wußte. So viel auch über Böhme geschrieben wurde, so war doch niemand in der Lage, dieser geistigen Beziehung gerecht zu werden. Allerdings gibt Jakob Böhme die Schilderungen seiner geistigen Erlebnisse und Einsichten auch in so barocker und eigenwilliger Form, die durch den falschen Gebrauch der ihm durch seine gelehrten Freunde bekannt gewordenen lateinischen und latinisierten Worte nur noch krauser wird, daß man schon selbst sehr genau um solches Erleben wissen muß, um zu er-kennen, was er jeweils darstellen wollte. Anders aber steht es um die deutschen Mystiker, wie den Frankfurter Deutschordensherrn unbekannten Namens, der die „Theologia deutsch“ geschrieben hat, um Tauler, Seuse, Meister Eckhart. Das waren grundgelehrte Männer, die auf harten philosophischen Wegen zu ihren Erkenntnissen kamen, die sie dann nur schwer vor der kirchlichen Verdammung bewahren konnten.

Von Mystik und Böhme. Siebzehnter Brief aus „Briefe an Einen und Viele“ von Bô Yin Râ

Der ganze Beitrag von Bô Yin Râ kann hier gelesen werden:

XII. MAGISCHE BLÄTTER BUCH | WINTER
CIII. Jahrgang Winter 2022 / 2023 | Spuren (November | Heft 34)

EINZELBUCH, 364 Seiten, 20,00 € (zuzüglich Versandkosten)
ISBN-Nr. 978-3-948-5941-5 2

Herausgeber: Verlag Magische Blätter – Ronnenberg | Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

Bestellungen hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subject: BESTELLEN MAGISCHE BLÄTTER BUCH XII

Sieht Gott, schaut Gott, liebt Gott

Umschlag der „Offenbarungen der göttlichen Liebe“ / Archiv

… Die Wahrheit sieht Gott, und die Weisheit sieht Gott, und von diesen beiden kommt das dritte, nämlich eine heilige, wunderbare Freude an Gott, die Liebe ist. Wo Wahrheit und Weisheit wahrhaftig sind, da ist auch die Liebe wahrhaftig, die aus beiden hervorgeht. Und alles ist von Gott gemacht; denn er ist die unendliche souveräne Wahrheit, die unendliche souveräne Weisheit, die unendliche souveräne Liebe, die nicht gemacht ist; und die Seele des Menschen ist ein Geschöpf in Gott, das dieselben Eigenschaften hat, die gemacht sind, und das immerfort das tut, wozu es gemacht ist: es sieht Gott, es schaut Gott, und es liebt Gott. Daran erfreut sich Gott in der Kreatur, und die Kreatur in Gott, indem sie unendlich staunt.

Juliana von Norwich (* um 1342 – nach 1413) in „Offenbarungen der göttlichen Liebe. 1373. Hier: Kapitel 44

Eine Revolution des Herzens herbeiführen

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Die größte Herausforderung unserer Zeit ist: Wie können wir eine Revolution des Herzens herbeiführen, eine Revolution, die bei jedem einzelnen von uns beginnen muss. Wenn wir anfangen, den niedrigsten Platz einzunehmen, den anderen die Füße zu waschen, unsere Brüder und Schwestern mit jener brennenden Liebe zu lieben, jener Leidenschaft, die zum Kreuz führte, dann können wir wirklich sagen: „Jetzt habe ich begonnen.“

Dorothy Day (1897-1980)

Jakob Böhme, Luise Rinser und der Ungrund

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In Rocca hatte ich ihr erzählt, wie wichtig für mich das Wort „Ungrund“ (Un-Grund) von Jakob Böhme geworden sei. Damals war sie erstaunt, dass ich, ein Südländer, mich für die Spekulationen eines hermetischen Norddeutschen des 16. Jahrhunderts begeistern konnte. Auch sie, die Heimatlose, hatte noch solche Vorurteile. Sie meinte, ich scherze, als ich sagte, dass ich das Werk Jakob Böhmes, den Hegel so schwierig fand, wie einen spannenden Roman lese. In Ronda habe sie verstanden, sagte sie dann. Es gebe Urdimensionen, in welchen sich Menschen – von Zufälligkeiten wie Epoche, Nationalität, Sprache unabhängig – frei begegnen können.

Biographisches zu Luise Rinser (1911 – 2002) von José Sánchez de Murillo

Der ganze Beitrag über Luise Rinser kann hier gelesen werden:

XII. MAGISCHE BLÄTTER BUCH | WINTER
CIII. Jahrgang Winter 2022 / 2023 | Spuren (November | Heft 34)

EINZELBUCH, 364 Seiten, 20,00 € (zuzüglich Versandkosten)
ISBN-Nr. 978-3-948-5941-5 2

Herausgeber: Verlag Magische Blätter – Ronnenberg | Schriftleitung: Organisation zur Umwandlung des Kinos

Bestellungen hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu subject: BESTELLEN MAGISCHE BLÄTTER BUCH XII