Anima Christi – Das Lieblingsgebet von Ignatius

Seele Christi, heilige mich!
Leib Christi, erlöse mich!
Blut Christi, tränke mich!
Wasser der Seite Christi, wasche mich!

Leiden Christi, stärke mich!
O guter Jesus, erhöre mich!
Verbirg in deinen Wunden mich!

Von dir lass nimmer scheiden mich!
Vor dem bösen Feind beschütze mich!
In meiner Todesstunde rufe mich!
Und lass zu dir dann kommen mich,
damit ich möge loben dich
mit deinen Heiligen ewiglich!
Amen.

Das mittelalterliche Christusgebet wurde erstmals 1314/1320 in England in lateinischer Sprache bezeugt. Vermutlich ist es irischen Ursprungs. Anima Christi war eines der Lieblingsgebete des Ignatius von Loyola, der es an den Beginn seiner Geistlichen Übungen („Exerzitien“) stellte.

Mehr zu dem Text hier: https://www.hjhaering.de/anima-christi-einem-gebetstext-auf-der-spur/

Die Wirklichkeit Gottes erfahren

Halte dein Denken leer,
dein Fühlen unabhängig
und dich selbst
in reiner Gegenwärtigkeit,
damit Gnade dich anrühren
und dich kräftigen kann
mit der Erfahrung
der wirklichen Gegenwart Gottes.

Brief persönlicher Führung. In: Wolke des Nichtwissens und Brief persönlicher Führung. Anleitung zur Meditation. Neu übertragen und herausgegeben von Willi Massa. Freiburg/Br. 1999, S. 153

In dich selbst kehre zurück

Darstellung des Augustinus in der römischen Lateranbasilika / wikimedia, gemeinfrei

Geh nicht nach außen,
in dich selbst kehre zurück,
denn im inneren Menschen
wohnt die Wahrheit.
Und wenn du deine Natur
als wandelbar empfindest,
übersteige dich selbst.

Augustinus (354 – 430)

Meine Natur ist einzigartig

Ich bin das große aus sich selbst heraus entstandene natürliche Verweilen,
das von Anbeginn als der Ursprung aller Dinge bekannt ist.

Du, der du mit großem Eifer nach mir suchst und dich nach mir sehnst,
erschöpfst dich:
auch im Laufe vieler Zeitalter findest du mich nicht.

Meine Natur ist einzigartig unter allen Dingen,
nicht vergleichbar mit dem, was nicht ich ist,
oder was versucht, ich zu sein.

Aus dem Dzogchen

Die Mauer des Paradieses in dem Du wohnst

Foto: © wak

 

Ich habe den Ort gefunden,
in dem man Dich unverhüllt
zu finden vermag.
Er ist umgeben
von dem Zusammenfall der Gegensätze.
Dies ist die Mauer des Paradieses,
in dem Du wohnst.
Sein Tor bewacht höchster Verstandesgeist.
Überwindet man ihn nicht,
so öffnet sich nicht der Eingang.
Jenseits der Mauer
des Zusammenfalls der Gegensätze
vermag man Dich zu sehen;
diesseits aber nicht.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464)