Hier ist die Pforte des Himmels

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Die Welt ist ein Spiegel unendlicher Schönheit, doch sieht dies kein Mensch. Sie ist ein Tempel der Majestät, doch achtet dies kein Mensch. Sie wäre ein Gebiet des Lichts und des Friedens, wenn die Menschen sie nicht in Unruhe stürzen würden. Sie ist das Paradies Gottes. Sie ist dem Menschen mehr, seitdem er gefallen ist. Sie ist die Stätte der Engel und das Tor des Himmels. Als Jakob aus seinem Traum erwachte, sagte er: „Gott ist hier und ich wusste es nicht. Wie furchtbar ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, hier ist die Pforte des Himmels.“

Thomas Traherne (1636 – 1674)

Vollkommene Freiheit genießen

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Wenn die Jünger des Zen über die Welt ihrer Sinne und Gedanken hinaus nicht zu gehen vermögen, dann ist all ihr Tun und Lassen bedeutungslos. Aber wenn ihre Sinne und Gedanken vernichtet sind, bleiben alle Durchgänge zum Allumfassenden Geist verstopft und unbegehbar. Der Urgeist muss erkannt werden, solange die Sinne und Gedanken arbeiten. Er gehört ihnen nicht, ist aber von ihnen auch nicht unabhängig. Bauet eure Ansichten nicht auf euren Sinnen und Gedanken auf. Aber suchet nicht den Geist weitab von euren Sinnen und Gedanken, trachtet nicht danach, dadurch die Wirklichkeit zu erfassen, dass ihr eure Sinne und Gedanken verwerfet. Wenn ihr weder daran haftet noch davon losgelöst seid, dann werdet ihr eure vollkommene, unbehinderte Freiheit genießen, dann werdet ihr eure Quelle der Erleuchtung besitzen.

 Huang-Po (+ um 800)

Die Seele lebt durch das was sie liebt

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Die Seele lebt durch das,
was sie liebt, eher als im Körper,
den sie beseelt.
Denn sie hat nicht ihr Leben im Körper,
sondern verleiht es eher dem Körper
und lebt in dem, was sie liebt.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542 – l591)

Wer kann ein Bild von Gott malen?

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Am Anfang war Gott,
Heute ist Gott, Morgen wird Gott sein.
Wer kann ein Bild von Gott malen?
Er hat keinen Körper.

Er ist wie ein Wort, das aus deinem Mund kommt.
Dieses Wort! Es ist nicht mehr da,
Es ist vergangen und lebt doch weiter!
So ist Gott.

Aus Afrika

Nutzlose Worte sind Hindernisse auf dem Weg

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Die nutzlosen Worte, die dummen nicht weniger als die eigennützen und lieblosen, sind Hindernisse auf dem Weg zum Einheitsbewusstsein des göttlichen Urgrunds, ein Tanz von Staub und Fliegen, der das innere und äußere Licht verdunkelt.

Aldous Huxley (1894 – 1963)

„Nicht-Wissen“ ist dein Wahres Selbst

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„Nicht-Wissen“ ist dein Wahres Selbst, das Worte und Begriffe nicht erfassen können. Es übersteigt jede Unterscheidung, jede Analyse und Erklärung und alles Denken. Es ist wie ein unermesslich weiter Raum. Oder besser: Es ist wie der Horizont, der immer weiter zurückweicht, je näher wir ihm kommen. Und gleichzeitig ist es dein innerster Herz-Geist.

Ama Samy / Arul Maria Arokiasamy S.J.(*1936)

Aufgehoben ohne sich aufzulösen

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Der Gegenstand der mystischen Erfahrung ist ein solcher, der alle anderen konkreten Phänomene in einer neuen Einheit erfahren lässt, eine Einheit, die alles andere zu übersteigen scheint, nicht vernichtet, aber relativiert. Das erkennende Ich fühlt sich aufgehoben in dieser erfahrbaren neuen Einheit, ohne sich dabei aber als erkennendes Ich vollständig aufzulösen.

Gerd Doeben-Henisch (*1948)

 

Hier der komplette Text von Gerd Doeben-Henisch: Meditation im Blickfeld von Philosophie und Wissenschaft

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Entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen

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Das am ehesten Wahre sagt man über Gott,
wenn man von allem sagt,
er sei dieses nicht.
Denn es ist angemessener,
alles über ihn zu verneinen,
als irgendetwas von ihm zu behaupten.
Das ist es, was wir sagen können,
wenn man uns fragt, wie man vom Unsagbaren reden könne.
Nichts lässt sich von ihm in angemessener Weise sagen.
Wir müssen entweder schweigen oder umgewandelte Worte gebrauchen.

Isaak von Stella (um 1100 – 1178)