Wortlosigkeit und Nichtwissen

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Je mehr wir zum Höheren hinstreben, um so mehr ersterben uns die Worte unter der zusammenfassenden Schau des nur geistig Erfaßbaren. So werden wir auch jetzt, da wir in das Dunkel eintauchen, welches höher ist als unsere Vernunft nicht in Wortkargheit, sondern in völlige Wortlosigkeit und ein Nichtwissen verfallen.

Dionysius Areopagita (5. Jh.) in: „Mystische Theologie“

Die Macht von Gott zu sprechen

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Der Mensch hat nicht die Macht,
von Gott zu sprechen
wie von der menschlichen Natur des Menschen
und wie von der Farbe
eines von Menschenhand geschaffenen Werkes.

Hildegard von Bingen (um 1098 – 1179)

Sehnsucht nach der Einheit von Diesseits und Jenseits

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Der Mystiker aber liebt diese Welt, liebt den Nächsten, tut alles für ihn, aber schon nicht mehr um Lohn, nicht um Dankbarkeitserweise zu erhalten. Er tut umsonst, er weiß nicht einmal, daß er es tut. Es freut ihn, wenn der andere sich freut, daß er für ihn da ist, ohne es zu wissen. Es bedeutet eine Sanftmut, eine Liebe zur Welt, zu den Menschen, und nicht nur zum „Nächsten“, wie man sagt; jeder Mensch ist „der Nächste“, jedes Tier, jede Pflanze. Es ist die Sehnsucht nach anderen Welten, die Sehnsucht nach der großen Einheit von Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel, wo alle Generationen in einem da sind, alle deine Wünsche, deine Gedanken, deine Hoffnungen erfüllt sind. Wenn du dich danach sehnst, kann der Weg beginnen.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988)

Durch Nicht-Einsehen erkennen

Nicht das, was die Vernunft einsieht,
sättigt sie oder ist ihr Ziel.
Aber auch nicht das,
was sie durchaus nicht versteht,
vermag sie zu sättigen,
sondern vielmehr das,
was sie durch Nicht-Einsehen erkennt.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464)

Mein sind die Jahre nicht…

Mein sind die Jahre nicht,
Die mir die Zeit genommen;
Mein sind die Jahre nicht,
Die etwa möchten kommen;

Der Augenblick ist mein,
Und nehm ich den in acht
So ist der mein,
Der Jahr und Ewigkeit gemacht.

Andreas Gryphius (1616 – 1664)

Jeder Mensch ist eine besondere Art Mystiker

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Alle von uns können Momente überwältigender, grenzenloser Zugehörigkeit, Augenblicke universellen Eins-Seins erfahren. Das sind unsere eigenen mystischen Momente. Die Männer und Frauen, die wir Mystiker nennen, unterscheiden sich vom Rest von uns lediglich dadurch, dass sie jenen Erfahrungen den Raum geben, der ihnen in unser aller Leben zusteht. Was zählt, ist nicht die Häufigkeit oder Intensität mystischer Erfahrungen, sondern der Einfluss, den wir ihnen auf unser Leben einräumen. Indem wir unsere mystischen Momente mit allem, was sie bieten und verlangen, zulassen, werden wir die Mystiker, die wir sein sollen. Schließlich ist der Mystiker keine besondere Art Mensch, sondern jeder Mensch eine besondere Art Mystiker.

David Steindl-Rast (*1926) in seinem Buch „Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik“, München 1985

Stille kommt wenn das Suchen endet

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Stille ist nicht der Raum zwischen zwei Gedanken
oder die Zeit zwischen zwei Geräuschen.
Stille ist nicht das Ergebnis eines Bemühens.
Sie kommt nur,wenn das Suchen endet.
Stille entsteht, wenn der Inhalt des Bewusstseins ganz verstanden ist
und darüber hinausgegangen wird.

Jiddu Krishnamurti (1895-1986)