Den Zustand meines Geistes prüfen

Ich will
die Pforten meiner Sinne
zu jeder Zeit
mit Vergegenwärtigung, Wachsamkeit und Sorgsamkeit hüten.

Daher werde ich wiederholt
den Zustand meines Geistes prüfen,
Und zwar dreimal jeden Tag
und dreimal pro Nacht.

Atisha Dipamkara (980 – 1054)

Das Lebendige selbst sein

Wenn Sie aber erkennen, dass die Wahrheit etwas lebendiges ist, das in Bewegung ist, das keine bleibende Stätte hat, das in keinem Tempel, keiner Moschee oder Kirche zu finden ist, wohin Sie keine Religion, kein Lehrer, kein Philosoph führen kann – dann werden Sie auch erkennen, dass dieses Lebendige das ist, was Sie in Wirklichkeit selbst sind.

Jiddu Krishnamurti (1895-1986)

Eins-Sein mit Gott

Das ist das große Paradox des ausgetragenen mystischen Erlebens:
dass der Mensch,
aufgenommen in Gott,
dennoch als Mensch nicht verschwindet.

Er wird, im Gegenteil,
mehr er selbst,
mehr Mensch –
aus jenem Anderen heraus,
in seinem Eins-Sein mit Gott.

Paul Mommaers in: Was ist Mystik? Frankfurt/M. 1996

Transzendente Energie, deren Quell im Himmel entspringt

Wir bedürfen des Brotes. Wir sind Wesen, die ihre Energie fortwährend von aussen hernehmen, denn in dem Maße, wie wir sie empfangen, verbrauchen wir sie in unseren Anstrengungen. Wird unsere Energie nicht täglich erneuert, werden wir kraftlos und unfähig, uns zu regen.
Ausser der eigentlichen Nahrung, im buchstäblichen Sinn des Wortes, sind alle Anreize Energiequellen für uns. Das Geld, die Beförderung, das Ansehen, die Auszeichnungen, die Berühmtheit, die Macht, die Wesen, die wir lieben, alles, was uns zum Handeln befähigt, ist wie Brot.
Dringt eine dieser Verhaftungen tief genug in uns ein, bis zu den Lebenswurzeln unserer fleischlichen Existenz, so kann die Entbehrung uns zerbrechen und sogar den Tod herbeiführen. Man nennt dies: vor Kummer sterben. Das gleicht dem Hungertod.
All diese Gegenstände der Verhaftung stellen, zusammen mit der eigentlichen Nahrung, unser irdisches Brot dar. Es hängt völlig von den Umständen ab, ob es uns gewährt wird oder versagt bleibt.
Und was die Umstände betrifft, sollen wir nichts erbitten, ausser dass sie dem Willen Gottes gemäss seien. Wir sollen das irdische Brot nicht erbitten.
Es gibt eine transzendente Energie, deren Quell im Himmel entspringt, die in uns einströmt, sobald wir es begehren. Dies ist wirklich unsere Energie; sie vollbringt Taten durch unsere Seele und unseren Leib.
Diese Nahrung sollen wir erbitten.

Simone Weil  (1909 -1943),  Betrachtungen über das Vaterunser, 1941/42

 

Gefunden habe ich diesen Text hier:

http://blog.nootheater.de/2012/12/18/buch-der-freunde-vii/

Meister Eckhart-Tage in Erfurt

16_meister-eckhart-tage__plakatDieses Plakat lädt zu den Meister Eckhart-Tagen ein, die vom 28. September bis 1. Oktober 2016 in und um die Erfurter Predigerkirche stattfinden.

Das vollständige Programm findet sich hier:

http://www.meister-eckhart-erfurt.de/aktuelles/meister-eckhart-tage.html

Nimm dich selber wahr…

MeisterEckhartTafelnPredigerkircheHempel01

Foto: ©  Friederike Hempel

Die Predigergemeinde in Erfurt hat gemeinsam mit Marc Oschmann ein Bodendenkmal zu den Erfurter Reden von Meister Eckhart geschaffen. Vor jener Kirche, in dessen Kloster Meister Eckhart einige Jahre gelebt, gearbeitet, gepredigt hat.  Am Westprotal der Predigerkirche begegnen Passanten und Passantinnen auf dem Grund vor dem Kirchenportal auf Metallbalken in den Sandstein eingelassene Zitate von Meister Eckhart aus seiner Erfurter Zeit.

Nimm dich selber wahr, und wo du dich findest, da lass dich.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-1.html

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-2.html

MeisterEckhhartTexttafelnPredigerkircheHempel03Foto: ©  Friederike Hempel

Man kann Gott nicht besser finden als dort, wo man ihn lässt.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-3.html

Lerne mitten im Wirken innerlich ungebunden zu sein.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-4.html

MeisterEckhartTexttafelnPredigerkircheHempel04Foto: ©  Friederike Hempel

Je freier wir von uns selbst sind, umso mehr gewinnen wir uns.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-5.html

Der Mensch ist der beste, der das entbehren kann, was ihm nicht nottut.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-6.html

MeisterEckhartTexttafelnPredigerkircheHempel05Foto: ©  Friederike Hempel

Soweit du in Frieden bist, soweit bist du in Gott.
http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal/zitat-7.html

MeisterEckhartTexttafelnPredigerkirchetHempel06Foto: ©  Friederike Hempel

Wenn Sie die Links anklicken, kommen Sie jeweils zu einem kurzen Erläuterungstext des in den Boden eingelassenen Satzes.

 

Mehr Informationen zu dem Bodendenkmal am Predigerkloster in Erfurt gibt es hier: http://www.meister-eckhart-erfurt.de/predigerkloster/bodendenkmal.html

 

Mein ganz besonders herzlicher Dank gilt Frau Friederike Hempel, die eigens für „mystikaktuell“ die Fotos gemacht und sie für diese Seite kostenlos zur Verfügung gestellt hat.

 

 

 

Morgenröte im Aufgang – Hommage á Jacob Böhme

morgenroetedvdCover der DVD „Morgenröte im Aufgang – Hommage an Jacob Böhme“ © absolut-medien

 

„Dergleichen ward seit Heraklit nicht mehr gehört.“ So der Philosoph Ernst Bloch über „Morgenröte im Aufgang“, zu jenem Buch, das Jacob Böhme 1612 verfasste.

Jacob Böhme (1575-1624) hat trotz Schreibverbot und Verfolgung als Ketzer Texte geschrieben, die mit zu den bedeutendsten Schriften der Mystik in deutscher Sprache gelten können. Seine visionäre christliche Theosophie beeinflusste die Philosophen des Deutschen Idealismus sowie Romantiker wie Novalis und fasziniert Menschen bis heute. So schrieb Hermann Hesse, dass die Lektüre von Böhmes Texten „ein vorübergehendes ‚Leerwerden‘, eine völlig freie Aufmerksamkeit und Seelenstille“ erforderten.

Schon die Titel lassen aufhorchen:

1. Der Himmlische Mensch
2. Titel
3. Mitternacht in Görlitz
4. Nacht
5. Morgen
6. Der Leib Gottes
7. Fragen
8. Die andere Welt
9. Der verborgene Gott
10. Sonnenaufgang
11. Die Tore der Tiefe
12. Nicht Ich, der Ich der Ich bin
13. Himmelfahrt
14. Die Umkehr
15. Das Wesen des Menschen
16. Das Paradeis
17. Himmel und Erde sind magisch
18. Mit einer Engelszunge
19. Der Schmerz
20. Die irdische Babel
21. Was suchen wir denn lange?
22. Der Kinderweg
23. Schlusstitel

Und der Film ist – im wahrsten Sinne des Wortes – ausgezeichnet:  MORGENRÖTE IM AUFGANG – HOMMAGE À JACOB BÖHME der Filmemacher Ronald Steckel, Max Hopp, Klaus Weingarten und Jan Korthäuer erhält den Deutschen FILMGEIST Preis 2016.

Mehr hier:
https://absolutmedien.de/film/582

und hier:
http://www.suhrkamp.de/buecher/morgenroete_im_aufgang-max_hopp_13539.html

Den Trailer zum Film gibt es hier:
http://www.suhrkamp.de/mediathek/morgenroete_im_aufgang_hommage_a_jacob_boehme_trailer_1171.html

Hier hatte ich im vergangenen Jahr den Hinweis auf die Welturaufführung veröffentlicht:

https://mystikaktuell.wordpress.com/2015/05/13/15-mai-welturauffuhrung-morgenrote-im-aufgang-hommage-a-jacob-bohme/