Alle Gegensätze aufgehoben

Der Ochse und sein Hirte ~ Bild 8 | Archiv

Im Zen-Buddhismus hat man die ganze Entwicklung vom Zustand vor der Erleuchtung bis zur Erleuchtung und ihrer vollen Auswirkung durch die sog. „Zehn Bilder des Rindes“ (jugyuzu) symbolisch dar gestellt. Der Verlauf ist kurz folgender: Die Bilder stellen einen Bauern dar, der sein Rind sucht, das ihm davongelaufen ist. Nach vielem Suchen entdeckt er die Fußspuren und schließlich auch das Rind selbst. Mit vieler Mühe legt er ihm den Zügel an, aber das Tier sträubt sich noch, ihm zu folgen. Endlich gelingt es ihm, das Rind wieder zu gewöhnen, und er sitzt nun, vergnügt die Flöte spielend, auf seinem Rücken. Das Tier geht, wohin er will. Das sind die ersten sechs Bilder. Das Rind ist das wahre Selbst, das der Mensch verloren hat. Er sucht lange und findet es. Das ist der Augenblick des Satori. Aber die Leidenschaften sind noch widerspenstig, bis er schließlich seiner selbst Herr wird und zur wahren Freiheit gelangt. Auf dem siebten Bilde ist er allein. Das heißt, das Ich und sein Herz sind eins geworden. Das achte Bild stellt nur einen leeren Kreis dar: alle Gegensätze sind aufgehoben, selbst der von Erleuchtung und Nicht-Erleuchtung. Das neunte Bild stellt eine Landschaft dar. In der Außenwelt hat sich nichts geändert, aber der Erleuchtete sieht sie mit anderen Augen als vorher. Auf dem zehnten und letzten Bild sehen wir, wie er sich bemüht, auch seinen Mitmenschen den Weg aufzuzeigen, auf dem er selbst das wahre Glück gefunden hat.

Hugo M. Enomiya-Lassalle: Erleuchtungsweg des Zen-Buddhismus und christliche Mystik. In: Wilhelm Bitter (Hrsg.) Abendländische Therapie und östliche Weisheit. Stuttgart 1968, S. 90/91

Das Wahre und das Heilige sind wie Lichtstrahlen

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Alles, was jetzt existiert, ist nur der Griff in die Vergangenheit und der Zukunft – bodenlos, reich und unsichtbar…Ich bin nicht glücklich, denn das Glück kommt vom Menschen. Ich bin nicht unglücklich, denn auch das Unglück kommt vom Menschen. Ich bin alles, denn das ist es, was von Gott kommt. Nichts in der Welt ist einsam, alles ist miteinander verbunden. Das Wahre und das Heilige sind wie Lichtstrahlen, die jeden treffen, dessen Augen offen sind; sehen und gesehen werden ist ein und dasselbe.

Clemens Brentano (1778-1842)

Wie wir Dinge betrachten sollten

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Wie eine Sternschnuppe, ein Trugbild, eine Flamme, eines Magiers Zauberkunststück, einen Tautropfen, eine Luftblase, wie einen Traum, einen Blitz oder eine Wolke
– so solltet ihr alle Dinge betrachten.

Aus einer Unterweisung des Buddha.
Gefunden habe ich dieses Zitat in dem Buch „Glück“ von Matthieu Ricard. München 2009, S. 133

Als sprächest Du zu Dir selber

Welches Glück,
welche Geborgenheit,
welche Seligkeit,
wenn jemand Dir zuhört,
zu dem Du zu sprechen wagen darfst,
als sprächest Du zu Dir selbst.

Aelred von Rievaulx (1110 – 1167)

https://zuhoerer-ruhr.com/

Kontakt: zuhoerer@email.de

Möge ich… – Das Metta-Suttra

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Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist
sein.
Möge ich sicher und beschützt sein.
Möge ich frei von Ärger, Kummer, Furcht und Angst sein.
Möge ich lernen, mich selbst mit Augen des Verstehens
und der Liebe anzuschauen.
Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks
zu erkennen und zu berühren.
Möge ich lernen, die Gründe von Ärger, Begehren und
Unwissenheit in mir zu erkennen und zu sehen.
Möge ich erkennen wie ich die Samen von Freude in mir
jeden Tag nähren kann.
Möge ich fähig sein, frisch, gefestigt und frei zu leben.
Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein –
ohne gleichgültig zu werden.

Visuddhi Magga (5. Jh.) / neue Fassung  von Thich Nhat Hanh (*1926) ~ gefunden habe ich diese Version des Metta-Sutta hier: https://www.quelle-des-mitgefuehls.de/

Vom Dichter und drei Steineklopfern

Gustave Courbet: Die Steineklopfer | Bild: wikimedia, gemeinfrei

Auf dem Weg nach Chartres, so wird erzählt, sieht der Schriftsteller Charles Péguy (1873-1914) einen Mann am Straßenrand, der Steine klopft. Der Gesichtsausdruck des Steineklopfers ist gezeichnet von Elend und seine Gesten beim Schlagen sind voller Wut.
Péguy bleibt vor dem Mann stehen und fragt ihn:
„Was tun Sie da?“
„Siehst du,“ antwortet der Mann Péguy, „ich habe nichts anderes als diese dumme und schmerzhafte Arbeit gefunden.“

Péguy geht weiter und  sieht einen anderen Mann, der ebenfalls Steine zerschlägt. Doch dessen Gesicht ist heiter und seine Schläge auf die Steine sehen harmonisch aus.
„Was machen Sie, Monsieur?“
„Nun,  ich verdiene meinen Lebensunterhalt und ernähre meine Familie“, antwortet der Mann Péguy.

Etwas weiter erscheint ein dritter Steineklopfer, der geradezu vor Glück strahlt. Er lächelt beim Zertrümmern der Steinmasse und schaut zufrieden auf die von ihm abgeschlagenen Steinstücke.
„Was machst du da?“, fragt Péguy auch diesen Mann.
„Ich“, antwortet der Mann dem Literaten,
„Ich baue eine Kathedrale!“

Nacherzählt von w.a.k. ~ Berichtet wird die Geschichte von Boris Cyrulnik (* 1937). Mehr zu ihm hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Boris_Cyrulnik

Allen Krankheiten und Leiden ein Ende setzen

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Als nun, Manjushri, dieser Meister des Heilens, dieser Tathagata im Lapislazuli-Glanz, Erleuchtung erreichte, war er aufgrund der Kraft seiner grundlegenden Gelübde fähig, alle Geschöpfe zu sehen und über sie zu wachen. Einige dieser Geschöpfe litten an Krankheiten, sie waren ausgezehrt, hatten hohes Fieber, Gelbsucht usw. Andere waren den verderblichen Giften von Dämonen ausgeliefert; noch andere würden ein kurzes Leben haben oder befanden sich an der Schwelle des vorzeitigen Todes. Als er dies sah, hatte er den Wunsch, all diesen Krankheiten und Leiden ein Ende zu setzen und den Wünschen der Geschöpfe zur Erfüllung zu verhelfen. Zu dieser Zeit ging der Erhabene in den Samadhi ein, „der die Leiden aller Wesen vertreibt“. Als er in diesem Samadhi weilte, ging ein strahlendes Licht von der Urna zwischen seinen Augenbrauen aus, und aus ihrer Mitte ertönte der Klang der großen Dharani:

Namo bhagavate bhaisajyaguru-vaidurya prabha-rajaya tathagataya arhate samyak-sambuddhaya tadyatha. Om bhaisajye bhaisajye bhaisajya-samudgate svaha.

Als der Klang dieser Dharani inmitten des strahlenden Lichts verklungen war, hörte man ein lautes Dröhnen, die Erde erbebte, und ein großer Lichtschein wurde sichtbar. Alle Wesen waren von ihren Leiden und Krankheiten frei und gelangten zu Frieden und Glück.

Der vollständige Text des Medizin-Buddha-Sutra findet sich hier: http://www.phathue.de/buddhismus/dharma/medizin-buddha-sutra/

Sich dem Leben öffnen und Kommunikation damit eingehen

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Vielleicht wird dies einige Leute aus der Fassung bringen, doch ich fürchte, Liebe hat keinesfalls nur mit Erfahrung von Schönheit und romantischem Glück zu tun. Zur Liebe gehört auch Häßlichkeit und Schmerz und Aggression, gemeinsam mit der Schönheit der Welt. Sie ist nicht die Wiedererschaffung eines himmlischen Zustandes. Liebe oder Mitgefühl, der offene Weg, bezieht sich auf das, „was ist“. Damit wir Liebe entwickeln können – universelle Liebe, kosmische Liebe oder wie wir sie sonst bezeichnen wollen -, müssen wir die gesamte Lebenssituation akzeptieren, mit ihren hellen und dunklen, ihren guten und schlechten Seiten. Wir müssen uns dem Leben öffnen und eine Kommunikation damit eingehen.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987) in: Spirituellen Materialismus durchschneiden