Giordano Bruno: Ursache, Grund und Ewig Eines

In: Giordano Bruno ((1548–1600) in: Von der Ursache, dem Anfangsgrund und dem Einen. Verdeutscht und erläutert von Ludwig Kuhlenbeck, 1906, S. 18

 

Die Ursache von allem…

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Die Ursache von allem, die über alles hinaus ist, ist nicht unwirklich, nicht unlebendig, nicht ohne Verstand und nicht ohne Vernunft, ist nicht Körper.

Er hat keine Gestalt und keine Form, weder Qualität noch Quantität noch Masse. Er ist nicht im Raum. Er wird nicht gesehen, und kann nicht empirisch erfasst werden. Er wird nicht sinnlich erfahren, und ist nicht empirisch. Er kennt weder Unordnung noch Durcheinander, als ob er von materiellen Leidenschaften beunruhigt würde.

Dionysius Areopagita (um 500)

… wie der Klang der Seele

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Im Geist und im Willen zeigt sich die Vernunft wie der Klang der Seele. Sie vollendet Gottes- oder Menschenwerk. Der Klang hebt nämlich das Wort in die Höhe, wie der Wind den Adler aufhebt, um fliegen zu können. Ebenso entsendet auch die Seele im Gehör und Intellekt des Menschen den Ton der Vernunft, so daß seine Kräfte Einsicht erlangen und jedes Werk zur Vollendung geführt wird. Der Leib aber ist das Gezelt und die Hilfe für alle Seelenkräfte.

Hildegard von Bingen (1098 – 1179)

Ewige Ruhe Gottes und aller erschaffenen Dinge

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Nach den Vorstellungen unserer Vernunft gibt es einen Unterschied und eine Unterteilung zwischen Gott und Gottheit, zwischen Handeln und Ruhe. Das fruchtbare Wesen der Personen wirkt stets in einer lebendigen Unterteilung. Aber das einfache Sein Gottes ist im Wesentlichen eine ewige Ruhe Gottes und aller erschaffenen Dinge.

Jan van Ruysbroeck (1293 – 1381)

Schauen ist ein Wissen weiselos

 

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Schauen ist ein Wissen weiselos,
Das über der Vernunft bleibt allezeit.
Es kann sich zur Vernunft nicht neigen,
Und die Vernunft nicht zu ihm aufwärts steigen.

Verklärte Unweise ist ein Spiegel fein,
Darin Gott einstrahlt seinen ewigen Schein.
Unweise, die ist ohne Arten,
Darin alle Werke der Vernunft versagen.
Unweise ist Gott selber nit;
Doch ist sie das Licht, womit man sieht.

Die Unweisen wandeln im göttlichen Lichte,
Die sehen in sich eine große Wüste.
Unweise ist zwar über der Vernunft, doch ihrer nicht bar.
Verwundern ist hinieden,
Ohne Verwundern ist das schauende Leben.

Unweise sieht, aber sie weiß nicht was;
Es ist über allem, nich dies, nich das.
Jetzt muss ich das Reimen lassen bleiben,
soll ich das Schauen klar bechreiben.

Jan van Ruysbroek (1293 – 1381) im „Buch von den zwölf Beginen“

Im Hunger der Seelen anfangen

Gedenktafel am Böhme-Haus im heute polnischen Zgorcelec (Görlitz) Foto: © wak

Denn nicht durch unsere scharfe Vernunft und Forschen erlangen wir den wahren Grund göttlicher Erkenntnis. Die Forschung muss von innen im Hunger der Seelen anfangen. Denn das Vernunftforschen gehet nur bis in sein Astrum der äußern Welt, daraus die Vernunft urständet. Aber die Seele forschet in ihrem Astro, als in der innern geistlichen Welt, daraus die sichtbare Welt entstanden oder ausgeflossen ist, darinnen sie mit ihrem Grunde stehet.

Jakob Böhme (1575 – 1624)