Mystisches Bewusstsein

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Für das mystische Bewusstsein
ist es notwendig,
dass alles Innere nach außen kommt
und sichtbar wird.
Der Traum will erzählt werden,
das „Innere Licht“ will scheinen,
die Vision muss mitteilbar werden.

Dorothee Sölle (1929 – 2003) in: Mystik und Widerstand

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Offener und gelassener Seelengrund

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Wenn Gott den Menschen so in völliger Entwordenheit und Hingabe sich gänzlich zugewendet und seinen Seelengrund aufgeschlossen findet, neigt sich der Gottesgrund ihm zu und ergießt sich in den ihm offenen und gelassenen Seelengrund, überformt den geschaffenen Seelengrund mit der Fülle seines Lichts und zieht ihn durch diese Überformung in die Ungeschaffenheit des Gottgrundes, so daß der Geist ganz eins mit ihm wird.

Johannes Tauler (ca. 1300 – 1361)

Ein Reich von Licht und Frieden

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Die Welt ist ein Spiegel unendlicher Schönheit, aber kein Mensch sieht es. Sie ist ein erhabener Tempel, aber kein Mensch achtet darauf. Sie wäre ein Reich von Licht und Frieden, wenn die Menschen sie nicht in Unruhe stürzten. Sie ist das Paradies Gottes. Sie ist für den Menschen mehr, seitdem er gefallen ist, als sie vorher war. Sie ist die Stätte der Engel und das Tor des Himmels.

Thomas Traherne (1636 – 1674)

Eins und einfaltig

Gedenktür an der Erfurter Predigerkirche | Foto: © wak

Ich habe bisweilen gesagt, es sei eine Kraft im Geiste, die sei allein frei. Bisweilen habe ich gesagt, es sei eine Hut des Geistes; bisweilen habe ich gesagt, es sei ein Licht des Geistes; bisweilen habe ich gesagt, es sei ein Fünklein. Nun aber sage ich : Es ist weder dies noch das; trotzdem ist es ein Etwas, das ist erhabener über dies und das als der Himmel über der Erde. Darum benenne ich es nun auf eine edlere Weise, als ich es je benannte, und doch spottet es sowohl solcher Edelkeit wie der Weise und ist darüber erhaben. Es ist von allen Namen frei und aller Formen bloß, ganz ledig und frei, wie Gott ledig und frei ist in sich selbst. Es ist so völlig eins und einfaltig, wie Gott eins und einfaltig ist, so daß man mit keinerlei Weise dahinein zu lugen vermag.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Die Erleuchtung ist wie der Mond…

Impression von der Raketenstation HombroichFoto: © wak

 

Die Erleuchtung ist wie der Mond,
der sich im Wasser spiegelt.
Der Mond wird nicht nass, noch bewegt sich das Wasser.
Obgleich sein Licht groß und strahlend ist,
spiegelt sich der Mond auch in der kleinsten Pfütze.
Der ganze Mond und auch das ganze Universum
spiegeln sich im Wassertropfen auf einem Grashalm.

Dogen Zenji (1200 – 1253)

Ich bin da

 

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Ich bin das Licht,
das über ihnen allen ist.
Ich bin das All,
das All ist aus mir hervorgegangen,
und das All ist bis zu mir ausgedehnt.
Spaltet ein Holz,
ich bin da.
Hebt den Stein auf,
und ihr werdet mich dort finden.

Jesus im Thomas-Evangelium

Mehr hier: https://www.meyerbuch.com/pdf/Thomas-Evangelium.pdf