Fang zuallererst bei dir selber an und lasse dich

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Du selber in den Dingen bist es, was dich hindert, denn du hältst dich zu den Dingen nicht in der rechten Weise. Darum fang zuallererst bei dir selber an und lasse dich! Fürwahr, wenn du nicht zuerst dich selber fliehst, so magst du fliehen wohin du willst, du findest da nur Erschwerung und Unfrieden, es sei, was es sei. Die Leute, die Frieden suchen an äußeren Dingen, es sei an Orten oder Weisen oder Menschen oder Werken oder Heimatlosigkeit oder Armut und Verachtung – wie groß sich das auch ausnehme oder was es sei, das ist doch alles nichts und gibt keinen Frieden. Sie suchen alles verkehrt, die so suchen: Je weiter weg sie wandern, je weniger finden sie, was sie suchen. Sie gehen wie einer, der den Weg verfehlt: Je weiter er geht, je mehr er irrt. Ja, was soll er aber tun? Vor allem, er soll sich selber lassen, so hat er alle Dinge gelassen

Meister Eckhart (1260 – 1328) in: „Reden der Unterweisung“

Hier ist die Pforte des Himmels

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Die Welt ist ein Spiegel unendlicher Schönheit, doch sieht dies kein Mensch. Sie ist ein Tempel der Majestät, doch achtet dies kein Mensch. Sie wäre ein Gebiet des Lichts und des Friedens, wenn die Menschen sie nicht in Unruhe stürzen würden. Sie ist das Paradies Gottes. Sie ist dem Menschen mehr, seitdem er gefallen ist. Sie ist die Stätte der Engel und das Tor des Himmels. Als Jakob aus seinem Traum erwachte, sagte er: „Gott ist hier und ich wusste es nicht. Wie furchtbar ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als Gottes Haus, hier ist die Pforte des Himmels.“

Thomas Traherne (1636 – 1674)

Wir sind Widerhall ewigen Halls

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Ja, wir sind Widerhall ewigen Halls.
Was man das Nichts nennt, ist Wurzel des Alls.
Aber das wollen wir mutig vergessen,
Wollen die Kreise des Da-Seins durchmessen!
Was hier nicht gebunden wird, ist nirgends gebannt.
Wie weit eine Liebe sich spannt
In die Zeit, in die Tat, in das Glück ihrer Erde,
So tief wird sie zeugen im ewigen Werde.

Hans Carossa (1878 – 1956)

Gefunden bei #CressPahl

Umstrahlt und glänzend im eigenen Licht

Thomas Merton / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

(Fast) alles über Nichts

Im abendfüllenden Dokumentarfilm „Ein Hoch auf das Nichts“ von Boris Mitić leiht Punkrock-Legende Iggy Pop dem Nichts seine Stimme, das uns auf eine abenteuerliche Reise mitnimmt.

https://www.arte.tv/de/videos/RC-017035/ein-hoch-auf-das-nichts/

 


In der 6-teiligen Webserie „Blankoschecks“ gibt uns das Nichts praktische Lebenshilfen. Ein intensives visuelles und intellektuelles Vergnügen: grandios und ergreifend, kritisch und tröstlich zugleich!

https://www.arte.tv/de/videos/071834-001-A/blankoschecks/