In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren

Der Holzschnittt soll Meister Eckhart bei einer Predigt zeigen…

In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge, und wollte ich, so wäre ich nicht noch alle Dinge, und wäre ich nicht, so wäre Gott nicht.
Es ist nicht nötig, dies zu verstehen.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Von der Armut“

 

In diesem Sinne allen Leserinnen und Lesern gute Weihnachtstage!

Werner A. Krebber

 

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Umwandlung des Seelengrundes

Foto: © wak

 

Welches ist metaphysisch, ontologisch der Zustand des Menschen im Zustand der heiligmachenden Gnade? Es ist die Umwandlung des „Seelengrundes“. Die Bezeichnung Seelengrund wird von Eckhart und im Anschluss an ihn von seinen Schülern, besonders von Tauler, ständig gebraucht. Das Wort geht zurück auf Platon, der von den göttlichen Seelengründen (Gerechtigkeit, Wahrheit, Gutheit) spricht.

Die mittelalterlichen Mystiker sprechen sowohl vom göttlichen Grund als auch vom Seelengrund. In Gott gibt es keine Teile; daher ist mit dem göttlichen Grund Gott selbst gemeint. Aber dieses Wort hat bei Eckhart auch eine spezifische Bedeutung.

Mit dem Seelengrund des Menschen ist das eigentliche tiefste Wesen des Menschen gemeint. Die Umwandlung des Seelendgrundes bedeutet also eine Umwandlung des Menschen in seinem tiefsten Wesen. Die Umwandlung durch die Gnade besteht demnach nicht in äußeren Werken und nicht in einem  Gesinnungswandel des Menschen; sie können höchstens die Folgen der Umwandlung sein, die im Seelengrund stattfindet, noch können sie die Rechtfertigung des Menschen ausmachen. Ohne die Umwandlung im Seelengrund sind sie wertlos, in Eckharts Sprache nur iustitia civilis, die allein nicht genügt. Diese Umwandlung im Seelengrund ist der Sinn der Wiedergeburt durch die Gnade, die wir durch Christus erlangen. Erst wenn das geschehen ist, sind wir wirklich „wesentlich“ gut.

Hugo Makibi Enomiya-Lassalle (1898 – 1990)

 

Mehr zu Johannes Tauler und dem Seelengrund hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/12/03/seine-sprache-ist-wie-ein-bergquell-johannes-tauler-im-mystikkreis-am-6-januar-2019/

Seine Sprache ist wie ein Bergquell – Johannes Tauler im Mystikkreis am 6. Januar 2019

Wir haben es vielleicht noch im Ohr, das Lied „Es kommt ein Schiff geladen“, das in der Adventszeit häufig gespielt wird. Es soll von Johannes Tauler stammen, jenem Dominkaner aus Straßburg, der um 1300 in Straßburg geboren wurde und Schüler von Meister Eckhart war. Durch seine Predigten, dem Massenmedium des Mittelalters, blieb er in katholischen Kreisen ebenso präsent, wie er es in der protestantischen Kirche wurde. „Tauler hat die Menschen ungeheuer beeindruckt — auch Martin Luther. Der Tauler-Hype ging teilweise soweit, dass Predigten, die für gut befunden wurden, aber gar nicht von ihm waren, trotzdem ihm zugeschrieben wurden. Es entstand so etwas wie eine Marke Tauler.“ So ein Fachmann für geistliche Literatur. Wie Martin Luther hatte Tauler den Menschen „aufs Maul geschaut“ und sich in ihrer Sprache ihnen zugewandt.  Als Schüler des „Lesemeisters“, wie man Meister Eckhart nannte, war er der „Lebemeister“, der viele Gedanken Eckharts heruntergebrochen hat auf die nicht akademische (oder ungelehrt scheinende) Sprache und Empfindungswelt der Menschen.

„Seine Sprache ist wie ein Bergquell, der aus harten Felsen hervorbricht, wunderbar geschwängert von unbekanntem Kräuterduft und geheimnisvollen Steinkräften.“ Wohl kaum unverfänglicher als Heinrich Heine könnte jemand über Johannes Tauler sprechen und eine Brücke in die Gegenwart bauen. Doch was wollte Johannes Tauler? Ihm geht es in seinen Predigten nicht um intellektuelle Anregungen, sondern er gibt praktische Anweisungen. Er mahnt seine Zuhörerinnen und Zuhörer immer wieder, ihres Selbst gewahr zu werden, aufmerksam zu werden, sich zu beachten und zu beobachten, um in diesem Prozess ihres Selbst gewahr zu sein.

Um uns genauer anzusehen, wie aktuell die Predigten Taulers heute noch sind, werden wir uns am 6. Januar damit ausführlicher beschäftigen.

 

Organisatorisches:

Damit wir besser planen können, bitten wir um die Anmeldung bis zum 2. Januar. Vielen Dank!

Wir treffen uns an jedem ersten Sonntag im Monat im Kölner Stadtteil Sülz. An diesen Sonntagen wird für beides Zeit sein – für stilles kontemplatives Sitzen und für das Studieren mystischer Texte & Themen sowie den gemeinsamen Austausch.

Der private Kurs ist auf 12 Teilnehmer beschränkt. Kostenbeitrag: 15,– Euro

Wir freuen uns auf Euer / Ihr Kommen:

Rani Kaluza http://doingnothing.de/
Werner A. Krebber https://mystikaktuell.wordpress.com/

Informationen und Anmeldung auch hier:  https://www.facebook.com/events/1606240616144407/

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Bitte schon mal vormerken:  Am ersten Sonntag im Februar (3.2.) wird es einen Doing Nothing-Sonntag geben…

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Bisherige Themen im Kölner Mystikkreis:

– Mystik aktuell? – Texte aus Tradition und Gegenwart christlicher Mystik
– Meister Eckhart: Leben – Wirken – Aktualität
– Die Wolke des Nichtwissens
– Thomas Merton: Mönch – Poet – Rebell
– Beginen: Die Strahlkraft der Mystikerinnen Mechthild von Magdeburg, Hadewijch von Antwerpen, Marguerite Porète
– Die Katharer: (Un)Glaube im Widerspruch

 

Meister Eckhart-Tage 2019

Gedächtnistür an der Predigerkirche in Erfurt   Foto: © wak

 

Pfarrer Holger Kaffke von der Predigergemeinde in Erfurt hat jetzt  Daten und Programm für die Meister-Eckhart-Tage 2019 mitgeteilt

• Mittwoch, 26.6., 17.30 Uhr, Predigerkirche: Ökumenischer Gottesdienst mit
Prof. Dr. Hartmut Rosa, Jena (Predigt), dem Dominikanerkonvent Hamburg und leitenden
Vertreter*innen des Bistums Erfurt und der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland

• Donnerstag, 27. 6., 19 Uhr, Predigerkirche: Musikalische Lesung. Martina
Gedeck liest Meister Eckhart, musikalisch begleitet vom Ensemble Unio Mystica

• Donnerstag 27.6., 11-17 Uhr, Predigerkloster: Workshop unter Leitung von
Prof. Dr. Dietmar Mieth: Geschichten und Legenden um Meister Eckhart

• Freitag, 28.6., 9-12 Uhr: Fortsetzung Workshop

• Freitag, 28.6., 21 Uhr, Barfüßerruine: Tanztheater Erfurt „Tanz im
ewigen Jetzt – ein Experiment um Meister Eckhart“

• Freitag, 28.6., ab 9 Uhr, „Auf den Spuren Meister Eckharts im Thüringer
Land“. Fahrradtour auf dem zukünftigen Meister Eckhart Weg – Radpilgerweg
Thüringen, Teilabschnitt Erfurt – Wangenheim über Hochheim.

• Samstag, 29.6., 10-17 Uhr, Predigerkloster: Einkehrtag unter Leitung von
Lic. theol. Renate Morawietz zu Meister Eckharts „Traktat von der
Abgeschiedenheit“.

• Samstag, 29.6., 18 Uhr, Predigerkirche Hoher Chor: Ökumenische Vesper,
Offiziantin: Dr. Anne Rademacher; Begleitung: Augustiner Vokalkreis

• Samstag, 29.6.2019, 21 Uhr, Barfüßerruine: Tanztheater, wie 28.6.

Meister Eckhart goes Actionbound…

>>Eckhart von Hochheim, bekannt als Meister Eckhart (* um 1260 in Thüringen; † 1328) war Theologe und Philosoph des christlichen Mittelalters. Seine Schriften hatten großen Einfluss auf die Mystik im deutschen Sprachraum und darüber hinaus. Heute gilt er als einer der größten und einflussreichsten theologischen und philosophischen Denker überhaupt. Für viele Menschen sind seine Schriften bis heute von großer Bedeutung für ihre persönliche Frömmigkeit und Lebensführung. Um mehr über die Person Meister Eckharts, seine Gedanken und seine Zeit zu erfahren, folgt dem Bound in und um das Predigerkloster herum! – In Kooperation mit der Evangelischen Akademie Thüringen. Die Jugendbildung der Evangelischen Akademie Thüringen findet im Rahmen der Evangelischen Trägergruppe für gesellschaftspolitische Jugendbildung statt und wird im Rahmen des KJP vom BMFSFJ gefördert.<<
Die Nachricht kam heute von Pfarrer Kaffke – und ich habe erstmal nachlesen müssen, was ein Actionbound ist…

Meister Eckhart für Kinder und Jugendliche

Foto: © wak

Gerade erreichte mich nachfolgende Information, die ich auf diesem Weg gerne weiterreiche:

>>Meister Eckhart an Kinder und Jugendliche:

Das Leben und Wirken des spätmittelalterlichen Dominikaners Meister Eckhart ist im
Predigerkloster in Erfurt bis heute spürbar. Doch wie macht man diesen Teil der
Stadtgeschichte Kindern zugänglich, wo es doch schon Erwachsenen nicht
leichtfällt, sich mit Eckharts intellektuellem Erbe auseinanderzusetzen? Ansätze
und Methoden, seine theologischen, philosophischen und spirituellen Gedanken mit
Kindern zu bearbeiten, werden bei einem Fachtag vorgestellt und diskutiert.

Mit besten Grüßen
Holger Kaffka, Pfarrer<<

*Was*: Fachtag „Meister Eckhart für Kinder und Jugendliche“

*Für wen*: Alle Interessierte, die Meister Eckhart Kindern und Jugendlichen
zugänglich machen wollen.

*Wo*: Predigergemeinde Erfurt

*Wann*: 08.02.2019, 11 – 17 Uhr

*Anmeldung und Programm*:

http://www.ev-akademie-thueringen.de/veranstaltungen/023-2019/

Die Bilder der Dinge fahren lassen

Der Mensch lasse die Bilder der Dinge
ganz und gar fahren
und mache und halte seinen Tempel leer.
Denn wäre der Tempel entleert,
und wären die Phantasien,
die den Tempel besetzt halten, draußen,
so könntest Du ein Gotteshaus werden,
und nicht eher, was Du auch tust.
Und so hättest Du den Frieden Deines Herzens und Freude.
Und dich störte nichts mehr von dem, was Dich jetzt ständig stört,
Dich bedrückt und leiden lässt.

Johannes Tauler (1300 – 1361)