Gnade und Herzensveränderung

Wand im Kölner Tersteegenhaus | Foto: © wak

Tersteegen unterschied ein engeres und ein weiteres Verständnis der Mystik. Letzteres sei „praktische Theologie oder die Ausübung der Gottseligkeit, insofern sie Gnade und Herzensveränderung zum Grunde hat“. Im engeren Sinne bedeute „Erleuchtung“ (vgl. Eph 1,17-18) sowie das „Bleiben in Jesu“ (vgl. Joh 15,4) das „Anhangen an Gott“ um „Ein Geist“ mit ihm zu werden (vgl. 1 Kor 6,17), das „Wandeln in der Gegenwart Gottes“ (vgl. Gen 17,1), das „Anbeten im Geist und in der Wahrheit“ (vgl. Joh 4,23), die Reinigung (vgl. 2 Kor 7,1), die „Ausgießung der Liebe Gottes ins Herz“ (vgl. Röm 5,5), das Ende der Furcht durch die Liebe (vgl. 1 Joh 4,18), das „Beschauen der Herrlichkeit Gottes“ (2 Kor 3,18), die „Inwohnung Gottes in der Seele“ (vgl. Joh 14,21.23; 2 Kor 6,16; Lev 26,11-12; Ez 37,27), den „Friede Gottes“ (Phil 4,7) und das „Vollkommensein in Eins“ (Joh 17,23).49) Schlussendlich verstand Tersteegen unter Mystik also nicht mehr, aber auch nicht weniger, als Kind Gottes zu sein im – wörtlichen – Sinne der Bibel und der frühen Kirche.

Ruth Nientiedt über „Mystik bei Tersteegen“. Er lebte von 1697 – 1769

http://www.skriptum-geschichte.de/2013/heft-1/lauter-erfahrungs-sachen-gerhard-tersteegens-lied-gott-ist-gegenwaertig-bedeutung-und-rezeption.html#c880

Wenn die Achtsamkeit etwas Schönes berührt…

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Wenn die Achtsamkeit
etwas Schönes berührt,
offenbart sie dessen Schönheit.

Wenn sie
etwas Schmerzvolles berührt,
wandelt sie es um
und heilt es.

Thich Nhat Hanh (*1926)

Seine Aufmerksamkeit auf das innere Selbst lenken

Foto: © wak

Ein weiser Mensch wandelt jeden Widerstand in eine Gelegenheit zur Bewährung um, die Fehler derer, mit denen ihn das Schicksal in unabänderliche Berührung bringt, werden zum Prüfstein seiner eigenen Tugenden. Er begegnet der Reizbarkeit mit Ruhe und Geduld, welche sich dann einstellt, wenn er seine Aufmerksamkeit auf das innere Selbst lenkt.

Der vollständige Text „Der weise Mensch“ ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Feuer der Liebe

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Feuer gibt nicht nur Helle und Wärme,
es wandelt von Grund auf,
wenn es das Feuer der Liebe ist.
Es macht transparent wie die Metalle in den Ikonen.
Man schaut einen seltenen Glanz,
und schaut wie hindurch und sieht mehr.
Verborgenes. Tiefes.

Josua Boesch (1922-2012)

Jacob Böhme: Von wahrer Gelassenheit

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Denn sobald die Seele von der Selbheit vom Vernunft-Licht isset, so wandelt sie in eigenem Wahn, so ist ihr Ding, das sie für göttlich ausgibt, nur der äußeren Konstellation, welche sie alsobald ergreifet und trunken macht. So lauft sie denn so lange in Irrtum, bis sie sich ganz in die Gelassenheit wieder einergibt und sich aufs neue für ein besudelt Kind erkennet, der Vernunft aufs neue wieder erstirbet und Gottes Liebe wieder erreichet, welchen härter zugehet als zum ersten Mal…

Jacob Böhme (1575 – 1624) in seiner Schrift zur „wahren Gelassenheit“

Else Lasker-Schüler: Gebet

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Ich suche allerlanden eine Stadt,
Die einen Engel vor der Pforte hat.
Ich trage seinen großen Flügel
Gebrochen schwer am Schulterblatt
Und in der Stirne seinen Stern als Siegel.

Und wandle immer in die Nacht …
Ich habe Liebe in die Welt gebracht, –
Daß blau zu blühen jedes Herz vermag,
Und hab ein Leben müde mich gewacht,
In Gott gehüllt den dunklen Atemschlag.

O Gott, schließ um mich deinen Mantel fest;
Ich weiß, ich bin im Kugelglas der Rest,
Und wenn der letzte Mensch die Welt vergießt,
Du mich nicht wieder aus der Allmacht läßt
Und sich ein neuer Erdball um mich schließt.

Else Lasker-Schüler (1869 – 1945)

Ewig sich wandelnder, wachsender Gott

Bild: privat

Russland, das Land, wo die Menschen einsame Menschen sind, jeder mit einer Welt in sich, jeder voll Dunkelheit wie ein Berg, jeder tief in seiner Demut, ohne Furcht, sich zu erniedrigen, und deshalb fromm.

Menschen voll Ferne, Ungewissheit und Hoffnung: Werdende. Und über allem ein nie festgestellter, ewig sich wandelnder, wachsender Gott.

Rainer Maria Rilke 1904 in einem Brief

Von der verlorenen Zauberperle

Der Herr der gelben Erde wandelte jenseits der Grenzen der Welt. Da kam er auf einen sehr hohen Berg und schaute den Kreislauf der Wiederkehr. Da verlor er seine Zauberperle.

Er sandte ERKENNTNIS aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Er sandte SCHARFBLICK aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Er sandte DENKEN aus, sie zu suchen, und bekam sie nicht wieder.
Da sandte er SELBSTVERGESSEN aus. SELBSTVERGESSEN fand sie.

Der Herr der gelben Erde sprach: “Seltsam fürwahr, dass gerade SELBSTVERGESSEN fähig war, sie zu finden!”

Zhuangzi (oder auch Dschuang Dsi; ca. 365 – 290 v. u.Z.)