Verständnis für uns selber finden

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Kontemplation ist ein sehr wichtiger Bestandteil des spirituellen Lebens. Meditation allein genügt nicht; sie ist ein Mittel zum Zweck: Sie beruhigt den Geist und bringt uns zu einem inneren Erleben. Aber wenn wir uns in der übrigen Zeit nicht bemühen, Verständnis für uns selber zu finden, schneiden wir die Meditation von unserem Leben ab, als wäre sie eine Art Hobby, das wir für einige Stunden betreiben, und dann tun wir wieder etwas ganz anderes. Meditation ist aber – das kann ich nicht oft genug betonen – kein Hobby, sondern eine Vorbereitung auf ihren einzigen Zweck: Klarblick. Zweck der Kontemplation ist es, diesem Klarblick nachzuhelfen.

Ayya Khema (1923 – 1997) in: Meditation ohne Geheimnis. München 1999

Ein spirituelles Leben führen

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Um ein spirituelles Leben führen zu können,
müssen wir den Mut aufbringen,
die Wüste der Einsamkeit zu betreten
und sie durch stetes Bemühen
in einen üppigen Garten
des Alleinseins zu verwandeln.

Henri J. M. Nouwen (1932 – 1996)

Schon unzählige Buddhas

Selber müssen sich die Wesen
um die Erleuchtung bemühen;
auch ein Erwachter kann sie nicht erlösen.
Wenn er es könnte,
müssten alle Wesen schon erlöst sein,
denn es hat schon unzählige Buddhas gegeben.

Hui Hai (720-814)

Üppiger Garten des Alleinseins

Um ein spirituelles Leben
führen zu können,
müssen wir den Mut aufbringen,
die Wüste der Einsamkeit zu betreten
und sie durch stetes Bemühen
in einen üppigen Garten des Alleinseins zu verwandeln.

Henri Jozef Machiel Nouwen (1932 – 1996)

Vollkommen gut

Die Ursache, an der es gelegen ist, daß eines Menschen Wesen und Seelengrund vollkommen gut sei, und aus der seine Werke ihre Güte empfangen, das ist dies: dass des Menschen Gemüt gänzlich zu Gott gekehrt sei. Darauf setze all dein Studieren, daß dir Gott groß werde und dass all dein Trachten und Bemühen ihm zugewandt sei in all deinem Tun und Lassen. Fürwahr, je mehr du davon hast, je besser sind auch, welcher Art sie seien, deine Werke. Hafte Gott an, so hängt er dir alles Gute an. Suche Gott, so findest du Gott und alles Gute. Ja, in Wahrheit, du könntest in solcher Meinung auf einen Stein treten, und es wäre heiliger getan, als wenn du, das Deinige im Sinne, den Leib unseres Herrn nähmest, dein Trachten fern von ihm. Wer Gott anhaftet, dem haftet Gott an und alle Tugend. Und was vorher du suchtest, das sucht nun dich, und was vorher du jagtest, das jagt nun dich, und was vorher du fliehen mochtest, das flieht nun dich. Darum, wer Gott anhaftet, dem haftet alles an, was göttlich ist, den flieht alles, was anders ist und fremd.

Meister Eckhart (1260 – 1328)