Nichtsehend den Sinn schauen

Machig Labdrön / Bild: wikimedia, gemeinfrei


Genau jetzt ist Gelegenheit.
Sucht nach der innersten Essenz des Geistes –
dort findet ihr den Sinn.
Wenn ihr den Geist betrachtet,
ist dort nichts zu sehen.
Nichtsehend schaut ihr
hell und klar den Sinn.

Machig Labdrön (1055 – 1145)

Möge ich… – Das Metta-Suttra

Foto: © wak

Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist
sein.
Möge ich sicher und beschützt sein.
Möge ich frei von Ärger, Kummer, Furcht und Angst sein.
Möge ich lernen, mich selbst mit Augen des Verstehens
und der Liebe anzuschauen.
Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks
zu erkennen und zu berühren.
Möge ich lernen, die Gründe von Ärger, Begehren und
Unwissenheit in mir zu erkennen und zu sehen.
Möge ich erkennen wie ich die Samen von Freude in mir
jeden Tag nähren kann.
Möge ich fähig sein, frisch, gefestigt und frei zu leben.
Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein –
ohne gleichgültig zu werden.

Visuddhi Magga (5. Jh.) / neue Fassung  von Thich Nhat Hanh (*1926) ~ gefunden habe ich diese Version des Metta-Sutta hier: https://www.quelle-des-mitgefuehls.de/

Im heiligen Nicht-Wissen präsent sein

Foto: © wak

Das Abhandenkommen jeglicher Planbarkeit und das Nicht-Wissen wie und wann diese Pandemie zu einem Ende kommt, verunsichern uns. Mir hilft es, mich freiwillig in das Nicht-Wissen zu stellen. Die kreisenden, bohrenden Gedanken kommen zur Ruhe und ich finde mich wieder im JETZT. Das Nicht-Wissen – vor allem da, wo man nicht wissen kann! – ist ein heiliger Ort im Geist. Genau hier finden wir zurück zur ursprünglichen Klarheit, und von dort zu einer neuen Sicht.

Pyar (*1960) ~ mehr hier:  https://pyar.de/

Licht deines eigenen Herzens

Foto: © wak

 

Erlaube deinem Geist,
nach innen zu gehen,
immer wieder,
um seine eigene innere Stille zu erfahren.

Wenn du das tust,
leuchtet das göttliche Licht auf,
das du als das Licht deines eigenen Herzens wahrnimmst.

Gurumayi Chidvilasananda (*1955)

Fasten des Herzens

„Darf ich fragen“, so sagte Yen Hui zu Konfuzius, „was du unter ‚Fasten des Herzens‘ verstehst?“

„Kultiviere das Einssein“, antwortete Konfuzius darauf. „Du hörst nicht mit den Ohren, sondern mit dem Geist. Nicht mit dem Geist, sondern mit der Seele. Lass das Hören bei den Ohren aufhören. Lass den Geist bei sich bleiben. Dann wird die Seele nur noch passiv auf die äußeren Dinge reagieren. Nur in diesem passiven Zustand kann das Tao sich niederlassen. Und diese Enthaltung ist das Fasten des Herzens.“

Dschuang Dsi (um 365 v.u.Z. – 290 v.u.Z.)

Der Meister von Galiläa

Bô Yin Râ, Studie zu Jesusbild

Jesu Bildnis hat uns Bô Yin Râ als Künstler aufbewahrt zu heilsamer Kräftigung und feuriger Anspornung, auch als einen gleichsam illustrativen Beleg dessen, was er in seinen Schriften über den Meister von Galiläa an Wesentlichem und übrigens sehr Überraschendem und Ungewohntem zu sagen fand. Zugleich schuf er, der Bruder, dem Bruder im Geiste ein überdauerndes Denkmal, inniger und zäher denn Erz. Dieses Antlitz ist weder hässlich noch schön, sondern anders und darüber und ein Schimmer aus der Geisteswelt.

Über das Bildnis Jesu von Bô Yin Râ von Rudolf Schott. In: Der Maler Bô Yin Râ, S. 174 ff., Kober, Zürich, 1960

 

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Eins sein mit Gott

Wenn der Geist
alles durchdringt und durchströmt,
und nichts ihm unerreichbar bleibt;
wenn er hinaufdringt zum Himmel
und unten die Erde umschlingt;
wenn er alle Wesen wandelt und nährt
und ohne Gleichnis noch Bildnis ist:
das heißt eins sein mit Gott.

Dschuang Dsi, Das wahre Buch vom südlichen Blütenland, Jena 1912, Buch XV, Seite 117

Das was bleibt – was ist’s?

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Der Geist-Mond ist einsam und vollendet:
das Licht verschlingt die zehntausend Dinge.
Es stimmt nicht, dass das Licht die Welt erhellt,
noch dass die Welt der Dinge existiert.
Licht, Welt und Dinge sind dahin,
und das, was bleibt – was ist’s?

Aus dem Zen

Alle tiefgreifenden Veränderungen kommen aus einem ruhigen und friedvollen Geist

 

Habe mit allen Menschen Geduld, vor allem aber mit dir selbst. Lasse dich nicht durch deine Unvollkommenheiten entmutigen, beginne immer wieder mit neuem Mut. Ich freue mich, daß du jeden Tag von neuem beginnst. Es gibt keinen besseren Weg zu geistigen Erkenntnissen, als immer wieder von vorn zu beginnen und nie zu denken, daß es nun genug sei. Wie können wir geduldig bei den Schwächen unseres Nachbarn sein, wenn wir ungeduldig bei unseren eigenen sind. Wer sich über seine eigenen Mängel grämt, wird sie nicht korrigieren können. Alle tiefgreifenden Veränderungen kommen aus einem ruhigen und friedvollen Geist.

Franz von Sales (1567 – 1622)

Joseph Goldstein (*1944) zitierte es hier: Vipassana-Meditation:Die Entfaltung der Bewusstseinsklarheit. Erster Abend – Eröffnung und erste Unterweisung: http://www.palikanon.com/vipassana/goldstein/goldstein01.htm

 

Aller Dinge Grund und Anfang

Foto: © wak

 

Ich bekenne Einen ewigen Gott, der da ist das ewige, unanfängliche, einige, gute Wesen, das da außer aller Natur und Kreatur in sich selber wohnet, und keines Orts noch Raumes bedarf, auch keiner Meßlichkeit, vielweniger einigem Begriff der Natur und Kreatur unterworfen ist. Und bekenne, dass dieser einige Gott dreifältig in Personen sei, in gleicher Allmacht und Kraft, als Vater, Sohn und heiliger Geist. Und bekenne, dass dieses dreieinige Wesen auf einmal zugleich alle Dinge erfülle, und auch aller Dinge Grund und Anfang sei gewesen, und noch sei. Mehr glaube und bekenne ich, dass die ewige Kraft, als das göttliche Hauchen oder Sprechen, sei ausgeflossen und sichtbar worden; in welchem ausgeflossenen Worte der innere Himmel und die sichtbare Welt stehet, samt allem kreatürlichen Wesen, dass Gott habe alle Dinge durch sein Wort gemacht.

Zitat von Jakob Böhme (1575 – 1624) in der „Einführung zu ‚Das Böhme-Lesebuch‘“ von Paul Hankamer

Der vollständige Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu