Das Geheimnis des inneren Friedens ist der innere Abstand

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Das Geheimnis des inneren Friedens ist der innere Abstand. Sammlung ist demjenigen unmöglich, der von all den verworrenen und wechselnden Wünschen seines eigenen Willens beherrscht wird. Sogar wenn sich diese Wünsche auf Gutes richten wie etwa das innere Leben, die Sammlung, den Frieden, die Freuden des Gebets, machen sie die Sammlung schwierig, ja unmöglich, wenn es sich dabei um nicht mehr als natürliche und ichbezogene Wünsche handelt.

Wir werden nie in der Lage sein, vollkommenen inneren Frieden und Sammlung zu finden, solange wir nicht innerlich sogar vom Wunsch nach Frieden und Sammlung frei sind. Wir werden nie auf vollkommene Weise beten können, solange wir nicht innerlich von der Freude frei sind, die uns das Gebet macht.

Wenn wir alle diese Wünsche lassen und nur eines suchen, nämlich Gottes Willen, schenkt er uns mitten in unsere Mühen, Konflikte und Prüfungen hinein Sammlung und Frieden.

Thomas Merton ( 1915 – 1968)

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Das Wort aus dem Mund nehmen

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Es kann sehr wohl während eines Vaterunsers
oder eines andern mündlichen Gebetes geschehen,
dass uns der Herr zu vollkommener Kontemplation erhebt.
So zeigt seine Majestät, dass er den Sprechenden hört
und ihm in seiner Grösse antwortet:
Er hebt ihm die Denkfähigkeit auf,
indem er den Lauf der Gedanken anhält
und ihm, wie man so sagt,
das Wort aus dem Mund nimmt.

Teresa von Ávila (1515 – 1582)

Unteilbar, unbeweglich, unveränderlich

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Vollkommene Reinheit muß durch die unteilbare Einheit vom Methode und Weisheit erzielt werden, die in der … Silbe hung – sie bedeutet Unteilbarkeit – symbolisiert wird. Im Sutra-System bezieht sich die Unteilbarkeit vom Methode und Weisheit auf Weisheit, die durch Methode, und Methode, die durch Weisheit beeinflußt ist. Im Mantra- oder Tantra-Fahrzeug bezieht sie sich auf ein Bewußtsein, in welchem die volle Form von Weisheit und Methode als einer unteilbaren Wesenheit gegeben ist. Im System der Wurzelsilben für die fünf Sieger-Buddhas ist hung die Wurzelsilbe des Aksobhya – des Unbeweglichen, Unveränderlichen, der durch nichts gestört werden kann

Tenzin Gyatso (* 1935)

Fühlen, wie sich die Sinne sammeln

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Lernt Selbstüberwindung, bleibt eine Zeitlang beharrlich dabei, und ihr werdet sehr klar sehen, welchen Nutzen ihr davon habt. Wenn ihr euch dem Gebet widmet, werdet ihr sogleich fühlen, wie eure Sinne sich sammeln: Sie sind wie Bienen, die in den Stock zurückkehren und sich dort einschließen zur Bereitung des Honigs… Und immer schneller werden sie dann beim ersten Ruf des Willens zurückkehren. Und endlich, nach unzähligen Übungen dieser Art, macht Gott sie für einen Zustand vollkommener Ruhe und Kontemplation bereit.

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Eine der revolutionärsten Lehren

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H. G. Wells (1866 – 1946 ) in seinem Vorwort zu dem Buch „Über Gott und die Welt. Revolutionäre Texte aus dem Neuen Testament.“ Zürich 1973, S. 13

Einfach wahrnehmen

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Wenn du in er Lage bist, dich zu entspannen – dich für eine Wolke öffnen, die du siehst, einen Regentropfen in seiner ganzen Wirklichkeit erfahren -, so kannst du die Unbedingtheit der Wirklichkeit direkt sehen: Sie ist in den Dingen, so wie sie sind, ganz einfach.
Wenn du die Dinge anschauen kannst, ohne zu sagen: „Dies ist für mich, das ist gegen mich“, oder „Hiermit stimme ich überein, damit nicht“, dann erfährst du den Seinszustand des kosmischen Spiegels, die Weisheit des kosmischen Spiegels.
Ob du eine Fliege vorbeisummen oder eine Schneeflocke fallen siehst, ob es Wellen im Wasser sind oder eine scharze Spinne – all das nimmst du einfach wahr, in vollkommener Aufnahmebereitschaft, ohne „Ja“ und „Nein“.

Chögyam Trungpa (1940 -1987)

Hebt die Schätze, die in euch verborgen liegen

Ihr tätet gut daran, Menschen des Nicht-Handelns zu werden. Unablässig seid ihr mit irgend etwas beschäftigt. Ihr gebt vor, die Wahrheit zu suchen, euch in der Meditation zu üben, und legt eure Auffassungen über die Buddhalehre dar. Dieses ganze Treiben ist nur hinter leeren Worten her sein und ist völlig sinnlos.
Unmittelbar nachdem mir mein Lehrer sagte: “In deiner eignen Schatzkammer ist alles in seiner ganzen Vollkommenheit enthalten. Du solltest besser davon Gebrauch machen als vergeblich irgendwo sonst danach zu suchen”, habe ich das ganze Suchen eingestellt.
Hebt die Schätze, die in euch verborgen liegen und – was kann es Besseres geben – macht von ihnen Gebrauch!

Hui Hai (720-814)