Leere Gefäße ohne Löcher oder Sprünge

Photographik © wak

 

Der Buddha verglich seine Zuhörer mit vier verschiedenen Arten von Tongefäßen. Das erste Tongefäß hat Löcher im Boden. Wenn man Wasser hineingießt, fließt es sofort wieder heraus. Anders gesagt, was immer man solche Personen lehrt, ist verschwendet. Das zweite Tongefäß verglich er mit einem, das Sprünge hat. Wenn man Wasser hineingießt, sickert es heraus. Diese Leute haben kein Erinnerungsvermögen. Sie können zwei und zwei nicht zusammenzählen. Sprünge im Verständnis. Den dritten Zuhörer verglich er mit einem Gefäß, das bereits vollständig gefüllt ist. Man kann kein Wasser hineingießen, weil es schon randvoll ist. Solche Menschen sind so voll mit Ansichten, dass sie nichts Neues mehr lernen können. Aber hoffentlich sind wir die vierte Art. Leere Gefäße ohne Löcher oder Sprünge. Vollkommen leer.

Ayya Khema (1923 – 1997)

Leuchtkraft Deiner Fülle

Impression von der Raketenstation HombroichFoto: © wak

O Dunkel des Schweigens! Es wäre nicht genug, von dir zu sagen, dass du vor lauter Finsternis in strahlendstem Licht aufglänzest, nicht genug, von dir zu glauben, dass dein Glanz sich immer gleich bleibe, unstörbar und unzerstörbar, nie zu sehen und nie zu erreichen. Es wäre auch nicht genug, von dir zu sagen, dass du, Dunkelheit des Urgrunds, jenen vollkommenen Geist, der die Augen des Daseins und die Augen des Seins zu schließen vermöchte, mit der Leuchtkraft deiner Fülle bis zum Bersten blendest, und schöner bist als die Schönheit selbst.

Dionysius Areopagita  (5. Jh.) in: Mystische Theologie

Keine Belohnung für das Erwachen

Ramana Maharshi / Foto: Archiv

Man erhält  keine Belohnung für das Erwachen. Wenn man die Bedeutung dieses inneren Erlebnisses erfasst, verlangt man keine Belohnung. Wie Krishna sagte: „Ihr habt das Recht zum Arbeiten, aber nicht das Recht, dessen Früchte zu ernten.“ Vollkommenes Wachsein ist einfach Anbetung, und wahre Anbetung ist nur dem Erwachten möglich.

Wenn man sich niedersetzt und sich klar macht, dass man nur denkt vermöge des All-Lebens und dass der Verstand, der zur Handlung des Denkens belebt wird durch das All-Leben, ein Teil des Ganzen ist, welches wiederum Gott ist, dann beweist man, dass der Verstand nicht als gesondertes Wesen besteht, und das Ergebnis ist, dass Verstand und Körper materiell (so zu sagen) verschwinden. Das einzige, was übrig bleibt, ist reines Sein, welches gleichzeitig Bestehen und Nichtbestehen in sich schließt und nicht durch Worte und Gedanken erklärt werden kann.

Meister in Indien. Verbürgte Mitteilungen über indische Mahâtmas und ihre Lehren von Felicita R. Scatcherd – (Es geht um einen Besuch bei Ramana Maharshi)

Der vollständige Text ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 8  |  September 2020

TITELTHEMA: EIN VERSCHÜTTETER TEMPEL

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Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Vollkommenheit und Leere

Thomas Merton in der Trappistenabtei Gethsemani / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Vollkommene Freiheit genießen

Foto: © wak

Wenn die Jünger des Zen über die Welt ihrer Sinne und Gedanken hinaus nicht zu gehen vermögen, dann ist all ihr Tun und Lassen bedeutungslos. Aber wenn ihre Sinne und Gedanken vernichtet sind, bleiben alle Durchgänge zum Allumfassenden Geist verstopft und unbegehbar. Der Urgeist muss erkannt werden, solange die Sinne und Gedanken arbeiten. Er gehört ihnen nicht, ist aber von ihnen auch nicht unabhängig. Bauet eure Ansichten nicht auf euren Sinnen und Gedanken auf. Aber suchet nicht den Geist weitab von euren Sinnen und Gedanken, trachtet nicht danach, dadurch die Wirklichkeit zu erfassen, dass ihr eure Sinne und Gedanken verwerfet. Wenn ihr weder daran haftet noch davon losgelöst seid, dann werdet ihr eure vollkommene, unbehinderte Freiheit genießen, dann werdet ihr eure Quelle der Erleuchtung besitzen.

 Huang-Po (+ um 800)

Umstrahlt und glänzend im eigenen Licht

Thomas Merton / Bild: Archiv

Das vollkommene Tun ist leer. Wer kann es sehen? Derjenige, der die Form vergisst. Jenseits der Form tritt das ungeformte, das leere Tun mit der eigenen Form hervor. Vollkommene Form ist das Geschehen eines Augenblicks. Seine Vollkommenheit vergeht sofort. Vollkommenheit und Leere gehen zusammen, denn sie sind dasselbe: der Zusammenfall einer Augenblicksform mit dem ewigen Nichts. Form: der Schein des Nichts. Vergiss die Form, und sie wird plötzlich sichtbar, umstrahlt und glänzend im eigenen Licht, das das Nichts ist. Dann aber suche nicht mehr. Lass es geschehen. Lass es kommen und gehen. Was denn? Alles und jedes, das meint: Nichts.

Thomas Merton (1915-1968)

Unendlich vollkommenes Auge

Foto: © wak

Da aber dein Blick Auge ist, das heißt lebendiger Spiegel, sieht er in sich alles. Ja, weil er der Grund alles Sichtbaren ist, umfasst und sieht er alles im Grunde und im Sinne von allem, das heißt in sich selbst. Dein Auge, Herr, nimmt ohne sich nach verschiedenen Richtungen zu wenden den Weg zu allem. Unser Auge wendet sich jeweils einem Gegenstande zu, und zwar deshalb, weil unser Blickvermögen nur in einem Winkel von begrenzter Größe sieht. Der Sehwinkel deines Auges aber, Gott, ist nicht so oder so groß, sondern unendlich; ist er doch auch ein Kreis, ja unendliche Kugel, weil dein Blick das gleichsam sphärische und das unendlich vollkommene Auge ist. Es blickt also alles sowohl im Umkreis wie aufwärts und abwärts zugleich.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464) in: De visione Dei, 9,37,19

Warum nicht jetzt aufwachen?

Foto: © wak

Warum nicht jetzt aufwachen? Worauf wartest du? Entschließe dich dazu, genau jetzt aufzuwachen und erlaube deinem Verstand, in dein Herz, in das Reine Gewahrsein einzugehen. Tue es.  Einige von euch fragen immer noch, wie man das macht. Durch Stille. Den Moment erleben, das Jetzt, die Realität. Nichts geschieht Jetzt. Niemand leidet. Jetzt ist der einzige Moment, den du hast. Verweile im Jetzt. Alles ist genau jetzt perfekt. Fühle es. Denke nicht darüber nach. Fühle es. Es gibt kein Gestern, es gibt kein Morgen. All deine so genannten Sinne sind transzendiert. Keine Vergangenheit und keine Zukunft. Du bist jetzt vollkommen lebendig. Genau jetzt. Genieße es.

Robert Adams (1928 – 1997)

Gib Deinen Frieden, oh Herr…

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
der vollkommen und ewig ist, auf dass unsere Seelen Frieden ausstrahlen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Denken, Sprechen und Handeln in Einklang sein möge.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir zufrieden und dankbar sein mögen, für Deine reichlichen Gaben.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir inmitten unseres weltlichen Streites uns Deiner Seligkeit erfreuen mögen.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass wir alles ertragen, alles erdulden mögen, im Gedanken an Deine Gnade und Barmherzigkeit.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
auf dass unser Leben dem Göttlichen Bilde entsprechen möge und alle Dunkelheit in Deinem Lichte vergehe.

Gib Deinen Frieden, oh Herr,
unser Vater und Mutter, auf dass wir, Deine Kinder auf Erden, uns vereinigen in einer einzigen Familie.

Amen

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Gefunden habe ich dieses Friedensgebet hier: https://www.sufismus.ch/friedensgebet.php

Pilgernd das Reich Gottes erreichen

 

Foto: © wak

 

Ein Pilger, der lange unterwegs ist, hat neun Aufgaben:

Die erste besteht darin, dass er nach dem Weg fragt.
Die zweite, dass er sich gute Reisegefährten sucht.
Die dritte, dass er sich vor Dieben hütet.
Die vierte, dass er sich vor Unmäßigkeit beim Essen in Acht nimmt.
Die fünfte, dass er seine Kleider schürzt und sich fest gürtet.
Die sechste besteht darin, dass er sich, wenn er bergauf geht, tief vornüberbeugt.
Die siebte, dass er beim Abstieg vom Berg dann aufrecht geht.
Die achte, dass er nach dem Gebet guter Menschen verlangt.
Die neunte, dass er gerne über Gott spricht.

Ebenso verhält es sich auch mit unserer Wallfahrt zu Gott, auf der wir durch vollkommene Taten der Liebe das Reich Gottes zu erreichen suchen und auf seine Gerechtigkeit aus sein sollen…

Hadewijch von Antwerpen (ca.1200 – 1248)