Vollendung

Mehr von und über Josef Anton Schneiderfranken / Bô Yin Râ – hier:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: JOSEPH SCHNEIDERFRANKEN

Heft 7, Juli 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Such mich nirgends als in dir

Peter Paul Rubens stellte Teresa von Avila so dar / Quelle: wikimedia

Such mich nicht in weiter Ferne,
Da ich dir doch allzeit nahe!
Mir genügt dein Sehnsuchtsruf,
Und schon hast du mich gefunden.
Such mich nirgends als in dir!

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Magischer Wortklang formend die Seele

Bô Yin Râ – Porträt mit Signatur

Seltsam sind seine Bücher. Seltsam und groß. Wer sie zum ersten Mal in die Hand nimmt, wird eigentümlich berührt. Es ist, wie wenn ganz fern im eignen Innern etwas klinge, kaum vernehmbar. Es ist, wie wenn sich leise Hüllen im Innern lösten. Du legst das schmale Buch wieder fort, wenn du es gelesen hast, wie du andere Bücher fortlegst. Aber es klingt in dir weiter, es zieht dich zurück. Und allmählich werden dir diese schmalen Bücher dick und schwer. Sie wachsen mit dir, sie weiten sich aus – und du erkennst in deinem Innersten, dass alles Licht und alle Weisheit in ihnen verborgen ist. Bist du noch so in Wirrung und innerer Not: hier wird die Lösung aus dir selber geweckt, hier ist ein Quell, aus dem dein innerstes Wesen sich Kraft und Vertrauen trinkt. Eines Tages erkennst du auch, dass diese Bücher nicht wie gewöhnliche Bücher geschrieben sind. „Dichter mögen allein nach Schönheit streben, Seher geben den Worten ewigen Klang“ heißt es im „Buch vom lebendigen Gott“ einmal. Das erlebst du nun. Alle diese Bücher wirken mit magischem Wortklang formend auf deine Seele.

Bô Yin Râ von Hans Christoph Ade (1888 -1981). Hans Christoph Ade wurde 1925 Schriftleiter von „Magische Blätter“. Der Text stammt aus gleicher Zeit.

Der vollständige Vortrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: JOSEPH SCHNEIDERFRANKEN

Heft 7, Juli 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Lass Gott in dir wirken

Foto: (c) wak

Lass Gott in dir wirken, ihm erkenne das Werk zu, und kümmere dich nicht darum, ob er mit der Natur oder übernatür­lich wirke; beides ist sein: Natur wie Gnade. Was geht‘s dich an, womit zu wirken ihm füglich ist oder was er wirke in dir oder in einem andern? Er soll wirken, wie oder wo oder in welcher Weise es ihm passt.

Ein Mann hätte gern einen Quell in seinen Garten geleitet und sprach: „Dafern mir nur das Wasser zuteil würde, so achtete ich gar nicht darauf, welcher Art die Rinne wäre, durch die es mir zuflösse, ob eisern, hölzern, knöchern oder rostig, wenn mir nur das Wasser zuteil würde“. So machen‘s die ganz verkehrt, die sich darum sorgen, wodurch Gott seine Werke in dir wirke, ob es Natur sei oder Gnade. Lass ihn dabei (nur allein) wirken, und habe du nur Frieden.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in: Reden der Unterweisung 23, „Von den inneren und äußeren Werken“

Hebt die Schätze die in euch verborgen liegen

Foto: (c) wak

Ihr tätet gut daran, Menschen des Nicht-Handelns zu werden. Unablässig seid ihr mit irgend etwas beschäftigt. Ihr gebt vor, die Wahrheit zu suchen, euch in der Meditation zu üben, und legt eure Auffassungen über die Buddhalehre dar. Dieses ganze Treiben ist nur hinter leeren Worten her sein und ist völlig sinnlos.
Unmittelbar nachdem mir mein Lehrer sagte: “In deiner eignen Schatzkammer ist alles in seiner ganzen Vollkommenheit enthalten. Du solltest besser davon Gebrauch machen als vergeblich irgendwo sonst danach zu suchen”, habe ich das ganze Suchen eingestellt.
Hebt die Schätze, die in euch verborgen liegen und – was kann es Besseres geben – macht von ihnen Gebrauch!

Hui Hai (720-814)

Als sprächest Du zu Dir selber

Welches Glück,
welche Geborgenheit,
welche Seligkeit,
wenn jemand Dir zuhört,
zu dem Du zu sprechen wagen darfst,
als sprächest Du zu Dir selbst.

Aelred von Rievaulx (1110 – 1167)

https://zuhoerer-ruhr.com/

Kontakt: zuhoerer@email.de

Die Gedanken nicht hindern aber…

Foto: (c) wak

Ein Bruder kam zum Altvater Poimen und sagte: „Vater, ich habe vielerlei Gedanken und komme durch sie in Gefahr.“ Der Altvater führte ihn ins Freie und sagte zu ihm: „Breite dein Obergewand aus und halte die Winde auf!“ Er antwortete: „Das kann ich nicht!“ Da sagte der Greis zu ihm: „Wenn du das nicht kannst, dann kannst du auch deine Gedanken nicht hindern, zu dir zu kommen. Aber es ist deine Aufgabe, ihnen zu widerstehen.

Bonifaz Miller: Weisung der Väter. Apophtegmata Patrum, Freiburg 4. Auflage 1998, Ausspruch 602

Keine Weisung mehr brauchen

Foto: © wak

 

Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an. Und wenn du siehst, dass du noch nicht schön bist, so mache es wie der Bildhauer, der von einer Statue, die schön werden soll, hier etwas fortmeißelt, dort etwas glättet und da etwas reinigt, bis er der Statue ein schönes Gesicht gegeben hat. So mach’ du es auch: Nimm weg, was unnütz, richte gerade, was krumm ist, reinige, was dunkel ist und mache es hell. Lass nicht ab, an deiner eigenen Statue zu wirken, bis dir der göttliche Glanz der Tugend aufleuchtet und du sie auf ihrem heiligen Sockel stehend erblickst. Und wenn du soweit gekommen bist, dann hemmt dich nichts mehr, dann bist du ganz du selbst und ganz und gar reines, wahres Licht. Du bist eins mit dem Schauen, gewinnst Zutrauen zu dir, bist so hoch gestiegen, dass du keine Weisung mehr brauchst.

Plotin (204 – 270) in den „Enneaden“

Die Gnade des Gurus ist immer da

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

Die Gnade des Gurus ist immer da. Du stellst dir vor, sie sei irgendwo anders hoch in den Himmeln, und sie müsse zu dir herabsteigen. In Wahrheit ist sie in deinem Herzen. Im selben Moment, in dem du durch irgendeine Methode das Eingehen in oder Verschmelzen des Gemüts mit seiner Quelle erreicht hast, schwillt die Gnade an und setzt sich wie ein Springbrunnen innerhalb von dir fort.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Wir huldigen dem Atem des Lebens

 

Wir huldigen dem Atem des Lebens,
denn dieses ganze Universum gehorcht ihm.
Er ist der Herr aller Dinge geworden,
alles hat in ihm seinen Ursprung.

Wir huldigen Dir, Atem des Lebens:
Wir huldigen deinem Tosen:
Wir huldigen Dir, Donner, und Dir, Blitz;
Wir huldigen Dir, o Atem des Lebens,
wenn Du Regen herabgießt.
Wenn donnernd der Atem des Lebens
auf die Pflanzen nieder braust,
empfangen sie Leben;
ein neuer Lebenskeim reift in ihnen.
Zahlreich werden sie geboren.

Als der Atem des Lebens Wasser spendete,
erhoben die Pflanzen ihre Stimme:
„Du hast unser Leben verlängert;
Duft hast Du uns gegeben.“

Wir huldigen Dir beim Einatmen.
Wir huldigen Dir, Lebensatem, beim Ausatmen:
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich abwendest;
Wir huldigen Dir, wenn Du Dich uns wieder zukehrst!
Dir gebührt in allem, ja in allem, Huldigung.

Der Atem des Lebens nimmt die Kreaturen als sein Gewand;
Er nimmt sie wie ein Vater seinen geliebten Sohn.
Der Atem des Lebens ist der Weltenherr,
der Herr aller, die atmen,
der Herr von allem, was ohne Atem ist.

O Atem des Lebens, wende Dich nicht ab von mir:
Ich selbst verschmelze mit Dir.
Wie ein Lebenskeim im Wasser:
So umgebe und binde ich Dich in mir, damit ich lebe!

Atharva-Veda XI, 4,1-3;8;10;26 (ca. 1.000 v.u.Z.)

Gefunden habe ich den Text im Blog von Reinhard Kirste: https://an-deutungen.blogspot.com/2016/06/?m=0