Was die Texte auf diesem Blog angeht…

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„Mystik ist eine Reise und ihre Texte sind Reiseführer, Beschreibungen eines Weges, des Rückweges der Seele zu sich oder zu ihren Gründen, zu dem, was das Sein bedeutet…“ Diesen Gedanken von Stephan Grätzel (*1953) fand ich in den letzten Tagen. Und er passt sehr gut zu dem, was ich mit diesem Blog be-wirken möchte.

Die Texte, die auf diesem Blog erscheinen, sind mir zu-gefallen. Sie kamenauf ganz verschiedene Weise  zu mir, ich habe sie gefunden. Sie geben nicht immer meine Meinung oder Überzeugung wieder. Aber sie wollen und können vielleicht Anstoß und Anregung dafür sein, sich auszurichten, den Blick zu schärfen, die Perspektive zu wechseln um so an jene existienzellen Fragen zu kommen, die den Urgrund unseres Seins neu sehen lassen können.

Manche erfreuen die Texte, andere werden durch sie inspiriert, wieder andere regen sich darüber auf oder sie sind ihnen wurscht. Das alles darf sein.

Dass es vor allem – mit einigen Ausnahmen – Texte von „Dritten“ sind, soll nicht heißen, dass ich keine eigenen Ideen hätte. Die finden sich hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/auf-einen-blick-spirituelle-anregungen-von-werner-a-krebber/

oder auf meinem eher journalistischen Blog hier:

https://wernerkrebber.wordpress.com/category/aphorismen/

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich, dass es eine fruchtbare Auseinandersetzung mit den Texten geben kann.

Werner Anahata Krebber

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Ich weiß es nicht

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Einmal kamen Altväter zum Altvater Antonios, und unter ihnen war auch der Altvater Joseph. Antonios wollte sie prüfen, legte ihnen ein Wort der Schrift vor und begann sie, von den Jüngeren angefangen, zu fragen, was das Wort bedeute. Jeder gab Antwort, je nach seinem Vermögen. Der Greis sagte zu jedem: „Du hast es noch nicht gefunden.“ Zuletzt von allen sprach er zum Altvater Joseph: „Was sagst denn du, dass dieser Spruch bedeute?“ Seine Antwort war: „Ich weiß es nicht.“ Da sprach der Altvater Antonios: „Wahrhaftig, Altvater Joseph hat den Weg gefunden, indem er sagte: ‚Ich weiß es nicht.’“

Gefunden habe ich diesen Text hier: http://www.kontemplation.at/cms/?id=128

Volle Freude und vertrauensvoller Frieden

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Die Lebensweise, in der der Mensch in allen Lagen, Arbeiten und an allen Orten volle Freude und vertrauensvollen Frieden findet, wird nur gelernt und gefunden in der Inwendigkeit, in der Zugekehrtheit des Gemütes zu dem Grund. Das bedarf zuallererst Erleiden, Muße, Zeit und Stätte.

Johannes Tauler (ca. 1300 – 1361)

Jede Ebene der Wirklichkeit

Nachdem das Höchste und Letzte gefunden wurde,
ist man völlig eins mit der ganzen Welt.
Man hat vielleicht den Eindruck,
dass man, um zum Höchsten zu gelangen,
diese Welt verlassen müsse,
aber jetzt, da man das Höchste erreicht,
entdeckt man, daß es jede Ebene der Wirklichkeit umfaßt.
Jede Ebene der Realität ist im Höchsten enthalten und geborgen.

Bede Griffiths (1906 – 1993) in: „Die neue Wirklichkeit – Westliche Wissenschaft, östliche Mystik und christlicher Glaube“; Himberg 1990, Seite 242

Ich fand oft meine Ewigkeit wenn ich gesungen habe

Wenn der Tod kommt und mir zuflüstert: „Deine Zeit ist zu Ende“,
dann will ich zu ihm sagen können:
„Ich habe in der Liebe gelebt, und nicht nur in der Zeit.“

Wenn er fragt: „Werden deine Lieder Bestand haben?“,
werde ich antworten:
„Das vermag ich nicht zu sagen,
aber ich weiß,
dass ich oft meine Ewigkeit fand,
wenn ich gesungen habe.“

Rabindranath Tagore  (1861 – 1941)

Gott finden und verlieren

Gott zu suchen ist, wie ein Netz durch das Wasser zu ziehen. Wenn du das Netz hinter dir herziehst, ist es schwer und voll Wasser, wenn du es jedoch einziehst, ist nichts darin.
Wenn du Gott mit deinem Denken und Tun suchst, ist Gott in dir, sobald du ihn aber gefunden zu haben glaubst und dich zufriedengibst, hast du ihn wieder verloren.

Fjodor Strachow (1861-1923)