Zentrum unserer inneren Welt und die Quelle alles Lebens in uns finden

 

Glücklicherweise entstehen von Zeit zu Zeit große Menschen. Führer der Menschheit, Erforscher des Geistes und der ewigen Gesetze des Universums, welche durch ihr edles Beispiel uns aus dem Schlafe rütteln und uns von unserer nutzlosen Geschäftigkeit und unserem blinden Begehren befreien. Sie inspirieren uns durch die sublime Schönheit ihrer Worte, ihrer Taten und ihres Lebens und öffnen unsere Augen für die Wirklichkeiten in uns und um uns.

Auf diese Weise werden wir wieder jener tiefen Mysterien, die selbst in dieser unserer physischen Welt sich manifestieren, gewahr, und unser körperliches Dasein wird vor unseren Augen zu einer Manifestation des Geistes, sobald wir nur das Zentrum unserer inneren Welt und die Quelle alles Lebens in uns gefunden haben.

Lama Anagarika Govinda – Schöpferische Meditation und Multidimensionales Bewusstsein, 178 f., Aurum-Verlag, Breisgau, 1977

Jetzt aktuell nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Juni 2020, Heft 5, S. 162

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Vor Weisheitsfülle schweigen – Fritz Mauthners Meister Eckhart-Zitat zu Skepsis und Mystik

Foto: © wak

Hier aber, wo ich notgedrungen von dem Verhältnisse zwischen Sprachkritik und dem Begriffe Religion reden muß, möchte ich einige Sätze des edlen Meisters Eckart voraufschicken.

„Einer unserer ältesten Meister, der die Wahrheit schon lange und lange vor Gottes Geburt gefunden hat, den dünkte es, dass alles, was er von den Dingen sprechen könnte, etwas Fremdes und Unwahres in sich trüge; darum wollte er schweigen. Er wollte nicht sagen: Gebt mir Brot, oder gebt mir zu trinken. Aus dem Grunde wollte er nicht von den Dingen sprechen, weil er von ihnen nicht so rein sprechen könnte, wie sie aus der ersten Ursache entsprungen wären; darum wollte er lieber schweigen, und seine Notdurft zeigte er mit Zeichen der Finger. Da nun er nicht einmal von den Dingen reden konnte, so schickt es sich für uns noch mehr, dass wir allzumal schweigen müssen von dem, der da ein Ursprung aller Dinge ist.“ Und wieder: „Das Schönste, was der Mensch von Gott sprechen kann, das ist, dass er vor Weisheitsfülle schweigen kann.“ Und wieder: „Die Seele ist eine Kreatur, die alle genannten Dinge empfangen kann; und ungenannte Dinge kann sie nur empfangen, wenn sie so tief in Gott empfangen wird, dass sie selbst namenlos wird.“

Ich meine es kaum viel anders; nur die Sprache ist etwas verschieden, weil sechs Jahrhunderte dazwischen liegen.

Fritz Mauthner (1849-1923) in: Sprache und Logik. Beiträge zu einer Kritik der Sprache.Dritter Band (1913)
Der vollständige Text ist hier zu finden: https://www.textlog.de/mauthner-logik-skepsis-mystik.html

Einen Platz finden…

Foto: © wak

Zumindest einen Raum oder eine Ecke solltest Du für Dich haben, wo dich niemand findet, niemand stört, niemand beachtet. Dort solltest Du die Freiheit haben, dich von der Welt zu lösen und dich loszulassen, indem du alle feinen Saiten und Fasern der Spannung löst, die dein Schauen, dein Hören, dein Denken in der Gegenwart anderer Menschen bindet. Hast du einen solchen Platz gefunden, sei zufrieden damit und sei nicht verwirrt, wenn dich ein guter Grund davon wegruft. Liebe ihn und kehre zu ihm zurück, sobald du kannst.

Thomas Merton (1915 – 1968) in: Zeiten der Stille. Freiburg 1992, S. 27

Alles beginnt mit der Sehnsucht

Foto: © wak

 

Alles beginnt mit der Sehnsucht,
immer ist im Herzen Raum für mehr,
für Schöneres, für Größeres –
Das ist des Menschen Größe und Not:
Sehnsucht nach Stille, nach Freundschaft und Liebe.
Und wo Sehnsucht sich erfüllt,
dort bricht sie noch stärker auf –
Fing nicht auch Deine Menschwerdung, Gott,
mit dieser Sehnsucht nach dem Menschen an?
So lass nun unsere Sehnsucht damit anfangen,
Dich zu suchen,
und lass sie damit enden,
Dich gefunden zu haben.

Nelly Sachs (1891 – 1970)

Vom Nutzen des Lassens

Foto: © wak

 

Du musst wissen, dass sich noch nie ein Mensch in diesem Leben so weitgehend gelassen hat, dass er nicht gefunden hätte, er müsse sich noch mehr lassen. Der Menschen gibt es wenige, die das recht beachten und darin beständig sind. Es ist ein gleichwertiger Austausch und ein gerechter Handel: So weit du ausgehst aus allen Dingen, so weit, nicht weniger und nicht mehr, geht Gott ein mit all dem Seinen, dafern du in allen Dingen dich des Deinen völlig entäußerst. Damit heb an, und lass dich dies alles kosten, was du aufzubringen vermagst. Da findest du wahren Frieden und nirgends sonst.

Die Leute brauchten nicht soviel nachzudenken, was sie tun sollten; sie sollten vielmehr bedenken, was sie wären. Wären nun aber die Leute gut und ihre Weise, so könnten ihre Werke hell leuchten.

Bist du gerecht, so sind auch deine Werke gerecht. Nicht gedenke man Heiligkeit zu gründen auf ein Tun; man soll Heiligkeit vielmehr gründen auf ein Sein, denn die Werke heiligen nicht uns, sondern wir sollen die Werke heiligen. Wie heilig die Werke immer sein mögen, so heiligen sie uns ganz und gar nicht, soweit sie Werke sind, sondern: soweit wir heilig sind und Sein besitzen, soweit heiligen wir alle unsere Werke, es sei Essen, Schlafen, Wachen oder was immer es sei. Die nicht großen Seins sind, welche Werke die auch wirken, da wird nichts daraus. Erkenne hieraus, dass man allen Fleiß darauf verwenden soll, gut zu sein, – nicht aber so sehr darauf, was man tue oder welcher Art die Werke seien, sondern wie der Grund der Werke sei.

Meister Eckhart (1260 – 328) in den „Reden der Unterweisung“

Was die Texte auf diesem Blog angeht…

Foto: © wak

„Mystik ist eine Reise und ihre Texte sind Reiseführer, Beschreibungen eines Weges, des Rückweges der Seele zu sich oder zu ihren Gründen, zu dem, was das Sein bedeutet…“ Diesen Gedanken von Stephan Grätzel (*1953) fand ich in den letzten Tagen. Und er passt sehr gut zu dem, was ich mit diesem Blog be-wirken möchte.

Die Texte, die auf diesem Blog erscheinen, sind mir zu-gefallen. Sie kamenauf ganz verschiedene Weise  zu mir, ich habe sie gefunden. Sie geben nicht immer meine Meinung oder Überzeugung wieder. Aber sie wollen und können vielleicht Anstoß und Anregung dafür sein, sich auszurichten, den Blick zu schärfen, die Perspektive zu wechseln um so an jene existienzellen Fragen zu kommen, die den Urgrund unseres Seins neu sehen lassen können.

Manche erfreuen die Texte, andere werden durch sie inspiriert, wieder andere regen sich darüber auf oder sie sind ihnen wurscht. Das alles darf sein.

Dass es vor allem – mit einigen Ausnahmen – Texte von „Dritten“ sind, soll nicht heißen, dass ich keine eigenen Ideen hätte. Die finden sich hier:

https://mystikaktuell.wordpress.com/auf-einen-blick-spirituelle-anregungen-von-werner-a-krebber/

oder auf meinem eher journalistischen Blog hier:

https://wernerkrebber.wordpress.com/category/aphorismen/

Allen Leserinnen und Lesern wünsche ich, dass es eine fruchtbare Auseinandersetzung mit den Texten geben kann.

Werner Anahata Krebber

Ich weiß es nicht

Foto: © wak

Einmal kamen Altväter zum Altvater Antonios, und unter ihnen war auch der Altvater Joseph. Antonios wollte sie prüfen, legte ihnen ein Wort der Schrift vor und begann sie, von den Jüngeren angefangen, zu fragen, was das Wort bedeute. Jeder gab Antwort, je nach seinem Vermögen. Der Greis sagte zu jedem: „Du hast es noch nicht gefunden.“ Zuletzt von allen sprach er zum Altvater Joseph: „Was sagst denn du, dass dieser Spruch bedeute?“ Seine Antwort war: „Ich weiß es nicht.“ Da sprach der Altvater Antonios: „Wahrhaftig, Altvater Joseph hat den Weg gefunden, indem er sagte: ‚Ich weiß es nicht.’“

Gefunden habe ich diesen Text hier: http://www.kontemplation.at/cms/?id=128