Die Wahrheit in sich selbst erblicken

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Die Wahrheit
in sich selbst erblicken,
nur für einen Augenblick,
gilt mehr als alle Himmel,
mehr als alle Welten,
mehr als alles,
was es gibt.

Dschelaluddin Rumi / Mevlana / Muhammad Dschelaleddin Rumi (1207-1273)

Unsere eigene Weisheit

Graphik: Archiv

Was wir im Zustand der Kontemplation mit unseren eigenen Augen sehen, ist unsere eigene Weisheit. Nach den Lehren des Bön-Dzogchen sind die Augen die Pforten der Weisheit. In der hermetischen Sprache …  gibt es einen großen Berg, auf dem es fünf Einsiedler und zwei Höhlen gibt. Der große Berg ist der Körper, die fünf Einsiedler sind die fünf Weisheiten*, und die beiden Höhlen sind die Augen.

Tenzin Wangyal (*1961)

 

*Weisheit des allumfassenden Raums, Spiegelgleiche Weisheit, Weisheit der Wesensgleichheit, Weisheit der Unterscheidung und Allesvollendende Weisheit

Es kribbelt und wibbelt weiter…

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Die Flut steigt bis an den Arrarat,
Und es hilft keine Rettungsleiter,
Da bringt die Taube Zweig und Blatt –
Und es kribbelt und wibbelt weiter.

Es sicheln und mähen von Ost nach West
Die apokalyptischen Reiter,
Aber ob Hunger, ob Krieg, ob Pest,
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Ein Gott wird gekreuzigt auf Golgatha,
Es brennen Millionen Scheiter,
Märtyrer hier und Hexen da,
Doch es kribbelt und wibbelt weiter.

So banne dein Ich in dich zurück
Und ergib dich und sei heiter,
Was liegt an dir und deinem Glück?
Es kribbelt und wibbelt weiter.

Theodor Fontane (1819 – 1898)

Was Gott ist weiß man nicht

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Was GOtt ist weiß man nicht:
Er ist nicht Licht / nicht Geist/
Nicht Wonnigkeit / nicht Eins /
nicht was man Gottheit heist:
Nicht Weißheit / nicht Verstand /nicht Liebe / Wille / Gütte:
Kein Ding / kein Unding auch / kein Wesen / kein Gemütte:
Er ist was ich / und du / und keine Creatur /
Eh wir geworden sind was Er ist / nie erfuhr.

Angelus Silesus (1624 -1677) in: Der cherubinische Wandersmann (IV 21)

 

 

Durch Nicht-Einsehen erkennen

Nicht das, was die Vernunft einsieht,
sättigt sie oder ist ihr Ziel.
Aber auch nicht das,
was sie durchaus nicht versteht,
vermag sie zu sättigen,
sondern vielmehr das,
was sie durch Nicht-Einsehen erkennt.

Nikolaus von Kues (1401 – 1464)