Der Mensch soll nicht sorgen…

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Der Mensch soll nicht sorgen,
daß er in den Himmel,
sondern daß der Himmel in ihn komme.
Wer ihn nicht in sich selber trägt,
der sucht ihn vergeblich im ganzen All.

Otto Ludwig (1813- 1865) in: Zwischen Himmel und Erde

Der Schlange Klugheit

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Vernimm nun, auf welche Weise die Schlange Klugheit zeigt. Wenn sie merkt, dass sie alt und runzlig wird und zu stinken beginnt, so sucht sie eine Stelle, an der zwei Steine beieinander liegen, und zwischen diesen schiebt sie sich ganz genau hindurch, so dass sie die alte Haut ganz abstreift; darunter ist eine neue gewachsen. Ganz ebenso soll der Mensch mit seiner alten Haut verfahren, das heißt mit alldem, was er von Natur besitzt, wie groß oder gut es auch immer sei..

Welches sind (nun) diese beiden Steine? Der eine ist die ewige Gottheit, welche die Wahrheit ist, der andere die liebreiche Menschheit Christi, der wesenhafte Weg. Zwischen diesen beiden Steinen hindurch soll der Mensch all sein Leben und Wesen gestalten, schleifen und tragen.

Johannes Tauler (1300 – 1361) in Predigt 23: Estote prudentes et vigilate in orationibus / Seid besonnen und verharret im Gebete (1 Petr. 4, 8)

Zum Urgrund zurückkehren

Steinlabyrinth in Kevelaer / Foto: (c) wak

Spirituelle Gnade entspringt dem göttlichen Urgrund allen Seins und wird dem Menschen verliehen, damit er seine Bestimmung verwirklichen und aus der Zeit und dem Selbst zum Urgrund zurückkehren kann.

Aldous Huxley (1894 – 1963) in „Die ewige Philosophie – Philosophia Perennis“, Freiburg 2008, S. 213

Gott kann geliebt aber nicht gedacht werden

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Jetzt wirst du mich fragen: „Wie soll ich an Ihn denken, und was ist Er?“ Darauf kann ich dir nur antworten: Ich weiß es auch nicht. Denn du hast mich mit deiner Frage in die gleiche Dunkelheit und in die gleiche Wolke des Nichtwissens versetzt, in der ich dich selbst gern sähe. Denn alle anderen Geschöpfe und ihre Werke ja sogar die Werke Gottes selbst kann man durch Gnade zur Gänze erkennen, und es ist gut möglich, sich mit ihnen in Gedanken zu beschäftigen. Aber Gott selbst kann kein Mensch gedanklich erfassen. Und daher will ich alles, was ich denken kann, hinter mir lassen und zum Gegenstand meiner Liebe das erwählen, das nicht gedacht werden kann. Denn Gott kann wohl geliebt, aber nicht gedacht werden. Von der Liebe läßt er sich fassen und halten, vom Intellekt jedoch nicht. Und wenn es darum auch zuweilen gut ist, an die Güte und Erhabenheit Gottes im besonderen zu denken und wenn das auch den Geist erleuchtet und einen Teil der mystischen Kontemplation bildet, müssen doch solche Gedanken bei diesem Werk abgeworfen und mit einer Wolke des Vergessens bedeckt werden.

Wolke des Nichtwissens, 14. Jahrhundert, Kapitel 6

Du führst meinen Geist ins Weite

Hildegard von Bingen / Bild: wikimedia~gemeinfrei

O heilende Kraft, die sich Bahn bricht! Alles durchdringst du, die Höhen, die Tiefen, den Abgrund. Du fügest und schließest alles in eins.

Durch dich fluten die Wolken, fliegen die Lüfte. Die Steine träufeln vom Saft, die Quellen sprudeln ihre Bäche hervor. Durch dich quillt aus der Erde das erfrischende Grün.

Du führst auch meinen Geist ins Weite, wehest Weisheit in ihn, und mit der Weisheit die Freude. Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht, und wie ein Tau, der auf die Gräser träufelt, und wie die Regenluft, die wachsen macht.

Genauso ströme der Mensch sein Wohlwollen aus  auf alle, die da Sehnsucht tragen. Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft, ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet, und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet, und sie mit der Lehre erfüllt wie Hungernde, indem er ihnen seine Seele gibt.

Hildegard von Bingen (1098-1179) zugeschrieben

Gottesklugheit

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Hier löst sich ein
in Gott fortgeschrittener Mensch
von überständigem Brauch,
von dem, worüber Gott mit uns hinauswill
und schon hinaus ist.

Frömmigkeit ist eine Art Klugheit,
sie ist Gottesklugheit.

Thomas Mann (1875 – 1955) in „Joseph und seine Brüder“

Kunst ist Wahrnehmungsarbeit

Ein so gereiftes Werk wirkt als Seelennahrung, als Heilmittel. Es wird eine aus zweckfreier Schönheit und kraft­voller Harmonie gebildete Manifestation in der Welt sein, in der sich tiefste Sehnsucht und höchstes Potenzial verbinden.

Der Künstler hat die paradoxe Aufgabe,

das Nichtsagbare zur Sprache zu bringen,

das Unhörbare hörbar zu machen,

das Unsichtbare ins Sichtbare zu heben.

Sein Scheitern ist gewiss,

doch möglicherweise nicht vergeblich.

Kunst, wie ich sie bejahe, ist Wahrnehmungsarbeit.

Sie nährt den (inneren) Menschen, durchleuchtet verworrene Zu­sammenhänge und öffnet jene kostbaren Bereiche, aus denen Lebenssinn und Existenzfreude stammen. Auch wenn diese Durchlichtungsarbeit in der Wüste, in übervölkerten Städten, einsamen Höhlen oder abgelegenen Dörfern schaffend oder betrachtend geschieht, wirkt sie doch unmittelbar gestaltend auf das menschliche Resonanzfeld ein. Die Essenz davon erreicht uns mit unerklärlicher Leichtigkeit – jenseits des Beweisbaren und doch mit absoluter Sicherheit – als leise Hoffnung, frischer Mut und freier, schöpferischer Impuls.

Der vollständige Text von Alfred Bast zu AY kann hier gelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER

CII. Jahrgang, HERBST 2021, Heft 8, August 2021

Thema: ÜBER DAS BILD

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Mehr Informationen zu seiner Arbeit finden sich hier: www.alfred-bast.de

Neues Geheimnis der Natur

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Mit jedem großen Geiste
dringt ein neues
Geheimnis der Natur ans Licht,
und die Bibel kann
nicht geschlossen werden,
ehe nicht der letzte große Mensch
geboren ist.

Ralph Waldo Emerson (1803- 1882) in: Der Kunstwart, 1. Juniheft 1903, S. 220, 225, 227, Callwey Verlag, München

Das ganze Zitat von Ralph Waldo Emerson kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: JOSEPH SCHNEIDERFRANKEN

Heft 7, Juli 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Ruhen in Gottes Allgegenwart

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Wer in das Offene eingehen und längere Zeit darin verweilen kann, der erlebt, dass Zeit und Raum für das Wesen des Menschen keine Gültigkeit haben, sondern dass zuinnerst in ihm Leben ist, menschliches Leben, ein Jetzt, ein langwährendes Jetzt möchte ich sagen, aber selbst das Wort  „langwährend“ trägt den Stempel meiner geschlossenen Reflektion. Im Offenen ist ewiges Leben, es gibt dort keine Veränderung. Es gibt dort kein Vermissen. Die Menschenseele ruht aus in Gottes Allgegenwart. Es gibt dort kein Gestern und Morgen, sondern nur ein Jetzt. Es gibt dort  kein Nah und Fern, nur Hier. Und „Hier“ ist Gott.

Aus einem Vortrag von Johannes Anker-Larsen in der Tonhalle Zürich 1925

Der vollständige Vortrag ist hier nachzulesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: Materialien zum Jakob-Böhme-Bund

Heft 6, Juni 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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