Das wahre Menschenherz

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Willst du dich selbst erkennen, so wisse, daß du aus zwei Dingen geschaffen bist. Das eine ist diese äußere Hülle, die man Leib nennt und mit dem äußeren Auge sehen kann. Das andere ist jenes Innere, das man bald Seele, bald Geist und bald Herz nennt, und das nur von dem inneren Auge erkannt werden kann. Dies Innere ist dein wahres Wesen, alles andere ist nur sein Gefolge, sein Heer und seine Dienerschaft. Wir wollen es das Herz nennen. Wenn wir also von dem Herzen sprechen, so wisse, daß wir damit das wahre Wesen des Menschen meinen, das man sonst bald Geist, bald Seele nennt, nicht aber jenes Stück Fleisch, das in der linken Seite deiner Brust sitzt; denn das hat keinen Wert, und auch die Tiere und die Toten besitzen es, und man kann es mit dem äußeren Auge sehen. Alles aber, was man mit diesem Auge sehen kann, gehört dieser Welt an, der Welt des Augenscheins. Das wahre Menschenherz aber ist nicht von dieser Welt, sondern ist als Fremdling zu kurzer Wanderung in diese Welt gekommen.

Abu Hamid al-Ghazzali (1055/56 – 1111) in: Das Elixier der Glückseligkeit

Impulse für die geistige Entwicklung

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Mit dem mystischen Schrifttum besitzen wir ein unschätzbares Gut, eine kostbare Quelle der Wahrheit, aus welcher der suchende Mensch die Erkenntnisse schöpfen kann, nach denen seine Seele verlangt. Eine entscheidende mystische Wahrheit besagt jedoch, dass der Mensch aus der Mystik nicht nur Wissen umd „letzte Dinge“ gewinnen sollte, sondern vor allem auch Impulse für die Arbeit an seiner geistigen Entwicklung, die letztlich die einzig wahre Sinngebung für ein erfülltes Leben zu gewähren vermag. Die Mystiker haben diesem Anliegen die allergrößte Bedeutung beigemessen und ihre Lehren enthalten entsprechende Aufforderungen sowie Anleitungen für das Erreichen diese Zieles.

René Bütler (1923 – 2016)

Meister Eckhart: Wichtig

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Nachzulesen in: Magische Blätter. Monatsschrift für geistige Lebensgestaltung.CI. Jahrgang, Mai 2020, Heft 4

Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Gott lebt im Menschen sein reichstes Leben

 

…Wenn Gott in seiner Seele Mensch geworden ist, ist ihm die „Gelassenheit“ der Weihe erreicht. Und diesen Rhythmus des eigenen Erlebens von der Berufung durch die Erleuchtung zur Weihe sieht er als Rhythmus des Lebens überhaupt, als Rhythmus Gottes. Der sittliche Endzustand des Menschen ist die Gelassenheit als Wille zur Selbstvollendung eigenen Wesens; so wird er zum Bejaher der Gegenwart als des ewigen Ausdrucks göttlichen Wesens und es wird ihm Leben Wirklichkeitsform des Göttlichen, die auch den Tod überwindet. Gott lebt im Menschen sein reichstes Leben. Hat Ekkehart die geistige Persönlichkeit als gotthaft erwiesen, so Böhme den naturhaft leiblichen Menschen. …

 Otto Maag, Jakob Böhme

Der komplette Beitrag über Jakob Böhme ist erschienen in: „Magische Blätter“ CI. Jahrgang, April 2020, Heft 3., S.189 – 200
Mehr hier: https://verlagmagischeblaetter.eu/

Sólo Dios basta – Gott nur genügt

Handschrift der Teresa von Ávila

 

Nichts soll dich verstören,
nichts dich erschrecken,
alles vergeht,

Gott ändert sich nicht.
Geduld
erlangt alles;

wer Gott hat,
dem fehlt nichts:
Gott nur genügt.

Teresa von Ávila (1515 – 1582)

Auf der Seite von Karmeliten findet sich nachfolgende, wichtige Unterscheidung zum „Sólo dios basta“:

Das „solo“ ist adverbial, nicht adjektivisch zu lesen. Es meint: erst Gott reicht aus, um wirklich Erfüllung zu schenken; hätte ich alles, was das Leben bieten kann, aber die Gemeinschaft mit Gott nicht – es wäre alles flach, leer, ungenügend, wie ein „Nichts“. Gerade die hier gemeinte Erkenntnis, dass erst Gott – also „Gott nur“ – dem Menschen entspricht, gibt allem Sinn und Wert, Tiefe und Größe: Die Liebe dieses Gottes und das Leben mit ihm ver­leihen den Dingen Schönheit, dem Nächsten Größe, der Freundschaft und Partnerschaft Tiefe und ewige Endlosigkeit …

https://www.karmelocd.de/geschichte-und-spiritualitaet/gott-nur-genuegt.html

Reden aus dem geformten Wort Gottes

 

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Denn dass der Mensch redet und verstehet, das kommt nicht aus den Sternen und Elementen, sonst könntens andere Creaturen auch: Es kommt dem Menschen aus dem eingeleibten, geformten Worte Gottes her.

Jacob Böhme (1575 – 1624) in: Mysterium Magnum, 36, 85, 1623

Gefunden habe ich diesen Gedanken von Böhme hier: https://www.nootheater.de/menu.html