Sich in sich selber sammeln

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So viele Wohnungen und Kammern im Haus des Menschen sind, ebenso viele Kräfte und Sinne und Wirksamkeiten sind in dem Menschen. In all diese kommt der Heilige Geist auf je besondere Art. Sobald er kommt, drückt, reisst und richtet er den Menschen aus und bearbeitet und erleuchtet ihn.
Aber diese Einkehr, diese Wirksamkeit, werden nicht alle Menschen in gleicher Weise gewahr; und wirklich wohnt er ja auch in allen guten Menschen. Doch wer sein Wirken empfinden soll, sein Dasein schmecken mag oder will, der muss sich in sich selber sammeln, sich von allen äußeren Dingen abschließen und dem Heiligen Geist eine Stätte einräumen, damit dieser in Ruhe und Stille sein Werk in ihm tun könne.

Johannes Tauler (1300 – 1361)

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Allmählich unsere Angst verlieren

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Wir haben Angst vor dem Tod,
wir haben Angst vor der Trennung,
wir haben Angst vor dem Nichts.

Wenn wir aber tief schauen,
erkennen wir den unaufhörlichen Wandel der Dinge
und verlieren allmählich unsere Angst.

Thich Nhat Hanh (*1926)

In allem will Gott Begegnung feiern

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Das eine ist mir so klar und spürbar wie selten:
Die Welt ist Gottes so voll.
Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen.
Wir aber sind oft blind.
Wir bleiben in den schönen und bösen Stunden hängen
und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt,
an dem sie aus Gott herausströmen.
Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend.
In allem will Gott Begegnung feiern
und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort.
Die Kunst und der Auftrag ist nur dieser, aus diesen Einsichten und Gnaden
dauerndes Bewusstsein und dauernde Haltung zu machen
und werden zu lassen.
Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir immer gesucht haben.

Alfred Delp (1907 – 1945) hat diese Zeilen am 17. November 1944 mit gefesselten Händen in seiner Zelle im Gefängnis Berlin-Tegel geschrieben. Gefunden habe ich den Text hier: http://www.sankt-peter-koeln.de/wp/veranstaltungen/elemente-ignatianischer-spiritualitat/

Die Dinge an ihren richtigen Platz setzen

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Alles ist euer Leben.
Tag und Nacht,
was immer euch begegnet,
ist euer Leben;

daher sollt ihr euer Leben
der Situation anpassen,
die euch im Augenblick begegnet.

Verwendet eure Lebenskraft dazu,
aus den Umständen, die auf euch zukommen,
eine Einheit mit eurem Leben zu gestalten
und die Dinge an ihren richtigen Platz zu setzen.

Dogen (1199-1253)

Eine Minute Stille für den Weltfrieden

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Von der Stille der Meditation geht eine ungeheure Kraft aus. In einer interreligiösen Gruppe, die der UN Vorschläge unterbreiten sollte, regte ich an, dass alle Mitglieder der Gruppe dem Weltfrieden jeden Mittag eine Minute der Stille widmen sollten. Können Sie sich vorstellen, dass die ganze Welt eine Minute lang innehält? Würde die ganze Welt regelmäßig jeden Tag eine Minute lang in Stille verweilen, so hätte dies wahrscheinlich eine positivere Auswirkung auf den Weltfrieden als zehn Jahre intensiver Friedensverhandlungen.

Die Stille der Meditation schafft Raum, eine besondere Art schöpferischer Leere. Diese Leere, die durch die Meditation entsteht, ist kein Mangel und auch kein Fehlen von irgend etwas, sondern ein Zustand der Offenheit, durch den Dinge überhaupt erst möglich werden. Sie gleicht dem leeren Raum in einer Tasse oder an der Nabe eines Rades. Eine volle Tasse kann nichts mehr aufnehmen, doch eine leere Tasse kann man mit verschiedenen Dingen füllen. Und ein Rad ohne Nabe für die Achse kann sich nicht drehen.
Dieser „leere“ Raum ist vollkommen wach und lebendig. Alle Formen und Energien der Welt gehen aus ihm hervor, so wie die Wolken im klaren blauen Himmel erscheinen.

Bernard Glassman (1939 – 2018) in: Anweisungen für den Koch. Lebensentwurf eines Zen-Meisters. 1999, S. 51

In Harmonie mit den zehntausend Dingen sein

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Den Weg studieren bedeutet, sich selbst studieren.
Sich selbst studieren bedeutet, sich selbst vergessen.
Sich selbst vergessen bedeutet, in Harmonie mit den zehntausend Dingen sein…

Die Spuren des Erwachens ruhen im Verborgenen, und die im
Verborgenen ruhenden Spuren des Erwachens entfalten sich
über einen langen Zeitraum.»

Dogen Zenji (1200 – 1253)

In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren

Der Holzschnittt soll Meister Eckhart bei einer Predigt zeigen…

In meiner Geburt wurden alle Dinge geboren, und ich war Ursache meiner selbst und aller Dinge, und wollte ich, so wäre ich nicht noch alle Dinge, und wäre ich nicht, so wäre Gott nicht.
Es ist nicht nötig, dies zu verstehen.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Von der Armut“

 

In diesem Sinne allen Leserinnen und Lesern gute Weihnachtstage!

Werner A. Krebber