Das Heil finden

Photo by Louis on Pexels.com

Es fragte einer den Altvater Antonios, was er tun müsse, um Gott zu gefallen. Der Greis gab ihm folgende Antwort: „Befolge, was ich dir auftrage! Wohin immer du gehst, habe überall Gott vor Augen. Was du auch tust, oder was du auch redest: für alles suche ein Zeugnis in den Heiligen Schriften. Wenn du dich an einem Orte niederläßt, dann entferne dich nicht leicht. Diese drei Dinge beobachte und du wirst das Heil finden.”

(Abbas Antonios, 3) in: Apophthegmata Patrum – Weisung der Väter. Übersetzung Bonifaz Miller. Trier 1986

Wie wir Dinge betrachten sollten

Photo by Wings Of Freedom on Pexels.com

Wie eine Sternschnuppe, ein Trugbild, eine Flamme, eines Magiers Zauberkunststück, einen Tautropfen, eine Luftblase, wie einen Traum, einen Blitz oder eine Wolke
– so solltet ihr alle Dinge betrachten.

Aus einer Unterweisung des Buddha.
Gefunden habe ich dieses Zitat in dem Buch „Glück“ von Matthieu Ricard. München 2009, S. 133

Gnosis nenn‘ ichs

Foto: (c) wak

Urprinzipium aller Dinge, erster Grund des Seins und Leben ist der Geist,

Zweites Wesen, ausgegossen von dem ersten Sohn des Geistes, ist das Chaos,

und das dritte, das von beiden Sein und Bildung hat empfangen, ist die Seele.

Und sie gleicht dem scheuen Wilde,

das gehetzt wird auf der Erde,

Von dem Tod, der seine Kräfte,

Unentwegt an ihr erprobt.

Ist sie heut im Reich des Lichtes,

Morgen ist sie schon im Elend,

Tief versenkt in Schmerz und Thränen,

Der Freude folgt die Thräne,

der Thräne folgt der Richter,

dem Richter folgt der Tod –

Und im Labyrinthe irrend, sucht vergebens sie den Ausweg.

Da sprach Jesus: „Schau, o Vater,

Auf dies heimgesuchte Wesen,

Wie es, fern von deinem Hauche,

Kummervoll auf Erden irret,

Will entfliehn dem bittren Chaos,

Aber weiß nicht, wo der Aufstieg.

Ihm zum Heile sende, Vater,

Mich, dass ich herniedersteige,

Mit den Siegeln in den Händen,

Die Äonen all durchschreite,

Die Mysterien all eröffne,

Götterwesen ihm entschleire,

Und des heilgen Wegs Geheimnis,

Gnosis nenn‘ ichs, ihm verkünde.“

Naassenischer Hymnus oder Naassenischer Psalm /120 – 140 u.Z.

Übersetzer Adolf von Harnack (1851 – 1930)

Gedanken in die Wolke des Vergessens bringen

Photo by Alex Conchillos on Pexels.com

Mühsam ist,
die Gedanken an die unzähligen Dinge,
die Gott geschaffen,
zu begraben,
sie unter die „Wolke des Vergessens“ zu bringen.

Das ist die mühsame Arbeit,
die wir zu leisten haben,
damit Gott in uns wirken kann.

Aus der „Wolke des Nichtwissens“ (14. Jahrhundert)

Lebendig im Herzen aller Dinge

Foto: (c) wak

Das Gesetz, sagte Jesus, ist das „Wort“.
Man findet es nicht in den Schriften.
Es ist lebendig im Herzen aller Dinge.
Sucht es nicht anderweit,
fügt er hinzu,
sucht es in euch selbst.

Frederic Lionel (1908 – 1999)

Wahrheit ist tot ohne den Weg zur Wahrheit

Photo by RODNAE Productions on Pexels.com

Wahrheiten, einst tief und machtvoll, von den größten Genies durch tiefes Leiden und unsägliches Mühen entdeckt, werden seicht und oberflächlich, sobald sie in die Diskussion des Alltags hineingezogen werden. Wie kommt es zu dieser Tragik? Sie ist unvermeidlich, weil es keine Tiefe geben kann ohne den Weg, der zur Tiefe führt. Wahrheit ist tot ohne den Weg zur Wahrheit; ohne ihn führt sie nur zur Oberfläche der Dinge.

Paul Tillich (1886 – 1965) in: Religiöse Reden. Berlin / New York 1987, S. 53

Suchender und Findender werden

Foto: (c) wak

…ich sprach in dieser Weise:
daß der Mensch ein Gott in allen Dingen suchender
und ein Gott zu aller Zeit
und an allen Stätten
und bei allen Leuten
in allen Weisen
findender Mensch werden müßte.
Darin kann man allzeit
ohne Unterlaß zunehmen und wachsen
und nimmer an ein Ende kommen des Zunehmens.

Meister Eckhart (1260 bis 1328) in „Reden der Unterweisung“, XXII

Zum Wesen der Dinge durchdringen

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. / Bild: Archiv

Wir sind gewohnt, wenn wir das Wesen der Dinge verstehen wollen, zu denken und sie auseinander zu nehmen sowie nach Gründen zu suchen. Dadurch kann man auch teilsweise zum Wesen der Dingen kommen und verstehen, was das eigentlich ist.
Aber nicht die Begriffe und Wörter abschaffen, sondern durch Begriffe und Wörter hindurch zum Wesen der Dinge durchdringen.
Durch Meditation kann man das lernen, aber es braucht viel Zeit.

Hugo Enomiya-Lassalle S.J. (1898 – 1990)

Joseph Beuys 100

Vierte Umschlagseite des Buches „Zeige deine Wunde Kunst und Spiritualität bei Joseph Beuys“ von Rüdiger Sünner

Hier zum Buch http://www.europa-verlag.com/buecher/zeige-deine-wunde/

Hier geht es zum Film: http://www.ruedigersuenner.de/Beuysfilm.html

Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=Vh6RUgKswYE

Alkohol und mystisches Bewusstsein

Foto: (c) wak

Die Herrschaft des Alkohols über die Menschen liegt zweifellos in seiner Macht, die mystischen Fähigkeiten der menschlichen Natur anzuregen, die gewöhnlich durch die kalte Wirklichkeit und die unerbittliche Kritik der nüchternen Stunden erstickt werden. Die Nüchternheit verengt, trennt, verneint. Trunkenheit weitet, eint, bejaht. Sie bildet in der Tat einen mächtigen Antrieb zur Bejahung im Menschen. Sie führt von der kalten Außenseite in das Herz der Dinge hinein; sie eint für den Augenblick mit der Wahrheit. Nicht aus reiner Verderbtheit gehen die Menschen ihr nach. Den Armen und Ungebildeten ersetzt sie Symphonie-Konzerte und literarische Genüsse. Das trunkene Bewusstsein ist also nur eine bestimmte — freilich pathologisch bedingte — Teilerscheinung des mystischen Bewusstseins.

William James (1842 – 1910) in: Die Religiöse Erfahrung in ihrer Mannigfaltigkeit. Leipzig 1907, S. 362-363

Mehr zu Alkohol und Spiritualität hier: https://alkoholundspirit.wordpress.com/