In den Grund des grundlosen Brunnens zurückfließen

Die Seele ist eine Kreatur, die alle genannten Dinge empfangen kann, und ungenannte Dinge kann sie nur empfangen, wenn sie so tief in Gott empfangen wird, dass sie selbst namenlos wird. Und das kann dann niemand wissen, ob Gott sie oder sie Gott ergriffen habe. Dionysius sagt, dass Gott sich selbst in ihr begriffen habe und sie so ganz in sich zieht, dass sie in sich selbst nichts mehr ist als Gott. Zu dieser Erkenntnis ist die Seele geschaffen, dass sie mit einem Erguss göttlicher Herrlichkeit in den Grund des grundlosen Brunnens zurückfließen soll, woher sie geflossen ist, und erkennen soll, dass sie an sich selbst nichts ist. Das Wahrste, das uns zugehört, das ist, dass wir erkennen, dass wir von uns selbst aus nichts sind und dass wir nicht wir selbst sind.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Eingehen in den grundlosen Grund

All unsere Vollkommenheit und all unsere Seligkeit liegt darin, dass der Mensch alle Geschaffenheit und alle Zeitlichkeit durchschreitet und überschreitet und in den Grund eingeht, der grundlos ist.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Dein Ursprung ist in dir selbst

Es genügt, dass man sich ausliefert.
Sich auszuliefern heißt, dass man sich dem Grund des eigenen Seins übergibt.
Lass dich nicht von dem Wahn blenden, dieser Grund sei irgendein äußerer Gott.
Dein Ursprung ist in dir selbst.
Ergib dich ihm.
Das bedeutet, dass du den Ursprung suchen und mit ihm eins werden musst.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Gott gebiert seinen Sohn im Grunde der Seele

gottesgeburtFoto: © wak

Wie gebiert Gottvater seinen Sohn in der Seele? Wie die Kreaturen tun, in Bildern und in Gleichnissen? Wahrlich, nein!, sondern: Ganz in der Weise, wie er in der Ewigkeit gebiert, nicht minder und nicht mehr. Ja freilich, wie gebiert er da? Merket auf. Seht, Gottvater hat eine vollkommene Einsicht in sich selbst und ein abgründliches Durchkennen seiner selbst, ohne jedes Bild. Und so gebiert Gottvater seinen Sohn in wahrer Einsicht göttlicher Natur. Seht, in derselben Weise und in keiner andern gebiert Gott der Vater seinen Sohn im Grunde der Seele und in ihrem Wesen und vereinigt sich also mit ihr. Denn wäre da irgendein Bild, so wäre keine wahre Einheit da, und an der wahren Einheit liegt all ihre Seelheit und Seligkeit.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

 

Allen Leserinnen und Lesern von „mystikatuell“ friedvolle Weihnachtstage!

Werner Anahata Krebber