In der Ruhe findest du dich selbst

Ein Mönch wurde von Fremden gefragt, warum er ein Leben in der Abgeschiedenheit führe. Er saß gerade am Rand eines Brunnens und hatte einen Eimer Wasser geschöpft. Er bat die Fremden in den Brunnen zu sehen und zu beschreiben was sie erkennen können. Sie blickten in den Brunnen und konnten nichts sehen. Nach einer Weile bat er sie abermals in den Brunnen zu sehen und sie sagten: „Wir können uns selbst sehen!“ „So ist es mit der Stille“ sagte der Mönch. „Wenn alles zur Ruhe gekommen ist, findest du dich selbst.“

Verfasser unbekannt

Das Wesen der Dinge erkennen

Bild: wikimedia/gemeinfrei

Das Wesen der Dinge, also auch sein eigenes, zu erkennen, ist die Hauptaufgabe des magischen Wissens. Wer dieses erlangt hat, wird die Naturkräfte zum Heile der Menschheit gebrauchen. Er wird auch helfend die Natur unterstützen, wo sie von selbst nicht genug zur Wirkung gelangen kann, er wird das Chaotische in ihr formen und bilden, indem er ihr seinen eigenen Charakter aufdrückt. Denn der Mensch ist, obwohl er Natur ist, weiter als sie, ist gesteigerte Natur durch die Kraft des göttlichen Geistes, der in ihm lebt. So ist Magie im Sinne Hohenheims ein inniges Versenken in die Natur, ein aktives Schauen und Erkennen, das nichts mit dem Volksaberglauben zu tun hat, ein Versenktsein, das aber noch Kraft zum Handeln und zum Gestalten des Geschauten hat, kurz gesagt, eine dynamische Theologie der Natur.

Franz Spunda (1890 – 1963) in:  Das Weltbild des Paracelsus, Wien 1925

 

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

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Heiligung ist Sehen – der Heilige ist Seher

Foto: © wak

Heiligung ist „Sehen“, der Heilige ist Seher. Diesen Tatbestand, der seinen inneren Beruf zum Schauen des Ewigen in Welt wie Seele beweist, der (gegen die Ablehnung des Faustischen durch die Reformation) eben solche Artung als die seine erhärtet, sucht er zu deuten. Seele und Welt, Selbsterkenntnis und Erkennen des Alls sind ein und dasselbe, nur in der Form verschieden. Indem er sorgend in frommer Be obachtung und Pflege seine Seele zu suchen wähnt, findet er die große Frage und das Wissen: „wie alle Wesen aus einem einigen Mysterio urständen und wie sich dasselbe Mysterium von Ewigkeit immer in sich selber erbäre, wie das Gute ins Böse und das Böse ins Gute verwandelt werde“. Böhme sieht und lebt kosmisch – auch das Persönlich-Menschliche. Das religiöse Interesse umgreift nicht mehr nur Seele und Menschheit, umgreift das All und bettet das Persönliche und Menschliche darin ein.

Paul Hankamer (1891 – 1945) in der „Einführung zu ‚Das Böhme-Lesebuch‘“

Der vollständige Text ist hier zu lesen:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 10 | November 2020
TITELTHEMA: JACOB BÖHME

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Kein Entrinnen vor uns selbst

Foto: © wak

 

Wir sind hier; weil es letztlich kein Entrinnen vor uns selbst gibt.
Solange der Mensch sich nicht selbst in den Augen und Herzen seiner Mitmenschen begegnet, ist er auf der Flucht.
Solange er nicht zulässt, dass seine Mitmenschen an seinem Innersten teilhaben, gibt es für ihn keine Geborgenheit.
Solange er sich fürchtet, durchschaut zu werden, kann er weder sich noch andere erkennen – er wird allein sein.

Wo können wir solch einen Spiegel finden, wenn nicht in unseren Nächsten?

Hier in der Gemeinschaft kann ein Mensch erst richtig klar über sich werden und sich nicht mehr als den Riesen seiner Träume oder den Zwerg seiner Ängste sehen, sondern als Mensch, der – Teil eines Ganzen – zu ihrem Wohl seinen Beitrag leistet.
In solchem Boden können wir Wurzeln schlagen und wachsen; nicht mehr allein – wie im Tod – sondern lebendig als Mensch unter Menschen.

Richard Beauvais (1964)

 

Mehr zu Sucht und Spiritualität hier: https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Uns mit seiner Fülle erfüllen

Thomas Merton | Bild: Archiv

Damit wir Gott zu erkennen und zu lieben vermögen, wie er ist, muss er auf eine neue Art in uns wohnen, nicht nur in seiner Schöpferkraft, sondern auch in seiner Erbarmung, nicht nur in seiner Größe, sondern auch in seiner Klarheit, durch die er sich leer macht und zu uns hinuntersteigt, um in unserer Leere leer zu sein und uns so mit seiner Fülle zu erfüllen. So überbrückt Gott den unendlichen Abstand zwischen sich und den Geistwesen, die geschaffen sind, ihn zu lieben, durch übernatürliche Mitteilung seines eigenen Lebens. Der Vater, der in der Tiefe aller Dinge und in meinen eigenen Tiefen wohnt, teilt mir sein Wort und seinen Geist mit, und in dieser Teilnahme werde ich in sein eigenes Leben einbezogen und erkenne Gott in seiner Liebe.

Thomas Merton (1915 – 1968) in: Verheißungen der Stille. Luzern-Stuttgart 1963

 

Allhier ist Gott im Geist eins

 

Foto: © wak

Ein großer Meister sagt, sein Münden stünde höher als sein Entspringen. Als ich aus Gott entsprang, da sprachen alle Dinge: Gott ist (da). Nun kann mich das nicht selig machen, denn hier erkenne ich als Kreatur; dagegen in dem Münden, wo ich ledig stehen will im Willen Gottes und ledig stehen des Willens Gottes und aller seiner Werke und Gottes selbst, da bin ich über allen Kreaturen und bin weder Gott noch Kreatur, sondern ich bin was ich war und was ich bleiben soll jetzt und immerdar. Da erhalte ich einen Ruck, der mich über alle Engel schwingen soll. Von diesem Ruck empfange ich so reiche Fülle, dass mir Gott nicht genug sein kann mit alledem, was er Gott ist, mit all seinen göttlichen Werken, denn mir wird in diesem Münden zuteil, dass ich und Gott eins sind. Da bin ich was ich war, und da nehme ich weder ab noch zu, denn ich bin da eine unbewegliche Ur-Sache, die alle Dinge bewegt. Allhier findet Gott keine Stätte im Menschen, denn der Mensch erlangt mit seiner Armut, was (dass) er ewiglich gewesen ist und immer bleiben soll. Allhier ist Gott im Geist eins, und das ist die tiefste Armut, die man finden kann.

Meister Eckharts mystische Schriften. In unsere Sprache übertragen von Gustav Landauer. München 21920, S 73 – 74 (In Klammern Textversion der ersten Auflage 1903. Die zweite Ausgabe wurde  von Martin Buber bearbeitet und neu herausgegeben)

Ich bin in allem und alles ist in mir

Hazrat Inayat Khan | Foto: Archiv

 

Ich habe gut und böse gekannt,
Sünde und Tugend, Recht und Unrecht;
Ich habe gerichtet und bin gerichtet worden;
ich bin durch Geburt und Tod gegangen,
Freude und Leid, Himmel und Hölle;
und am Ende erkannte ich,
dass ich in allem bin und alles in mir ist.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Feenhafter Palast in einzigem Grashalm

Foto: © wak

Wenn du Satori hast, so bist du imstande, einen feenhaften Palast, der aus kostbarem Stein gebaut ist, in einem einzigen Grashalm zu erkennen; aber wenn du Satori noch nicht erreicht hast, so kann ein einfacher Grashalm selbst ein palastartiges Gebäude deinem Blick entziehen.

Lama Anagarika Govinda in: Schöpferische Meditation und Multidimensionales Bewusstsein, 185 – 189, Aurum-Verlag, Breisgau, 1977

 Den vollständigen Artikel „Das Problem von Subjekt und Objekt“ von Lama Anagarika Govinda kann man hier nachlesen:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

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Ein wirklicher Künstler erkennt das Packende

 

Die Wissenden, die Erkennenden, die vielseitig Gebildeten müssen die Initiative des Lehrens ergreifen. Und da, wie wir gesehen haben, das Reden mit den Künstlern nicht hilft und sie das Geschriebene nicht lesen, so muss man zur Anschauung greifen.

Mag einer noch so verrannt in eine Manier sein, sei das Plein-air oder Symbolismus oder Impressionismus oder Empirestil: ein wirklicher Künstler, und es giebt deren, Gott sei Dank, viele, erkennt doch sofort das Starke, das überzeugend Packende in einer Arbeit, und mag sie aus der Steinzeit datieren oder aus den sechziger Jahren, und durch das Hineinleuchten in das Dunkle einer zu grossen Einseitigkeit können manche Grillen aufgescheucht werden.

Hermann Obrist, Warum über die Kunst schreiben?

Zuerst erschienen in: Dekorative Kunst, Zeitschrift für angewandte Kunst III. Jahrgang No 5,
Verlagsanstalt F. Bruckmann AG München Februar 1900

Der vollständige Text erschien hier:

MAGISCHE BLÄTTER
CI. JAHRGANG HERBST 2020
3. Quartalsausgabe August, September, Oktober, gebunden
ISBN.Nr. 978 -3-948594-03-9

HEFT 7 | August 2020 | TITELTHEMA: KUNST

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