Der Zweck des Lebens

Inayat Khan / Foto: Archiv

 

Wenn das Studium von Religion und Mystik
nicht zu wahrer Freude führt,
dann kann es gerade so gut unterbleiben,
denn dann hilft es nicht,
den Zweck des Lebens zu erfüllen.

Inayat Khan (1882 – 1927) in: Die Schale von Saki

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Ich folge der Religion der Liebe

Foto: © wak

 

Mein Herz ist
für jede „Form“
aufnahmefähig geworden;
ist Gazellenweide und Kloster für Mönche;
Götzentempel und die Kabah der Pilger,
Tafeln der Torah und das Buch des Qurans.
Ich folge der Religion der Liebe,
wohin auch immer ihr Reittier zieht;
denn das ist meine Religion und mein Glaube.

ibn Arabi (1165 – 1240)

Tanz: Brücke zwischen Himmel und Erde

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Die Magie des heiligen oder sakralen Tanzes baut eine Brücke zwischen Himmel und Erde. Wenn man sie sich in einem Flammenkreis vorstellt, versinnbildlicht sie das Dasein, das, wenn aufgehoben, im Leben mündet.
So führt zum Beispiel der Tanz der Derwische in kreisartiger Bewegung von der Peripherie zum Zentrum, also zum Wesen des spirituellen Daseins, in einem Wort: zur Brücke.
Der Tanz überträgt auf seine Weise die geheimnisvollen Werte der Religionen, weshalb man behauptete, er sei göttlichen Ursprungs. Er ist die Sprache des Unbewussten und drückt Werte aus die sich im tiefsten Grunde des Wesens verbergen.
Durch den Tanz offenbart sich die Poesie des Rhythmus, denn die Poesie ist eine Gabe des Lebens. Kriegerisch, kraftvoll, erotisch, mystisch versucht der Tanz auszudrücken, dass Energien auf allen Ebenen des Universums schwingen. Er übermittelt eine Boschaft, die erhebt, weil sie Botschaft der Harmonie ist.

Frédéric Lionel (1908 – 1999)

 

Erfahrung, dass alles heilig ist

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Eine Fokussierung auf die Wahrheit der Mystik bedeutet somit keine Infragestellung von Religion, vielmehr ermöglicht sie eine Neubelebung religiöser Weltdeutung. Die Aufhebung der Grenzen zwischen Mensch und Gott, Kosmos und Transzendenz, muss keineswegs Säkularisierung bedeuten; Sie kann im Gegenteil zu der Erfahrung führen, dass alles heilig ist — eine Erfahrung, die glücklicherweise nicht legendären Gestalten wie etwa dem indischen Mystiker Ramakrishna vorbehalten ist, sondern heute von zahlreichen Menschen gemacht wird.

Joseph Campbell (1904 – 1987) in: Reflections on the Art of Living

Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis

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Alle echten Religionen in ihrem Reinheitszustande, alle wirklich Wissenden meinten geistige Erkenntnis. Taoismus meinte Erkenntnis durch selbstlos unbeschwerte Übereinstimmung mit dem Ganzen. Buddhismus meinte Erkenntnis durch Erbarmen und Loslösung. Christentum meinte Erkenntis durch das dank der Liebe in der Seele erwachte Himmelreich. Die Apolloniker Sokrates und Platon meinten Erkenntnis durch Schönheit und Güte. Die Kabbalisten und Chassidim meinten Erkenntnis durch Betrachtung und anbetende Bewunderung der Hypostasen oder Eigenschaften Gottes. Bo Yin Ra lehrte liebende Erkenntis durch richtige Vorstellungen, Selbstvertrauen und entsprechende Lebensführung. So machte er dem Erdenmenschen den eigenen Lebensgrund erfahrbar, als Religion an sich. Alle meinen das gleiche: Erlösung durch das Liebesfeuer der Erkenntnis.

Rudolf Schott in seinem Vortrag Symbolform und Wirklichkeit in den Bildern des Malers Bo yin Ra, gehalten am 6. Juli 1957 in Darmstadt

White Zone

Installation von Daniel Pesta in der Ausstellung Bilder.Macht.Religion  Video © wak

Mehr hier:

http://www.kunstmuseumbochum.de/ausstellung-veranstaltung/details/bild-macht-religion-kunst-zwischen-verehrung-verbot-und-vernichtung/

Immer schon da

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Das, was man christliche Religion nennt,
war bei den Menschen des Altertums vorhanden
und immer schon da
vom Anfang des Menschengeschlechts
bis zum leibhaftigen Erscheinen Christi.

Augustinus (354 – 430) in „De Vera Religione“, 10