Beziehungen zwischen Kunst und Mystik

(JACOB BÖHME – MORGENRÖTE IM AUFGANG, 1612, KAPITEL 22, 52-65)

Der 1920 in Görlitz gegründete Jakob-Böhme-Bund war eine Künstlerkooperation, die bewusst mystischem Erleben Ausdruck verleihen wollte, unabhängig von expressionistischen oder anderen zeitgenössischen Kunstbewegungen. Ziel des Bundes war es, die Beziehungen zwischen Kunst und Mystik zu finden und den lebendigen Geist des Visionärs und Metaphysikers Jacob Böhme (1575-1624) in die Zeit der 20er Jahre wirken zu lassen, um die Grundlagen einer Kunst zu schaffen, die Joseph Anton Schneiderfranken / Bô Yin Râ übergreifend als „Sakralkunst“ bezeichnet.

2020, hundert Jahre später, wird der neue Jacob Böhme Bund für die Dauer von vier Jahren neu gegründet.

Das Plakat zu 100 Jahre Jakob-Böhme-Bund  kann zum Preis von  5,00 € hier bestellt werden: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

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Sehnsucht nach der Einheit von Diesseits und Jenseits

Foto: © wak

Der Mystiker aber liebt diese Welt, liebt den Nächsten, tut alles für ihn, aber schon nicht mehr um Lohn, nicht um Dankbarkeitserweise zu erhalten. Er tut umsonst, er weiß nicht einmal, daß er es tut. Es freut ihn, wenn der andere sich freut, daß er für ihn da ist, ohne es zu wissen. Es bedeutet eine Sanftmut, eine Liebe zur Welt, zu den Menschen, und nicht nur zum „Nächsten“, wie man sagt; jeder Mensch ist „der Nächste“, jedes Tier, jede Pflanze. Es ist die Sehnsucht nach anderen Welten, die Sehnsucht nach der großen Einheit von Diesseits und Jenseits, Erde und Himmel, wo alle Generationen in einem da sind, alle deine Wünsche, deine Gedanken, deine Hoffnungen erfüllt sind. Wenn du dich danach sehnst, kann der Weg beginnen.

Friedrich Weinreb (1910 – 1988)

Die Wahre Natur ist immer Eins

Die Menschen schauen nicht auf ihre Wahre Natur, die immer Eins ist, und deswegen glauben sie, besser zu sein als ihre Mitmenschen, und sind daher ständig eifersüchtig auf alle anderen. Die Menschen lesen wenig Wertvolles, zerstreuen sich, meditieren weder regelmäßig, noch gehen sie die Neun Stufen des Weges. Daher können sie auch nicht das Wesentliche vom Unwesentlichen unterscheiden.

Padmasambhava (8./9. Jahrhundert u.Z.)

Niemand hält uns davon ab glücklich zu leben

Foto: © wak

Es ist nicht jemand anderer, der uns davon abhält, glücklich zu leben; wir selbst wissen nicht, was wir wollen. Statt das zuzugeben, tun wir so, als halte uns jemand anderer davon ab, unsere Freiheit auszuüben. Wer ist das? Das sind wir selbst.

Thomas Merton (1915 – 1968)

Wo die Liebe zu Gott hinführt

Hazrat Inayat Khan / wikimedia – gemeinfrei

Wohin führt die Liebe zu Gott?
Sie führt zu dem Frieden und der Stille,
die im Leben des Baumes wahrzunehmen sind:
Er trägt Blüten und Früchte für andere
und erwartet keine Belohnung.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Zu Gott und anderen Seelen erweitert

Foto: © wak

Das spirituelle Leben eines Individuums
muss vertikal zu Gott erweitert werden
und horizontal zu anderen Seelen.

Und je mehr es in beiden Richtungen wächst,
desto weniger wird es individuell
und damit wahrhaft persönlich werden.

Evelyn Underhill (1875-1941)

Frieden, Peace, Pace, Paix, Pax…

Text der Wandtafel im Vestibül des Raumes der Stille im Brandenburger Tor, Berlin

 

Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes, den sie bei Gott haben sollten. (Römer 3,23)

Darum beten wir:

Den Hass, der Rasse von Rasse trennt, Volk von Volk, Klasse von Klasse,
Vater, vergib.

Das Streben der Menschen und Völker zu besitzen, was nicht ihr eigen ist,
Vater, vergib.

Die Besitzgier, die die Arbeit der Menschen ausnutzt und die Erde verwüstet,
Vater, vergib.

Unseren Neid auf das Wohlergehen und Glück der anderen,
Vater, vergib.

Unsere mangelnde Teilnahme an der Not der Gefangenen, Heimatlosen und Flüchtlinge,
Vater, vergib.

Die Gier, die Frauen, Männer und Kinder entwürdigt und an Leib und Seele missbraucht,
Vater, vergib.

Den Hochmut, der uns verleitet, auf uns selbst zu vertrauen und nicht auf Gott,
Vater, vergib.

Seid untereinander freundlich, herzlich und vergebet einer dem anderen, gleichwie Gott euch vergeben hat in Jesus Christus. (Epheser 4,32)

AMEN

 

Nach der Zerstörung der Kathedrale von Coventry (Großbritannien) am 14./15.November 1940 durch deutsche Bombenangriffe ließ der damalige Dompropst Richard Howard die Worte „Vater vergib“ in die Chorwand der Ruine meißeln.

Diese Worte bestimmen das Versöhnungsgebet von Coventry, das die Aufgabe der Versöhnung in der weltweiten Christenheit umschreibt. Das Gebet wurde 1958 formuliert und wird seitdem an jedem Freitagmittag um 12 Uhr im Chorraum der Ruine der alten Kathedrale in Coventry und in vielen Nagelkreuzzentren der Welt gebetet.

Mehr Informationen dazu hier: http://nagelkreuz.org/versoehnung/versoehnungsgebet