Such mich nirgends als in dir

Peter Paul Rubens stellte Teresa von Avila so dar / Quelle: wikimedia

Such mich nicht in weiter Ferne,
Da ich dir doch allzeit nahe!
Mir genügt dein Sehnsuchtsruf,
Und schon hast du mich gefunden.
Such mich nirgends als in dir!

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Standort der Wahrheit

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„Worin hat denn die Wahrheit ihren Standort?“ —
„Im Herzen“, so sprach er, „denn durch das Herz
erkennt man die Wahrheit;
im Herzen also hat die Wahrheit ihren Standort.“

Sechzig Upanishad’s des Veda. Übersetzung von Paul Deussen. Leipzig 1897, S. 454

Auf der Suche nach der Wahrheit

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Wir müssen sie beide lieben,
diejenigen, deren Meinung wir teilen
und die, deren Meinung wir ablehnen.

Denn beide haben sich abgemüht
auf der Suche nach der Wahrheit
und beide haben uns geholfen,
sie zu finden.

Thomas von Aquin (1225 – 1274)

Gefunden habe ich das Zitat in dem 1966 erschienenen Buch von Thomas Merton (1915 – 1968) „Conjectures of a Guilty Bystander“

… lauf in den Frieden

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Sein ist Leben, Aktivität, Geburt, Erneuerung, Ausfließen, Verströmen, Produktivität. In diesem Sinn ist es das Gegenteil von Haben, von Ichbindung und Egoismus. Sein im Sinne Eckharts heißt aktiv sein im klassischen Sinn, als produktiver Ausdruck der dem Menschen eigenen Kräfte, es heißt nicht „geschäftig“ sein im modernen Sinn. Aktivität bedeutet bei ihm „aus sich selbst ausgehen“ (Quint DPT 6)*, was er in vielen Bildern beschreibt: Er nennt Sein einen Vorgang des „Kochens“, des „Sich-selbst-Gebärens“, etwas, das „in sich selbst und über sich selbst verfließt“… Manchmal benützt er das Symbol des Laufens, um den aktiven Charakter zu beschreiben: „… lauf in den Frieden! Der Mensch, der sich im Laufen und in beständigem Laufen befindet, und zwar in den Frieden, der ist ein himmlischer Mensch. Der Himmel läuft beständig um, und im Laufe sucht er Frieden“. (Quint DPT 8)

Erich Fromm (1900 – 1980) in: „Haben oder Sein“. Die seelischen Grundlagen einer neuen Gesellschaft. Stuttgart 1976, S. 69 – 70 /

* Josef Quint (Hg.), Meister Eckhart. Deutsche Predigten und Traktate. München 1963

Die Gedanken nicht hindern aber…

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Ein Bruder kam zum Altvater Poimen und sagte: „Vater, ich habe vielerlei Gedanken und komme durch sie in Gefahr.“ Der Altvater führte ihn ins Freie und sagte zu ihm: „Breite dein Obergewand aus und halte die Winde auf!“ Er antwortete: „Das kann ich nicht!“ Da sagte der Greis zu ihm: „Wenn du das nicht kannst, dann kannst du auch deine Gedanken nicht hindern, zu dir zu kommen. Aber es ist deine Aufgabe, ihnen zu widerstehen.

Bonifaz Miller: Weisung der Väter. Apophtegmata Patrum, Freiburg 4. Auflage 1998, Ausspruch 602

In Gelassenheit wonnigliche Frucht

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Das Pferd macht den Mist in den Stall, und obgleich der Mist Unsauberkeit und üblen Geruch an sich hat, so zieht doch dasselbe Pferd denselben Mist mit großer Mühe auf das Feld; und daraus wächst der edle schöne Weizen und der edle süße Wein, der niemals so wüchse, wäre der Mist nicht da. Nun, dein Mist, das sind deine eigenen Mängel, die du nicht beseitigen, nicht überwinden noch ablegen kannst; die trage mit Mühe und Fleiß auf den Acker des liebreichen Willens Gottes in rechter Gelassenheit deiner selbst. Streue deinen Mist auf dieses edle Feld; daraus sprießt ohne allen Zweifel in demütiger Gelassenheit edle, wonnigliche Frucht auf.

Johannes Tauler (1300 – 1361) In: Georg Hofmann (Hg.): Johannes Tauler Predigten. Freiburg/Basel/Wien 1961, S. 43 – 44

Spiritueller Autismus

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Wir sprechen nur mit uns selbst.
Wir sprechen nicht mit den Flüssen,
wir lauschen nicht dem Wind und den Sternen.
Wir haben das große Gespräch abgebrochen.
Mit dem Abbruch dieses Gesprächs
haben wir das Universum zertrümmert.
All die Katastrophen,
die sich gerade ereignen,
sind eine Folge dieses spirituellen Autismus.

Thomas Berry, C.P. (1914 – 2009)

Heilsame Theologie

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Wenn Ihr Lust habt, eine lautere und der alten ganz gleiche Gottesgelahrtheit zu lesen, die in deutscher Sprache geschrieben, so könnt Ihr euch die Predigten Johann Tauler’s, des Prediger Ordens schaffen. Ich habe weder in der lateinischen noch deutschen Sprache eine heilsamere Theologie gesehen, die mit dem Evangelio besser übereinkäme.

Martin Luther (1483 – 1546) über Johannes Tauler, zitiert in der Einleitung zu Heinrich Seuse, Das Büchlein von der ewigen Weisheit durch Heinrich Suso. Leipzig 1872

Unsere Seele macht beständig Lärm…

Simone Weil ~ Bild: Archiv

Unsere Seele macht beständig Lärm, aber es gibt einen Punkt in ihr, der Schweigen ist und den wir niemals vernehmen. Wenn das Schweigen Gottes Eingang findet in unsere Seele, sie durchdringt und dort sich jenem Schweigen verbindet, das heimlich in uns gegenwärtig ist, dann haben wir hinfort in Gott unseren Schatz und unser Herz; und der Raum öffnet sich uns wie ein Frucht, die sich teilt, denn wir sehen das Universum von einem Punkt, der außerhalb des Raumes gelegen ist.

Simone Weil (1909 – 1943)