Großes Erbarmen

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Für den Weisen ist jenseits aller Gegensätze alles eins mit dem Absoluten. Wer das verwirklicht hat, der hat nicht mehr unterscheidendes Bewusstsein, sondern höchste Erkenntnis, in der er nicht mehr die Kreaturen schaut, sondern nur noch den Buddha, der in jedem Wesen ist; er schaut nicht mehr die Dinge, sondern nur noch die höchste Wahrheit. Aus seinem Herzen fließt das Große Erbarmen.

Milarepa (1052-1135)

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Alles was in der Gottheit ist ist eins

 

Als ich in dem Grunde, in dem Boden in dem Fluss und in der Quelle der Gottheit stand, da fragte mich niemand, wohin ich wollte oder was ich täte: Da war niemand, der mich fragte. Als ich floss, da sprachen alle Kreaturen Gott. Fragte man mich: Bruder Eckhart, wann gingt Ihr aus dem Hause? Da war ich drinnen. So sprechen alle Kreaturen von Gott. Und warum sprechen sie nichts von der Gottheit? Alles, was in der Gottheit ist, ist eins, und davon ist nichts zu sprechen.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in seiner Predigt „Von unsagbaren Dingen“. Erschienen in: Meister Eckharts mystische Schriften Aus dem Mittelhochdeutschen in unsere Sprache übertragen von Gustav Landauer Berlin 1903

Wenn die Liebe zu ihrem Urquell zurückströmt

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Die Liebe ist für sich selbst genug, sie gefällt sich selbst und um ihrer selbst willen. Sie ist sich selbst Verdienst, sich selbst der Lohn. Die Liebe sucht außer sich keinen anderen Grund, erstrebt keinen anderen Gewinn. Ihr Genuß ist ihr Gewinn. Ich liebe, weil ich liebe, ich liebe, um zu lieben.

Es ist etwas Großes um die Liebe, wenn sie zu ihrem Uranfang zurückkehrt, wenn sie sich ihrem Ursprung wieder schenkt, wenn sie zu ihrem Urquell zurückströmt, um von dem Brunnen zu schöpfen, von dessen Wassern sie immerzu fließt.

Bernhard von Clairvaux (1090 – 1153)

Nicht länger an anderen Quellen stehlen

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Du trinkst aus hundert Quellen,
und wenn eine von ihnen
mal weniger reich fließt,
ist deine Lust gemindert.
Beginnt aber die höchste aller Quellen
in dir selbst zu sprudeln,
so brauchst du nicht länger
an den anderen Quellen zu stehlen.

Dschalal ad-Din Muhammad Rumi (1207-1273)

Mystikos – ein Versuch

Gottes Natur
sein Wesen
und seine Gottheit
hängt daran,
dass er in der Seele
wirken muss.
Meister Eckhart, Von unsagbaren Dingen

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mystikos:
verborgen und geheimnisvoll
und auch
undurchschaubar und unerklärbar.

Sich
und sein Selbst
verschließen.
Nicht nur die Augen.

myein ist mein ganzes Herz.

Hinein
in den Hortus Conclusus
in den verschlossenen Garten.
Leben lernen
aus der Quelle schöpfen
um den Brunnen überfliessen zu lassen.

Und dann:
Hinaus
mitten in diese Welt,
die sie braucht
die misericordia,
die Barmherzigkeit

die nicht gelingen kann
ohne zuvor
sich und sein Selbst
zu verschließen.

w.a.k.

 

Dieser Text ist zuerst hier erschienen: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2015/01/08/mystikos-versuch-von-wak/