Es wird weder Kommen noch Gehen geben

Fotographik © wak

 

Der erhabene Weg ist in seinem Wesen großmütig.
Er ist weder schwierig noch leicht.
Aber jene mit begrenztem Blick
sind furchtsam und unentschlossen.
Je schneller sie eilen, desto langsamer kommen sie voran.
Und das Anhaften und Greifen
ist nicht auf bestimmte Bereiche begrenzt.
Selbst das Anhaften an die Idee der Erleuchtung
lässt in die Irre gehen.
Lass einfach die Dinge ihren eigenen Weg gehen,
und es wird weder Kommen noch Gehen geben.

Sosan (um 600) in: Shinjinmei – Verse über das Vertrauen in den einen Geist

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In sein lauteres Nichts sinken

 

Foto: © wak

 

Wenn der Mensch in der Übung der inneren Einkehr steht,
hat das menschliche Ich für sich selbst nichts.
Das Ich hätte gerne etwas
und es wüsste gerne etwas
und es wollte gerne etwas.

Bis dieses dreifache Etwas in ihm stirbt,
kommt es den Menschen gar sauer an.

Das geht nicht an einem Tag und auch nicht in kurzer Zeit.
Man muss dabei aushalten,
dann wird es zuletzt leicht und lustvoll.

Soll Gott sprechen,
so musst du schweigen,
soll Gott eingehen,
so müssen alle Dinge ihm den Platz räumen.

Du sollst dieses tiefe Schweigen oft und oft in dir haben
und es dir zur Gewohnheit werden lassen,
so dass es durch Gewohnheit ein fester Besitz in dir werde.

Der Mensch muss alles lassen,
dieses Lassens selbst noch ledig werden,
es lassen, es für nichts halten
und in sein lauteres Nichts sinken

Johannes Tauler (1300 – 1361)

Aus dem Menschen selbst entstehen und verschwinden

Nicht näher bezeichnete Skulptur von Milarepa     Fotos: © wakBild und Texttafel in der Ausstellung „Der Berg ruft“ im Oberhausener Gasometer

Kleine Taten nicht unterschätzen

Nimm kleine Fehltritte nicht auf die leichte Schulter,
glaubend, sie könnten dir nicht schaden:
Selbst ein kleiner Feuerfunken kann einen Berg aus Heu in Brand setzen.

Unterschätze nie die kleinen heilsamen Taten,
indem du glaubst, sie helfen nicht:
Auch Wassertropfen füllen
– einer nach dem anderen –
einen riesigen Topf.

Patrul Rinpoche (1808–1887)