Selbst gute Gärtner werden

Teresa von Avila / Foto: © wak

 

Wer mit dem geistlichen Leben beginnt, ist wie jemand, der einen Garten anlegen will, damit sich der Herr darin ergehen kann. Sein Grundstück ist wild und voller Unkraut. Seine Majestät selbst rodet es und setzt schöne Pflanzen ein. Dann aber müssen wir uns bemühen, mit der Hilfe Gottes selbst gute Gärtner zu werden und die Pflanzen regelmäßig begießen, damit sie nicht vertrocknen, sondern wachsen, blühen und herrlich duften, damit sich unser Herr daran erfreue. So wird er oft in unseren Garten kommen und sich zwischen den Blumen der Tugend ergehen.

Überlegen wir nun, wie wir den Garten bewässern können. Ich meine, da gibt es vier Arten:
Erstens kann man das Wasser in einem Gefäß selbst aus dem Brunnen emporziehen, was eine große Mühe ist.
Zweitens kann man sich eines Schöpfrades bedienen, wie ich es manchmal tat; das ist schon weniger anstrengend, und man hat mehr Wasser.
Drittens kann man es aus einen Fluß oder Bach ableiten; das ist sehr viel wirkungsvoller, denn die Erde wird besser durchtränkt, und man muß nicht zu häufig bewässern, so daß dem Gärtner viel Arbeit abgenommen ist.
Viertens, wir müssen überhaupt nichts mehr tun, weil der Herr es kräftig regnen läßt; und das ist unvergleichlich viel besser als alles Vorhergenannte.

Teresa von Avila (1515 – 1582)

Leer werden

Foto: © wak

Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich fassen. Soll es Wein enthalten, so muß man notgedrungen das Wasser ausgießen; das Gefäß muß leer und ledig werden. Darum: sollst du göttliche Freude und Gott aufnehmen, so mußt du notwendig die Kreaturen ausgießen. Sankt Augustinus sagt: “Gieß aus, auf dass du erfüllt werdest. Lerne nicht lieben, auf dass du lieben lernst. Kehre dich ab, auf dass du zugekehrt werdest.” Kurz gesagt: Alles, was aufnehmen und empfänglich sein soll, das soll und muß leer sein. Die Meister sagen: Hätte das Auge irgendwelche Farbe in sich, wenn es wahrnimmt, so würde es weder die Farbe, die es hätte, noch eine solche, die es nicht hätte, wahrnehmen; weil es aber aller Farben bloß ist, deshalb erkennt es alle Farben.

Meister Eckhart (1260 – 1328) in „Das Buch der göttlichen Tröstung“, Traktat 2

Was aufnehmen soll muss leer sein

Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich fassen. Soll es Wein enthalten, so muß man notgedrungen das Wasser ausgießen; das Gefäß muß leer und ledig werden. Darum: sollst du göttliche Freude und Gott aufnehmen, so mußt du notwendig die Kreaturen ausgießen. Sankt Augustinus sagt: “Gieß aus, auf dass du erfüllt werdest. Lerne nicht lieben, auf dass du heben lernst. Kehre dich ab, auf dass du zugekehrt werdest.” Kurz gesagt: Alles, was aufnehmen und empfänglich sein soll, das soll und muß leer sein. Die Meister sagen: Hätte das Auge irgendwelche Farbe in sich, wenn es wahrnimmt, so würde es weder die Farbe, die es hätte, noch eine solche, die es nicht hätte, wahrnehmen; weil es aber aller Farben bloß ist, deshalb erkennt es alle Farben.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Keine Perle ohne Muschel

“Trink, was in dem Glas ist”, sagt Rumi und meint damit, dass der Rahmen, das Gefäß, zwar zu beachten, aber nicht über Gebühr zu bewerten sei, dass wir sehen, indem wir die Einheit des anderen empfinden und erfahren, erleben und belegen. Indes wäre es falsch, in einer inneren Haltung zu verharren, denn um zur Perle zu werden, bedarf es der Muschel. Die Einheit von Außen und Innen ohne Verhaftung an Innen oder Außen zu verstehen, zu unterscheiden, ohne in der Unterscheidung sich zu verlieren; zu sehen, ohne als Sehender über das Sichtbare zu stolpern; in einer ständigen Suche nach dem Geliebten sich zu verlieren und in Ihm aufzugehen, das umschreibt etwa den Weg des Mystikers.

Hadayatullah Hübsch (1946 – 2011)

Mehr hier: http://www.verlagderislam.de/media/products/0510275001195857112.pdf

Erfüllt werden und leer sein

Kein Gefäß kann zweierlei Trank in sich fassen. Soll es Wein enthalten, so muß man notgedrungen das Wasser ausgießen; das Gefäß muß leer und ledig werden. Darum: sollst du göttliche Freude und Gott aufnehmen, so mußt du notwendig die Kreaturen ausgießen.

Sankt Augustinus sagt: „Gieß aus, auf dass du erfüllt werdest. Lerne nicht lieben, auf dass du heben lernst. Kehre dich ab, auf dass du zugekehrt werdest.“

Kurz gesagt: Alles, was aufnehmen und empfänglich sein soll, das soll und muß leer sein. Die Meister sagen: Hätte das Auge irgendwelche Farbe in sich, wenn es wahrnimmt, so würde es weder die Farbe, die es hätte, noch eine solche, die es nicht hätte, wahrnehmen; weil es aber aller Farben bloß ist, deshalb erkennt es alle Farben.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Bewusst Sein

Das Bewusstsein ist der Ort des Kultes, das Bewusstsein ist die heilige Schrift, das Bewusstsein ist der Weg, das Bewusstsein ist der Ort des Opfers, das Bewusstsein ist das Feuer, das Bewusstsein ist der Ort des Samadhi, das Bewusstsein ist das Erwachen, das Bewusstsein ist das Haus der Götter, das Bewusstsein ist die Zeit, das Bewusstsein ist der Raum, das Bewusstsein ist das Gefäß, der Krug, aus dem sich das Göttliche ergießt.

Devi in Daniel Odiers Buch über das Eintauchen in die absolute Liebe.

Die Leere macht es

Dreißig Speichen treffen die Nabe;
Die Leere dazwischen
macht das Rad.

Lehm formt der Töpfer zu Gefäßen;
Die Leere darinnen
macht das Gefäß.

Fenstern und Türen bricht man in Mauern;
die Leere damitten macht die Behausung.

Das Sichtbare bildet die Form eines Werkes,
Das Nicht-Sichtbare macht seinen Wert aus.

Lao Tse (zwischen 600 und 300 v.u.Z.)