Tanz der Stille im Ballsaal des Herzens

Ramana Maharshi / Bild: Archiv

Ohne den Ich-Gedanken kann es keine anderen Gedanken geben. Wenn andere Gedanken auftauchen, frage: „Wem kommen diese Gedanken? Mir. Wo entsteht dieses ‘Ich’?” Wenn man auf diese Weise nach innen taucht, die Quelle des Geistes aufspürt und das Herz erreicht, wird man zum höchsten Herrn des Universums. Dann gibt es kein Träumen mehr von Dingen wie innen und außen, richtig und falsch, Geburt und Tod, Freude und Leid, Licht und Dunkelheit, o grenzenloses Meer der Gnade und des Lichts, Arunachala, der Du den Tanz der Stille im Ballsaal des Herzens tanzt.

Ramana Maharshi (1879 – 1950)

Du führst meinen Geist ins Weite

Hildegard von Bingen / Bild: wikimedia~gemeinfrei

O heilende Kraft, die sich Bahn bricht! Alles durchdringst du, die Höhen, die Tiefen, den Abgrund. Du fügest und schließest alles in eins.

Durch dich fluten die Wolken, fliegen die Lüfte. Die Steine träufeln vom Saft, die Quellen sprudeln ihre Bäche hervor. Durch dich quillt aus der Erde das erfrischende Grün.

Du führst auch meinen Geist ins Weite, wehest Weisheit in ihn, und mit der Weisheit die Freude. Die Seele ist wie ein Wind, der über die Kräuter weht, und wie ein Tau, der auf die Gräser träufelt, und wie die Regenluft, die wachsen macht.

Genauso ströme der Mensch sein Wohlwollen aus  auf alle, die da Sehnsucht tragen. Ein Wind sei er, indem er den Elenden hilft, ein Tau, indem er die Verlassenen tröstet, und Regenluft, indem er die Ermatteten aufrichtet, und sie mit der Lehre erfüllt wie Hungernde, indem er ihnen seine Seele gibt.

Hildegard von Bingen (1098-1179) zugeschrieben

Rhythmus der Weltseele

Foto: (c) wak

Das Auflösen der Dunkelheit und der Unwissenheit führt zum Erwachen, zur Kenntnis seiner selbst, zur Teilnahme an der kosmischen Freude, zum Anklingen an den Rhythmus der Weltseele, also zur mystischen Gemütsbewegung.

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland. Hüter der Flamme. Remagen, o.J., S. 121

Mich selbst vergessen können

Foto: (c) wak

Ich trinke nicht
aus purer Freude am Wein –
und auch nicht,
um über den Glauben zu spotten.
Nein, ich trinke nur,
um mich selbst für einen Augenblick
vergessen zu können.
In Wirklichkeit erwarte ich nur das
von der Betäubung, ausschließlich das.

Omar Khayyam (1048 – 1131)

Mehr hier zu Alkohol und Spiritualität: https://alkoholundspirit.wordpress.com/

Torweg der Stille | Hörbuch mit Texten von Huang Bo

Foto: © wak

 

Der Eine Geist ist die reine Quelle,
die allen Menschen innewohnt.

Unsere ursprüngliche Natur ist in Wahrheit
ohne die geringste Gegenständlichkeit.
Sie ist leer, allgegenwärtig, schweigsam, rein.
Sie ist herrlich und geheimnisvoll friedliche Freude,
nichts anderes.

Dieser reine Geist, die Quelle von allem,
scheint für immer und auf alle
mit dem Glanz seiner eigenen Vollendung.
Volles Verständnis kann nur
durch ein unausdrückbares Geheimnis kommen.

Der Zugang zu ihm heißt der Torweg der Stille
jenseits aller Tätigkeit.

Huangbo Xiyun / Huang Po / Huang Bo († 850)

 

Ronald Steckel hat aus den überlieferten Reden des Huang Bo den Text für ein Hörbuch destilliert. Die Sprecher sind Max Hopp, Martin Engler u. v. a.

Hörbuch  20:17 Min. ~ 10 €

Bestellmöglichkeit hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

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Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

Verfasser unbekannt. Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Im Heiligtum in der Tiefe deines Herzens

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Brich auf! Du bist für den Weg geboren.
Brich auf! Du hast ein Treffen einzuhalten.
Wo? Mit wem? Vielleicht mit dir selbst.
Brich auf! Deine Schritte werden deine Worte sein,
der Weg dein Lied, die Müdigkeit deine Gebete.
Und am Ende wird deine Stille zu dir sprechen.
Brich auf! Alleine oder mit anderen.
Aber komm heraus aus dir selbst!
Du wirst Begleiter finden, Schwestern und Brüder.
Brich auf! Dein Kopf weiß nicht, wohin deine Füße dein Herz führen.
Brich auf! Jemand ist unterwegs, dich zu treffen,
sucht dich im Heiligtum am Ende des Weges,
im Heiligtum in der Tiefe deines Herzens.
Er ist dein Friede. Er ist deine Freude.
Geh! Gott ist schon mit dir unterwegs.

Anonym / Santuari de Santa Maria de Lluc auf Mallorca

Das offene Herz der Mystik in uns lebendig werden lassen

Foto: © wak

Von der „Stätte der Lebenskraft“ erzählt Ramana Maharshi einem seiner Schüler. Gelesen hat Ramana davon in der lange verschollenen „Quintessenz der achtgliedrigen Wissenschaft“. Dieses alte Ayurveda-Kompendium sieht das Herz als „Stätte des Bewusstseins, des sich selber gewahr seins.“ Und Maharshi ist davon überzeugt: „Das Selbst ist das Herz selber. Das Selbst ist die Stätte und Mitte selber. Es ist immerdar seiner selbst inne als ‚Herz’.“ Was aber hat es mit dem Herzen für uns auf sich? Vor allem zwei Traditionen werden daraufhin genauer befragt: das buddhistische Herz-Sutra und das ostkirchliche Herzensgebet. Und gefragt wird auch danach, wie Leben, wie das Selbst, verherzt werden und bleiben kann.

„Wir leben in einer Kultur, die blind für das spirituelle Leben ist. Sie ist spirituell ignorant, moralisch verwirrt, psychisch gestört und süchtig nach Gewalt, Unterhaltung und Konsum.“ So beschreibt Wayne Teasdale, Vorstandsmitglied des Parlaments der Weltreligionen, ein kollektives System, das in weiten Teilen Herz-los geworden ist. Es gilt daher – auch jetzt, ganz aktuell, sich zu erinnern…

Das Herz ist der Sitz des Lebens
In der Geschichte der unterschiedlichen Versuche von Seins-Erklärungen wird das Herz seit langem als der Sitz der Seele gesehen. Es wird als Sitz des Lebens bezeichnet, aber auch als der Ort des Denk- und Gedächtnisvermögens. „Die Nabelschnur des Seienden im Nichtseienden fanden die Dichter heraus, in ihrem Herz forschend“, heißt es in der altindischen Rigveda. Vedische Tradition sieht die geistige Kraft in das Herz des Menschen gesenkt. Nur ein kurzer Weg ist es zur Tradition der Upanishaden mit ihrer engen Verbindung von Herz und Geist: „Durch das Herz erkennt man die Wahrheit.“ Und hier ist bereits die Brücke zum Buddhismus geschlagen, wenn dort die fünf Sinne (Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten) „das Herz zum Hort haben“. Im Herzen, so heißt es, kann der Meditierende der anderen Personen Herzen schauen und erkennen, wenn er das Gemüt auf die Erkenntnis der Herzen richtet. Worum geht es nun aber beim Herz-Sutra genau? Lassen wir uns zunächst einmal auf seinen Text ein, der ein Herz-Stück buddhistischer Tradition beschreibt, in dem wir das Wort „Herz“ selbst gar nicht finden werden:

Bodhisattva Avalokiteshvara, in der Übung der tiefen transzendenten Weisheit erkannte, dass alle fünf Skandas  leer sind und überwand so alles Leiden. Shariputra , Form ist nichts anderes als Leere, Leere nichts anderes als Form. Form ist wirklich Leere, Leere wirklich Form. Das gleiche gilt für Empfindung, Wahrnehmung, Wollen und unterscheidendes Denken. Shariputra, die Formen aller Dinge sind leer, sie entstehen nicht und vergehen nicht, sie sind nicht rein und nicht unrein, nehmen nicht zu und nicht ab. Daher ist in der Leere keine Form, weder Empfindung, Wahrnehmung, Wollen oder unterscheidendes Denken, weder Auge, Ohr, Nase, Zunge oder Körper, weder Farbe, Ton, Duft oder Geschmack, weder Berührbares noch Vorstellung, weder ein Bereich der Sinnesorgane noch ein Bereich des Daseins, weder Unwissenheit noch ein Ende von Unwissenheit. Und so gibt es weder Alter noch Tod, noch ein Ende von Alter und Tod, weder Leiden noch Entstehen von Leiden, kein Anhäufen, Vernichten, keinen Weg, weder Erkennen noch Erreichen, weil es nichts zu erreichen gibt. Ein Bodhisattva lebt aus dieser Weisheit ohne Hindernis im Geist, ohne Hindernis und daher ohne Furcht. Jenseits aller Illusionen ist endlich Nirvana. Alle Buddhas der Vergangenheit leben aus dieser transzendenten Weisheit, erreichen die höchste Erleuchtung vollkommen und unübertroffen. Wisse daher, dass die transzendente Weisheit das große heilige Mantra ist, das große strahlende Mantra, das unübertroffene Mantra, das alle Leiden nimmt. Das ist wahr und ohne Fehl. Das ist das Mantra, verkündet in der transzendenten Weisheit. Es lautet:

GATE GATE PARAGATE PARASAMGATE BODHI SWAHA.

 

Täglich, so wird berichtet, rezitieren Zen-Mönche dieses Gate, gate, paragate, paramsagate bodhi swaha“, das für sie bedeutet:

„Gegangen, gegangen, über alles hinaus, über alles ganz und gar hinausgegangen“.

Oder wie es in einer der anderen Übersetzungen heißt:

„Gegangen, gegangen, den ganzen Weg hinübergegangen, alle hinübergegangen zum anderen Ufer, Erleuchtung, Lobpreis.“

Foto: © wak

Und was heißt das für uns ganz konkret? Im Herz-Schlag des Gewahr-Seins findet der Mensch jenen Ort, der sein Selbst wirklich ausmacht. Für den amerikanischen Zen-Meister Bernard Glassman beschreitet das Herz-Sutra jenen Weg, die Wirklichkeit über die Vielfalt der Realität, den Reichtum an Phänomenen und Unterscheidungen zu beschreiben. Und er verdeutlicht dies an dem Beispiel des „Zauberer von Oz“, in dem die Protagonistin Dorothy auf den gelben Ziegelsteinweg geschickt wird. „Diesen gelben Ziegelsteinweg gibt es jedoch nicht! Wir sind bereits auf ihm. Wo immer wir sind, befindet sich der gelbe Ziegelsteinweg. Auf diesem Weg gibt es kein Innen und kein Außen. Alles ist dieser Weg; wir alle sind auf dem Weg. Wohin? Er führt nirgendwo hin! Er ist der Herzschlag des Lebens in alle Richtungen.“ Und deshalb sagt er auch: „Wenn wir annehmen, wir praktizierten, um den Weg zu realisieren, begreifen wir nicht, worum es geht, denn dann gehen wir davon aus, dass wir durch Praxis etwas erreichen werden…. Nach der gleichen Logik denken wir, dass wir am Leben bleiben, weil wir atmen, als ob das Atmen unser Lebendig sein verursachen würde. Nein, beides findet gleichzeitig statt. Beides steht in keinem linearen Verhältnis, Ursache und Wirkung sind eins.“

In entscheidender Weise kommt es also für denjenigen, der das Herz-Sutra und das Mantra „Gate, gate…“ rezitiert darauf an, sich immer wieder neu zu vergegenwärtigen. Denn der Schlag des Herzens macht deutlich, wie lebendig wir sind. Und wie sieht es in der westlichen Tradition aus?

Franz-Xaver Jans-Scheidegger, der Theologe, Psychologe und Psychotherapeut im Haus „Via Cordis“ in Flüeli-Ranft weiß von den verschiedenen Wegen kontemplativer Spiritualität. Er schlägt eine Brücke von der östlichen zur westlichen Tradition, wenn er auf die Parallelen zum Herzensgebet hinweist. „Diese Art der Versenkungs-Meditation finden wir neben dem Mantra-Yoga auch im nama-japa (Murmeln des Gottesnamens) der Hindus, im dhikr der Sufis oder im Amida-Zen-Buddhismus. In der Verbindung von Wort (Laut, Klang), Rhythmus (Atem, Herzschlag) und Haltung tritt der Mensch bewusst in Resonanz mit den harmonikalen Strukturen der Schöpfungsordnung. Es findet dabei ein gegenseitiges Empfangen und Weiterschenken statt; und zwar im Herzen. Das Herz ist die eigentliche Person-Mitte des Menschen. In ihr fühlt er sich geeint und rückgebunden in das Mysterium des göttlichen Lebens.“

„Herz“ als Synonym für „Seele“
Bereits in der Theologie des Neuen Testamentes wird deutlich, dass es im Kontakt des Menschen zu Gott nicht um die Formulierung von Worten geht, die lediglich reine Lippen-Bekenntnisse bleiben. Im Herzen wird wirkliche Liebe sichtbar, wenn Paulus zum Beispiel im ersten Brief an die junge Gemeinde in Ephesus schreibt: „Er erleuchte die Augen eures Herzens, damit ihr versteht, zu welcher Hoffnung ihr durch ihn berufen seid…“ (1. Epheser 18).
Das Zentrum des Menschen, das Herz, hat in der jüdischen wie christlichen Tradition einen hohen Rang. Beim Herzensgebet geht es daher um das Wahrnehmen jener göttlichen Wirklichkeit in der Wesensmitte des Menschen, jener Wirklichkeit, die im Raum des Herzens verinnerlicht wird. Die Ursprünge dieses spirituellen Weges liegen für Christen im Neuen Testament, und zwar vor allem in jenen Stoßgebeten, die Menschen an Jesus richten, wenn es zum Beispiel heißt: „Herr, Sohn Davids, hab Erbarmen mit uns“ (Matthäus 20,31) oder „Jesus, Meister, hab Erbarmen mit uns“ (Lukas 17,13). Es sind aber auch so knappe Sätze wie „Mein Jesus, Barmherzigkeit!“ oder „Jesus Christus, erbarme Dich meiner!“, die diesem Gebet Ausdruck verleihen.

Wie aber sieht die konkrete Praxis solcher Stoßgebete aus? Der spirituelle Autor Peter Dyckhoff nennt vor allem jene Punkte, die den inneren Prozess des kosmisch ausgerichteten Gebetes beschreiben:

•    sich sammeln,
•    Schließen der Augen;
•    Öffnen der „Augen der Seele“,
•    Loslassen von allen irdischen Abhängigkeiten,
•    Aufgeben aller konkreten Vorstellungen,
•    jegliche Anspannung abgeben,
•    Gedankenaktivität einstellen,
•    keine Worte machen,
•    die Führung des Geistes Gott überlassen,
•    Zustand tiefer Ruhe – alle Relationen sind aufgehoben,
•    die Seele trennt sich von ihrem belastenden Teil,
•    Vergeistigung der Seele,
•    die Seele erkennt das Bild Gottes,
•    Dasein vor Gott.

Ein Prozess, dessen Tiefe nicht ohne Folgen bleibt für den Übenden. Denn er wird immer mehr zu sich finden können. Der Theologe Emmanuel Jungclaussen mahnt jedoch auch: „Bei aller praktischen Übung ist jedoch zu bedenken, dass die Bitte um das Erbarmen des Herrn der Weg einer bedingungslosen Hingabe ist; denn nur Er weiß wirklich, wessen ich bedarf, um Ihm ganz zu gehören. Dieses Erbarmen kann daher unter Umständen einen äußerst schmerzlichen Läuterungsprozess mit sich bringen. ‚Herr Jesus Christus – erbarme Dich meiner’, das bedeutet: ‚Nimm mich, wie ich bin, und mach mich so, wie Du mich haben willst.’“ Nicht gegeneinander auszuspielen, sondern als zwei verschiedene Weisen des Weges zum Selbst-Gewahrsein sind Herz-Sutra und Herzensgebet zu sehen. Zwei Wege, deren Kern die Einung, die „unio mystica“ des Menschen ist. Nicht von ungefähr werden in der Psychologie diese Wege als gleichrangig angesehen.

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Wege zur Einheit
Auf die Wirkung der Zen-Meditation wie auf das Herzensgebet weist der Psychologe Maximilian Rieländer von der Sektion Gesundheitspsychologie des Bundesverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen hin. „In einem gestuften Übungsprozess kann man lernen, sich simultan auf mehrere Elemente meditativ zu konzentrieren, so wie sich z.B. ein Musiker auf ein mehrstimmiges Lied konzentriert. In einer Meditation ist das Üben einer kombinierten Körper-Geist-Konzentration sinnvoll, d.h. einer simultanen Konzentration auf ein körperliches Erleben wie Haltung, Atmung, Herzbewegungen, -schläge, sowie auf einen durch ein Wort oder einen Satz ausgedrückten geistigen Inhalt. Meditation kann sich positiv auf den persönlichen Lebensstil auswirken, wenn sie regelmäßig geübt wird, möglichst täglich mit einer Dauer von etwa 20 – 30 Minuten.“ Doch darum allein, so weiß der Psychologe, kann es sicher nicht gehen. So weist dann auch ein Merkblatt der Psychologischen Fachgruppe Entspannungsverfahren darauf hin: „Meditation dient nicht so sehr der Entspannung, sondern vielmehr dem allgemeinen Ziel der Vervollkommnung der Person; Begriffe wie ‚Erleuchtung‘ oder ‚Erlösung‘ und ‚Nirvana‘ machen auf diese religiöse, spirituelle und / oder transzendente Ausrichtung der Übungswege aufmerksam, und sie weisen somit über das Denken im Diesseits hinaus“.

 

 

 

 

 

Analytische Klugheit und erfahrbare Empathie
Der Weg des Herz-Sutras und der Weg des Herzensgebetes, ja alle Weisen, das Herz in unser spirituelles Leben mit einzubeziehen,  sind Herausforderungen an uns. Beide verlangen analytische Klugheit ebenso, wie sie zu erfahrbarer Empathie führen. Damit sind sie Wege, die uns immer wieder mahnen, uns zu erinnern. Und die uns ermöglichen, das offene Herz der Mystik in uns lebendiger werden zu lassen. Ganz so, wie es Bruder Wayne Teasdale vom Parlament der Weltreligionen formuliert hat – in tiefer Kenntnis davon, das Leben zu verherzen: „Das mystische Herz spiegelt in seiner Reife die wesentlichen Elemente und Gaben und die Genialität aller Traditionen der spirituellen Weisheit wider: eine verwirklichte moralische Kapazität, Solidarität mit allen lebenden Wesen, absolute Gewaltlosigkeit, Demut, spirituelle Praxis, reife Selbsterkenntnis, eine einfache Lebensweise, selbstloses Dienen und mitfühlendes Handeln und die prophetische Stimme. Diese Elemente werden weiter verfeinert durch eine Reihe von Fähigkeiten, die auf der inneren Reise erworben werden: Offenheit, Präsenz, Zuhören, Sein, Sehen, Spontaneität und Freude.“

Werner Anahata Krebber

Literatur
Glasman, Bernard: Das Herz der Vollendung. Unterweisungen eines westlichen Zen-Meisters. Theseus-Verlag. o.O. 2003;
Dyckhoff, Peter: Einfach beten. Don Bosco-Verlag. München 2001;
Jungclaussen, Emmanuel (Hg.): Das Jesusgebet – Anleitung zur Anrufung des Namens Jesus von einem Mönch der Ostkirche. Friedrich Pustet-Verlag. Regensburg 61994;
Krebber, Werner: Worte, die das Herz öffnen. Vorboten und Wegweiser zur Heilung. In: Connection special 72 „Aufbruch in den Religionen”, Niedertaufkirchen 2004;
Krebber, Werner: Worte, die heilen können. Bibliotherapien aus buddhistischem Geist. In: Connection special 70 „Buddhismus und Psychotherapie“, Niedertaufkirchen 2004;
Rieländer, Maximilian: Meditation, Herzensmeditation, Herzensgebet – Zur Einführung und Einübung. Seeheim 1993 (Selbstverlag);
Teasdale, Wayne: Das mystische Herz. Spirituelle Brücken bauen. Aurum im J. Kamphausen-Verlag. Bielefeld 2004;
Zimmer, Heinrich: Der Weg zum Selbst. Lehre und Leben des Shri Ramana Maharshi.
Hugendubel-Verlag. Kreuzlingen/München 2001 (Diederichs Gelbe Reihe)

 

Möge ich… – Das Metta-Suttra

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Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist
sein.
Möge ich sicher und beschützt sein.
Möge ich frei von Ärger, Kummer, Furcht und Angst sein.
Möge ich lernen, mich selbst mit Augen des Verstehens
und der Liebe anzuschauen.
Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks
zu erkennen und zu berühren.
Möge ich lernen, die Gründe von Ärger, Begehren und
Unwissenheit in mir zu erkennen und zu sehen.
Möge ich erkennen wie ich die Samen von Freude in mir
jeden Tag nähren kann.
Möge ich fähig sein, frisch, gefestigt und frei zu leben.
Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein –
ohne gleichgültig zu werden.

Visuddhi Magga (5. Jh.) / neue Fassung  von Thich Nhat Hanh (*1926) ~ gefunden habe ich diese Version des Metta-Sutta hier: https://www.quelle-des-mitgefuehls.de/

Blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf

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Hast du nur gewöhnliche Beschäftigungen, die keine gesammelte Aufmerksamkeit verlangen, dann schau mehr auf Gott als auf deine Arbeit. Hast du aber eine Arbeit, die deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht, dann blicke wenigstens von Zeit zu Zeit zu Gott auf, gleich dem Seemann auf offenem Meer: um seine Richtung einzuhalten, schaut er mehr auf den Himmel als auf das Wasser, auf dem er dahinfahrt. So wird Gott mit dir, in dir und für dich arbeiten, und deine Arbeit wird dir Freude bereiten.

Franz von Sales (1567 -1622)