Hauch des göttlichen Atems

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Was das eigentlich mystische Gebet angeht, das heißt den Zustand der mit dem Göttlichen vereinten menschlichen Seele, wo nicht einmal mehr die Atmung ihr eigen ist, sondern wo sie allein in und durch den Hauch des göttlichen Atems atmet, so ist es das tiefe Schweigen aller Fähigkeiten der Seele – des Verstandes, der Vorstellungskraft, des Gedächtnisses und des Willens -, das zum Beispiel Johannes vom Kreuz in seinen Werken beschreibt und erklärt. Es ist die Vollendung der Liebe zwischen der Seele und Gott.

Valentin Tomberg (1900 – 1973)

Das Herz ist kein einsamer Ort

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Im Innersten unseres Herzens finden wir uns in einem Bereich, in dem wir nicht nur auf das Innigste mit uns selbst, sondern ebenso mit anderen vereint sind, mit allen anderen. Das Herz ist kein einsamer Ort. Es ist der Bereich, in dem Alleinsein und Beisammensein zusammentreffen. Ist es nicht so, dass unsere ureigenste Erfahrung uns das lehrt? Kann man jemals sagen „Jetzt bin ich wirklich bei mir, obwohl ich anderen entfremdet bin“? Oder: „Ich bin wirklich eins mit anderen, oder auch nur mit einer anderen Peson, die ich liebe, und doch bin ich mir entfremdet“? Undenkbar! Im selben Moment, da wir eins sind mit uns selbst, sind wir mit allen anderen eins. Dann haben wir die Entfremdung überwunden. Und das Herz steht für jenen Kern des Seins, wo lange vor der Entfremdung ursprüngliche Zusammengehörigkeit herrschte.

David Steindl-Rast (*1926) in: Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik. 1968, S. 29

Herr mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens

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Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,
dass ich Liebe bringe, wo man sich hasst,
dass ich Versöhnung bringe, wo man sich kränkt,
dass ich Einigkeit bringe, wo Zwietracht ist,
dass ich Wahrheit sage, wo Irrtum ist,
dass ich den Glauben bringe, wo Zweifel quält,
dass ich die Hoffnung bringe, wo Verzweiflung droht,
dass ich die Freude bringe, wo Traurigkeit ist,
dass ich das Licht bringe, wo Finsternis waltet.

Herr hilf mir, dass ich nicht danach verlange,
getröstet zu werden, sondern zu trösten.
Dass ich nicht danach verlange,
verstanden zu werden, sondern zu verstehen.

Dass ich nicht danach verlange,
geliebt zu werden, sondern zu lieben.
Denn: Wer gibt, der empfängt,
wer verzeiht, dem wird verziehen,
wer stirbt, der wird zum ewigen Leben geboren.

Verfasser unbekannt. Irrtümlich Franz von Assisi zugeschrieben. Mehr hier: http://www.franciscan-archive.org/franciscana/peace.html

Hoffnung, Vertrauen, Zuversicht

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Wahre und vollkommene Liebe soll man daran erkennen, ob man große Hoffnung und Zuversicht zu Gott hat; denn es gibt nichts, woran man besser erkennen kann, ob man ganze Liebe hat, als Vertrauen.

Denn wenn einer den anderen innig und vollkommen liebt, so schafft das Vertrauen; denn alles, worauf man bei Gott zu vertrauen wagt, das findet man wahrhaft in ihm und tausendmal mehr. Und wie ein Mensch Gott nie zu sehr lieb haben kann, so könnte ihm auch nie ein Mensch zu viel vertrauen. Alles, was man sonst auch tun mag, ist nicht so förderlich wie großes Vertrauen zu Gott.

Bei allen, die je große Zuversicht zu ihm gewannen, unterließ er es nie, große Dinge mit ihnen zu wirken. An allen diesen Menschen hat er ganz deutlich gemacht, dass dieses Vertrauen aus der Liebe kommt; denn die Liebe hat nicht nur Vertrauen, sondern sie besitzt auch ein wahres Wissen und eine zweifelsfreie Sicherheit.

Meister Eckhart (1260 – 1328) In: Reden der Unterweisung. 14: Von der wahren Zuversicht und von der Hoffnung

Weil ich vor Liebe verschmachte

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Ich bin die wahre Liebe, die nie falsch war,
meine Schwester, die Menschenseele, ich liebte sie so.
Weil wir uns durchaus nicht trennen wollten,
verließ ich mein Reich der Herrlichkeit.
Ich bereitete ihr einen kostbaren Palast;
sie entflieht, ich folge, ich suchte sie so.
Ich erlitt diese mitleidswürdige Pein,
weil ich vor Liebe verschmachte.

„Quia amore langueo“ ist ein anonymes Gedicht aus dem 15. Jahrhundert

Möge ich… – Das Metta-Suttra

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Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist
sein.
Möge ich sicher und beschützt sein.
Möge ich frei von Ärger, Kummer, Furcht und Angst sein.
Möge ich lernen, mich selbst mit Augen des Verstehens
und der Liebe anzuschauen.
Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks
zu erkennen und zu berühren.
Möge ich lernen, die Gründe von Ärger, Begehren und
Unwissenheit in mir zu erkennen und zu sehen.
Möge ich erkennen wie ich die Samen von Freude in mir
jeden Tag nähren kann.
Möge ich fähig sein, frisch, gefestigt und frei zu leben.
Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein –
ohne gleichgültig zu werden.

Visuddhi Magga (5. Jh.) / neue Fassung  von Thich Nhat Hanh (*1926) ~ gefunden habe ich diese Version des Metta-Sutta hier: https://www.quelle-des-mitgefuehls.de/

Das Jetzt ist der Samen der Zukunft…

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Das Jetzt ist der Samen der Zukunft und muss von daher im Herzen und in der Seele gehalten werden, wenn er wachsen soll, wenn unsere Enkelkinder dieselben Farben im Regenbogen sehen sollen. Liebe und Sorge für die Erde und all ihre Gemeinschaften gehören dem Augenblick an, der voll gefühlt und von den Tiefen unseres Seins gelebt wird. Wenn Rumi sagt: „Kehre zur Wurzel der Wurzel deines Selbst zurück“, meint er das wahre Mysterium, welches in einem jeden von uns lebt, das uns mit der Sonne und dem Mond wie auch mit der gesamten Schöpfung verbindet.

 Llewellyn Vaughan-Lee (*1953) https://goldensufi.org/g_a_Den_Augenblick_der_Liebe_leben.html

 

Pfeiler der Hoffnung

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Wenn die innere und äußere Welt zusammentreffen und mit der Sicherheit der Liebe zusammengehalten werden können, dann wird diese jetzige Phase des Übergangs zu einem Aufblühen der Weltseele führen. Im Zentrum dieser Welt müssen Seine Liebenden als Pfeiler der Hoffnung stehen, denn sie kennen die Bedeutung der Vereinigung. Ihre Hoffnung wird die Furcht des Kollektivs ausgleichen, das sich so sehr mit der äußeren Welt identifiziert hat, dass der Gedanke der Vereinigung mit der inneren Welt den Schrecken des Unbekannten zusammen mit der Dunkelheit des Schattens hervorruft. Furcht lässt uns Schutz im Ego suchen, während Hoffnung uns für die Seele öffnet. Furcht betont die Polarisierung, Hoffnung fügt uns zusammen. Hoffnung gibt der Zukunft Raum zur Entfaltung.

Llewellyn Vaughan-Lee (* 1953)in: Der Liebesbund. Psychologische und spirituelle Aspekte des mystischen Weges. Interlaken 1993, S. 57

Weltverantwortung aus dem Glauben

Cover des Buches, das Anton Zottl herausgegeben hat

Wenn Resignation, Selbstabschaffung und Irrationalität die eine … Möglichkeit ist, die Welt „fromm“ zu bestehen, so ist wohl Verantwortung die andere. Da es keine angstfreie Existenz gibt und sich derjenige, der sich in die Apokalypse flüchtet, aus der Politik zurückzieht, … so ist die Alternative zur privativistischen Flucht die politische Verantwortlichkeit.

Eine aktuelle „Weltverantwortung aus dem Glauben“ ist also entprivatisiertes politisches Handeln für die Welt. Es ist: politische Liebe, die „konkret auf die weltliche Fruchbarkeit der christlichen Erlösung“ hinweist.

Anton Zottl (1933 – 2015) in seiner Einführung zu dem Buch „Weltfrömmigkeit – Grundlagen, Traditionen, Zeugenisse„, das 1985 im Eichstätter Franz-Sales-Verlag erschien. Zottl zitiert hier u.a. Edward Schillebeeckx

 

Sich dem Leben öffnen und Kommunikation damit eingehen

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Vielleicht wird dies einige Leute aus der Fassung bringen, doch ich fürchte, Liebe hat keinesfalls nur mit Erfahrung von Schönheit und romantischem Glück zu tun. Zur Liebe gehört auch Häßlichkeit und Schmerz und Aggression, gemeinsam mit der Schönheit der Welt. Sie ist nicht die Wiedererschaffung eines himmlischen Zustandes. Liebe oder Mitgefühl, der offene Weg, bezieht sich auf das, „was ist“. Damit wir Liebe entwickeln können – universelle Liebe, kosmische Liebe oder wie wir sie sonst bezeichnen wollen -, müssen wir die gesamte Lebenssituation akzeptieren, mit ihren hellen und dunklen, ihren guten und schlechten Seiten. Wir müssen uns dem Leben öffnen und eine Kommunikation damit eingehen.

Chögyam Trungpa (1939 – 1987) in: Spirituellen Materialismus durchschneiden