Das Heil finden

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Es fragte einer den Altvater Antonios, was er tun müsse, um Gott zu gefallen. Der Greis gab ihm folgende Antwort: „Befolge, was ich dir auftrage! Wohin immer du gehst, habe überall Gott vor Augen. Was du auch tust, oder was du auch redest: für alles suche ein Zeugnis in den Heiligen Schriften. Wenn du dich an einem Orte niederläßt, dann entferne dich nicht leicht. Diese drei Dinge beobachte und du wirst das Heil finden.”

(Abbas Antonios, 3) in: Apophthegmata Patrum – Weisung der Väter. Übersetzung Bonifaz Miller. Trier 1986

Denken zwecklos

Joseph Schneiderfranken / Bô Yin Râ

Während man die aufs Äußere, ohne besondere Beziehung zum geheimnisvollen Bereich des heiligen Geistes, gerichteten Bestrebungen bekanntlich sehr wohl überdenken und gedanklich abklären muss, wenn man nicht irdisch Schaden leiden soll, – kann alles, was man in der Intention tut, seinen Körper einen „Tempel des heiligen Geistes“ werden zu lassen, gar nicht gedankenlos genug getan werden!

„Denken zwecklos“ von Rudolf Schott überliefertes Zitat von Bô Yin Râ

Der ganze Beitrag kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH VI

CII. Jahrgang SOMMER 2021

Thema: JOSEPH SCHNEIDERFRANKEN

Heft 7, Juli 2021

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

Gnosis nenn‘ ichs

Foto: (c) wak

Urprinzipium aller Dinge, erster Grund des Seins und Leben ist der Geist,

Zweites Wesen, ausgegossen von dem ersten Sohn des Geistes, ist das Chaos,

und das dritte, das von beiden Sein und Bildung hat empfangen, ist die Seele.

Und sie gleicht dem scheuen Wilde,

das gehetzt wird auf der Erde,

Von dem Tod, der seine Kräfte,

Unentwegt an ihr erprobt.

Ist sie heut im Reich des Lichtes,

Morgen ist sie schon im Elend,

Tief versenkt in Schmerz und Thränen,

Der Freude folgt die Thräne,

der Thräne folgt der Richter,

dem Richter folgt der Tod –

Und im Labyrinthe irrend, sucht vergebens sie den Ausweg.

Da sprach Jesus: „Schau, o Vater,

Auf dies heimgesuchte Wesen,

Wie es, fern von deinem Hauche,

Kummervoll auf Erden irret,

Will entfliehn dem bittren Chaos,

Aber weiß nicht, wo der Aufstieg.

Ihm zum Heile sende, Vater,

Mich, dass ich herniedersteige,

Mit den Siegeln in den Händen,

Die Äonen all durchschreite,

Die Mysterien all eröffne,

Götterwesen ihm entschleire,

Und des heilgen Wegs Geheimnis,

Gnosis nenn‘ ichs, ihm verkünde.“

Naassenischer Hymnus oder Naassenischer Psalm /120 – 140 u.Z.

Übersetzer Adolf von Harnack (1851 – 1930)

Keine Weisung mehr brauchen

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Kehre ein zu dir selbst und sieh dich an. Und wenn du siehst, dass du noch nicht schön bist, so mache es wie der Bildhauer, der von einer Statue, die schön werden soll, hier etwas fortmeißelt, dort etwas glättet und da etwas reinigt, bis er der Statue ein schönes Gesicht gegeben hat. So mach’ du es auch: Nimm weg, was unnütz, richte gerade, was krumm ist, reinige, was dunkel ist und mache es hell. Lass nicht ab, an deiner eigenen Statue zu wirken, bis dir der göttliche Glanz der Tugend aufleuchtet und du sie auf ihrem heiligen Sockel stehend erblickst. Und wenn du soweit gekommen bist, dann hemmt dich nichts mehr, dann bist du ganz du selbst und ganz und gar reines, wahres Licht. Du bist eins mit dem Schauen, gewinnst Zutrauen zu dir, bist so hoch gestiegen, dass du keine Weisung mehr brauchst.

Plotin (204 – 270) in den „Enneaden“

Den Fuß jedes Wesens mit der Kette der Individualisierung gefesselt

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O du heiliges Tal und absolute Existenz – wie sehr auch der lautere Grund der Stufe Deiner Absolutheit das Gestrüpp der zusätzlichen Zuschreibungen von sich gefegt hat und im eigenen Auge von all diesen begrenzten Beziehungen frei ist, so schlägt doch das gesamte Wanderdünenland der imaginären Kontingenzen auch in dieser Weite Wellen und fesselt den Fuß jedes Wesens mit der Kette der Individualisierung.

Khwaja Mir Dard (1720-1785)

Das Wissen der Praxis erwerben

Johannes Cassian / Bild: Archiv

Wer zur Wissenschaft des Schauens, zur Betrachtung des Göttlichen, zur Erkenntnis der heiligen Erfahrungen gelangen will, muß sich zunächst mit aller Hingabe und Kraft das Wissen der Praxis erwerben: Ohne dies läßt sich die Beschauung nicht erlangen.

Johannes Cassian (360 – 435)

 

Die Augen sprechen zu den Augen und das Herz zum Herzen

Foto: © wak

 

In der mystischen Theologie ist allerdings die vorzügliche Übung:
mit Gott zu sprechen,
und Gott im Grunde des Herzens sprechen zu hören;
und weil dies Gespräch durch sehr geheime Sehnsucht und Einflößungen geschieht,
nenne wir es ein stilles Zwiegespräch.

Die Augen sprechen zu den Augen
und das Herz zum Herzen;
und niemand versteht was gesprochen wird,
außer die Liebenden,
die zu einander sprechen.

Franz von Sales (1567-1622) In: Theotimus oder von der Liebe Gottes (S. 540-542)

Editorial | Update 02_2021

„Wann, wenn nicht Jetzt“ heißt es im Untertitel des Blogs „Mystik aktuell“. Ganz so, wie es Sosan um 600 formuliert hat: „Der Weg ist jenseits von Sprache, denn auf ihm gibt es kein Gestern, kein Morgen, kein Heute.“

Werner Anahata Krebber | Foto: privat

Auf dem sprituellen Weg können Texte aus der mystischen Tradition wie aus der Gegenwart Begleiter sein, die eigene Verortung neu zu buchstabieren oder zu vertiefen. Dabei greife ich für den Blog „Mystik aktuell“ neben eigenen Beiträgen auf Quellen zurück, die weit über die eigene spirituelle Herkunft hinausgehen neue Zugänge ermöglichen können: interreligiös, interspirituell, transkonfessionell, interkulturell. Stammen sie geographisch oder spirituell auch von weit her, so können sie Anstoß, Anregung, Ansprache sein – immer neu sind sie danach zu befragen, welche Bedeutung sie für jede/n Einzelne/n haben. Jetzt. Und auch so, wie es Robert Musil (1880 – 1942) in seinem „Mann ohne Eigenschaften“ formuliert hat:

Ich sehe mir den heiligen Weg
mit der Frage an,
ob man wohl auch
mit einem Kraftwagen auf ihm fahren könnte!

In diesem Sinne viel anregende Lektüre!

Werner Anahata Krebber im Februar 2021

Vor den sogenannten heiligen Schriften aller Völker und Zeiten…

Foto:© wak

Vor den sogenannten heiligen Schriften aller Völker und Zeiten, vor aller Offenbarungsliteratur überhaupt eignet dem von Bô Yin Râ hinterlassenen Lehrwerk allein der Vorzug, keinerlei historische Redaktion durch fremde Hände haben erleiden zu müssen, die auf die ursprüngliche Ausdrucksform, durch Umstellung und Weglassung, Hinzufügung und Übersetzung, Änderung und Unterschiebung wie zersetzende Säuren eingewirkt haben.

Seine Lehrtexte stellen den heute menschenmöglichen, erschöpfenden und zuverlässigen, im Grunde sogar einzig möglichen Ausdruck dessen dar, was man Offenbarung genannt hat und worüber eine Art stiller und vorurteilsvoller Übereinkunft besteht, dass sie nur in der Vergangenheit vorkommen und längst abgeschlossen sei.

Rolf Schott, Bô Yin Râ: Ein Lebenswerk und sein Meister. Vortragsmanuskript für die „Theosophische Gesellschaft“, zitiert nach Werner Erni, der für den Kober-Verlag tätig war

 

Der vollständige Text kann hier nachgelesen werden:

MAGISCHE BLÄTTER BUCH IV
CI. JAHRGANG WINTER 2020 / 2021
4. Quartalsausgabe November, Dezember, Januar
gebunden. ISBN-Nr. 978-3-948594-04-6

HEFT 11 | Dezember 2020
TITELTHEMA: WEIHENACHT

https://verlagmagischeblaetter.eu/monatsschrift/magische-blaetter

Bestellt werden können die Magischen Blätter hier: kontakt@verlagmagischeblaetter.eu

 

Im heiligen Nicht-Wissen präsent sein

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Das Abhandenkommen jeglicher Planbarkeit und das Nicht-Wissen wie und wann diese Pandemie zu einem Ende kommt, verunsichern uns. Mir hilft es, mich freiwillig in das Nicht-Wissen zu stellen. Die kreisenden, bohrenden Gedanken kommen zur Ruhe und ich finde mich wieder im JETZT. Das Nicht-Wissen – vor allem da, wo man nicht wissen kann! – ist ein heiliger Ort im Geist. Genau hier finden wir zurück zur ursprünglichen Klarheit, und von dort zu einer neuen Sicht.

Pyar (*1960) ~ mehr hier:  https://pyar.de/