Um Seiner ewigen Schönheit willen

Darstellung von Rabia in einer persischen Miniatur / Bildquelle: wikimedia/gemeinfrei

Ich will Wasser in die Hölle gießen
und Feuer ans Paradies legen,
damit diese beiden Schleier verschwinden
nd niemand mehr Gott
aus Furcht vor der Hölle
oder in Hoffnung aufs Paradies anbete,
sondern nur noch
um Seiner ewigen Schönheit willen.

Rābiʿa al-ʿAdawiyya al-Qaisiyya / Rabia Basri / Rabia von Basra (714, 717 oder 718 i –  801)

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Schweigen spricht immer

Die Karte ist ein Siebdruck aus Arunachala    Foto: © wak

Schweigen spricht immer. Es ist ein ewiger Fluss von Mitteilung, der durch das Sprechen unterbrochen wird. Die Worte, die ich jetzt ausspreche, überdecken diese schweigende Sprache. Da fließt zum Beispiel Strom durch einen Draht; trifft er auf einen Widerstand, glüht er auf in einer Glühbirne oder bewegt er sich in einem Ventilator. Im Draht aber bleibt er bloße elektrische Energie. Genauso ist Schweigen der ewige Fluss der Sprache, der durch Worte unterbrochen wird. Was man durch jahrelanges Gerede nicht erfasst, kann im Schweigen oder im Angesicht des Schweigens sofort begriffen werden.

Ramana Maharshi (1879-1950)

Nicht-Gott, Nicht-Geist, Nicht-Person, Nicht-Bild…

Der Holzschnitt zeigt Meister Eckhart predigen

Du sollst Gott lieben, wie er ist ein Nicht-Gott, ein Nicht-Geist, eine Nicht-Person, ein Nicht-Bild, mehr noch: wie er ein lauteres, reines, klares Eines ist, abgesondert von aller Zweiheit. Und in diesem Einen sollen wir ewig versinken vom Etwas zum Nichts.

Josef Quint , Meister Eckhart -Predigten und Traktate, München 71995, S. 355

Mehr zu Meister Eckhart am 3. Juni 2018  hier: https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/03/11/mystik-hier-und-jetzt-einsichten-und-erfahrungen/

Wir sind beide in eins geflossen

Gedenktafel im Kloster Helfta, die an Mechthild von Magdeburg, Mechthild von Hackeborn und Gertrud die Große erinnert.    Foto: © wak

 

Ich bin in Dir,
Du bist in mir,
Wir können einander nicht näher sein,
Denn wir sind beide in eins geflossen
Und sind in eine Form gegossen
Und bleiben so ewig unverdrossen.

Mechthild von Magdeburg (1207 – 1282)

Von dreierlei Meistern

Foto: © wak

 

Das Wort „der Meister“ bezeichnet dreierlei: den Ewigen Meister, den leibhaftigen Meister, den inneren Meister.

Der Ewige Meister, das ist eine Imago des Lebens, das geschaut wird in einem Urbild, einer Idee, einem Archetypus.

Der leibhaftige Meister ist die Verwirklichung dieser Idee in der geschichtlichen Wirklichkeit.

Der innere Meister ist das in einem Menschen als Verheißung, Erfahrung und Auftrag erwachte Potential zur Verwirklichung des Ewigen Meisters in leibhaftiger Gestalt.

„Der Meister“ – sei es als Idee, leibhaftige Wirklichkeit oder innerer Auftrag – „meint“ immer das menschgewordene LEBEN, das überweltliche, sich selbst fortzeugende Leben, in der Welt offenbar geworden in menschlicher Gestalt.

Karlfried Graf Dürckheim (1896 – 1988) in: Vom doppelten Ursprung des Menschen. Freiburg/Br. S. 226