Nichtwissenheit wissen ist das Höchste

Die Nichtwissenheit wissen
ist das Höchste.
Nicht wissen, was Wissen ist,
ist ein Leiden.
Nur wenn man unter diesem Leiden leidet,
wird man frei von Leiden.
Daß der Berufene nicht leidet,
kommt daher, daß er an diesem Leiden leidet;
darum leidet er nicht.

Laotse (6./7. Jh. v.u.Z.) im Tao Te King, Buch 2: Das Leben, 71

Bleibe allein mit dir selber

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Bleibe allein mit dir selber, lauf nicht fort … und suche nichts anderes!
So laufen etliche Menschen, die in dieser inneren Armut stehen, weg, und suchen immer nach etwas anderem, womit sie der Drangsal entgehen können. Das ist gar schädlich.
Oder sie beklagen sich und fragen die Lehrmeister und werden (dadurch) nur noch mehr verwirrt.
Halte dich in dieser Not frei vom Zweifel: nach dem Dunkel kommt der helle Tag, der lichte Sonnenschein.

Johannes Tauler (1300 – 1361) Predigt 41 in: Georg Hofmann (Hg.) Johannes Tauler. Predigten. Freiburg/Basel/Wien 1961, S. 310

Möge ich… – Das Metta-Suttra

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Möge ich friedvoll, glücklich und leicht in Körper und Geist
sein.
Möge ich sicher und beschützt sein.
Möge ich frei von Ärger, Kummer, Furcht und Angst sein.
Möge ich lernen, mich selbst mit Augen des Verstehens
und der Liebe anzuschauen.
Möge ich fähig sein, die Samen der Freude und des Glücks
zu erkennen und zu berühren.
Möge ich lernen, die Gründe von Ärger, Begehren und
Unwissenheit in mir zu erkennen und zu sehen.
Möge ich erkennen wie ich die Samen von Freude in mir
jeden Tag nähren kann.
Möge ich fähig sein, frisch, gefestigt und frei zu leben.
Möge ich frei von Anhaftung und Abneigung sein –
ohne gleichgültig zu werden.

Visuddhi Magga (5. Jh.) / neue Fassung  von Thich Nhat Hanh (*1926) ~ gefunden habe ich diese Version des Metta-Sutta hier: https://www.quelle-des-mitgefuehls.de/

In der Stille zum Wissen gelangen

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Wo Wasser, Erde, Feuer und Luft
keinen Boden findet –
dort leuchten Lichter nicht,
nicht strahlt die Sonne,
dort scheint der Mond nicht,
nicht findet sich dort Dunkelheit.
Und wenn der Weise
durch sich selbst
in der Stille zum Wissen gelangt ist,
dann wird er frei
von Gestalt und Nicht-Gestalt,
von Glück und Leid.

Buddha in der Schrift Udāna (Aufatmen)

Ungestützet, wohlgestützet

Zeichnung des Johannes vom Kreuz / Bild: Archiv

Ungestützet, wohlgestützet
ohne Licht auf dunklem Pfade
fühl ich, wie ich mich verzehre.

Meine Seele ist entschwebet
frei von der Geschöpfe Band
in das selige Wonneland
wo in ihrem Gott sie lebet
und in ihm nur Stütze fand.

Darum sag ichs unumwunden
was mir mehr als alles nützet
Meine Seele ist befunden
Ungestützet, wohlgestützet

Johannes vom Kreuz (1542 -1591)

Die Welt poetisieren…

 

 

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren
Sind Schlüssel aller Kreaturen,
Wenn die, so singen oder küssen,
Mehr als die Tiefgelehrten wissen,
Wenn sich die Welt ins freie Leben
Und in die Welt wird zurückbegeben,
Wenn dann sich wieder Licht und Schatten
Zu echter Klarheit werden gatten,
Und man in Märchen und Gedichten
Erkennt die ewgen Weltgeschichten,
Dann fliegt vor einem geheimen Wort
Das ganze verkehrte Wesen fort.

Novalis (Georg Friedrich Philipp Freiherr von Hardenberg) 1800

 

Frei von sich und allen Dingen

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Wenn ich predige, dann pflege ich von vier Dingen zu sprechen. Erstens von Abgeschiedenheit und daß der Mensch frei und ledig sein muß – von sich selbst und von allen Dingen. Zweitens pflege ich davon zu sprechen, daß man wieder hineingebildet und zurückgeformt werden soll in das einzige und einfältige, wahrhaft eine Gut, das Gott ist. Zum dritten sage ich, daß man die große Edelkeit und den Adel bedenken muß, den Gott der Seele mitgeteilt hat, damit der Mensch mit diesem Adel wieder in einem Wunder zu Gott zurückgelangt. Viertens spreche ich von der Lauterkeit, Reinheit und Klarheit der göttlichen Natur – welche Klarheit und Reinheit die göttliche Natur besitzt, das ist unaussprechlich. Gott ist ein Wort, ein ungesprochenes Wort.

Meister Eckhart (1260 – 1328)

Mehr dazu hier: http://www.eckhart.de/index.htm?loeser.htm

 

 

Die Welt ist Gottes so voll…

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Die Welt ist Gottes so voll. Aus allen Poren der Dinge quillt er gleichsam uns entgegen. Wir aber sind oft blind. Wir bleiben in den schönen und in den bösen Stunden hängen und erleben sie nicht durch bis an den Brunnenpunkt, an dem sie aus Gott herausströmen. Das gilt für alles Schöne und auch für das Elend. In allem will Gott Begegnung feiern und fragt und will die anbetende, hingebende Antwort. Dann wird das Leben frei in der Freiheit, die wir oft gesucht haben.

Alfred Delp (1907 – 1945)

Spirit der Unendlichkeit

Sei frei in dir selbst und somit frei in deinem Mental, deinem Leben und deinem Körper.
Denn der Spirit ist Freiheit.

Sei eins mit Gott und allen Wesen. Lebe in dir selbst und nicht in deinem kleinen Ego.
Denn der Spirit ist Einheit.

Sei du selbst und unsterblich. schenke dem Tod nicht deinen Glauben. Der Tod erwartet nicht dich, sondern nur deinen Körper.
Denn der Spirit ist Unsterblichkeit.

Unsterblich sein heißt, unendlich zu sein im Sein, im Bewusstsein und in der Seligkeit.
Denn der Spirit ist unendlich und alles Endliche existiert nur durch seine Unendlichkeit.

Sri Aurobindo (1872 – 1950)

Dem Inneren entspannte Ruhe zugestehen

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Man muss dem Inneren
die entspannte Ruhe zugestehen,
auch wenn wir überzeugt sind
die Zeit im Nichtstun zu verlieren.

Lassen wir das Innere frei
von Wahrnehmungen und Gedanken,
Meditationen und Erwägungen
und geben wir uns ausschließlich hin
an ein liebevolles und friedvolles Innewerden Gottes.

Johannes vom Kreuz (1542 – 1591)