Tonglen – Einatmen, Ausatmen, Mitgefühl

 

Pyar schreibt zu Tonglen:

„Bevor du mit Tonglen beginnst verbinde dein Herz mit der Weite des Himmels. Aus diesem offenen Geist und Herzen heraus wendest du dich dem Leidhaften, Schmerzenden etc. in Dir oder den Menschen und Situationen um dich herum zu und nimmst in vollem Vertrauen auf die umwandelnde Kraft des Herzens mit dem Einatmen alles Dunkle, Schmerzhafte, Schwere und Leidvolle des Erlebens ins Herz. Mit dem Ausatmen gibst du alles Schöne, Liebevolle, Freundliche, Gute deines eigenen Erfahrens im Leben hinaus. Du lässt es in die Situation strahlen. Dabei ist es wichtig, immer zuerst mit dir selbst, mit deinen eigenen Gefühlen in genau dieser Situation zu beginnen. Von da aus kannst du dann das Mitgefühl auf alle Menschen und alle Situationen ausweiten.“

Mehr hier:

Tonglen

Unsere eigene Weisheit

Graphik: Archiv

Was wir im Zustand der Kontemplation mit unseren eigenen Augen sehen, ist unsere eigene Weisheit. Nach den Lehren des Bön-Dzogchen sind die Augen die Pforten der Weisheit. In der hermetischen Sprache …  gibt es einen großen Berg, auf dem es fünf Einsiedler und zwei Höhlen gibt. Der große Berg ist der Körper, die fünf Einsiedler sind die fünf Weisheiten*, und die beiden Höhlen sind die Augen.

Tenzin Wangyal (*1961)

 

*Weisheit des allumfassenden Raums, Spiegelgleiche Weisheit, Weisheit der Wesensgleichheit, Weisheit der Unterscheidung und Allesvollendende Weisheit

Es hat für Myriaden Formen Raum und Licht…

Es hat für Myriaden Formen Raum und Licht,
Nur überlässt es denen sich wahrhaftig nicht,
Die es sich selbst als Eigengut erstreben
Und sich ihm selber nicht zu eigen geben.

Erst, wenn verzichtet wird auf eig‘nen Schein,
Kehrt das, was wirklich ist, im Menschen ein: –
Nur wer sich selbst zu leerem Raume weitet,
Findet sich ewig lichtem Leben zubereitet.

Bô Yin Râ (1876 – 1943) in: Mancherlei, Basel 1939

 

Aktuell erschienen in den Magischen Blättern, Frühjahr 2020. Mehr zu Bô Yin Râ, den Jacob-Böhme-Bund und die Magischen Blätter hier:  https://verlagmagischeblaetter.eu/

 

Nimm dich selbst in Liebe an…

Foto: © wak

 

Nimm dich selbst in Liebe an
und sei wachsam –
heute, morgen, immer.

Finde zuerst den Weg,
dann belehre andere
und besiege so das Leid.

Bevor du andre geradebiegst,
musst du zuerst etwas viel Schwierigeres vollbringen –
dich selbst geradebiegen.

Du bist dein eigener Herr.
Wer sonst?
Bezwinge dich selbst,
und erkenne den Meister in dir.

Jack Kornfield (*1945) in: „Die Lehren Buddhas“ nach dem Dhammapada

Jeder Mensch ist eine besondere Art Mystiker

Foto: © wak

Alle von uns können Momente überwältigender, grenzenloser Zugehörigkeit, Augenblicke universellen Eins-Seins erfahren. Das sind unsere eigenen mystischen Momente. Die Männer und Frauen, die wir Mystiker nennen, unterscheiden sich vom Rest von uns lediglich dadurch, dass sie jenen Erfahrungen den Raum geben, der ihnen in unser aller Leben zusteht. Was zählt, ist nicht die Häufigkeit oder Intensität mystischer Erfahrungen, sondern der Einfluss, den wir ihnen auf unser Leben einräumen. Indem wir unsere mystischen Momente mit allem, was sie bieten und verlangen, zulassen, werden wir die Mystiker, die wir sein sollen. Schließlich ist der Mystiker keine besondere Art Mensch, sondern jeder Mensch eine besondere Art Mystiker.

David Steindl-Rast (*1926) in seinem Buch „Fülle und Nichts. Die Wiedergeburt christlicher Mystik“, München 1985

Jeder Tag ein heiliges Geschenk

Foto: © wak

Mögest du des Mysterium des Hierseins gewahr werden und eintreten in die stille Unermesslichkeit deiner eigenen Gegenwart.

Mögest du Glück und Freude finden im Tempel deiner Sinne.

Möge es dir, wenn neue Grenzen locken, nie an Ermutigung fehlen.

Mögest du dem Ruf deiner Gabe Gehör schenken und den Mut finden, ihrem Weg zu folgen.

Möge die Flamme des Zorns dich von jeglicher Falschheit befreien.

Möge Wärme des Herzens deine Gegenwart hell auflodern lassen, und möge dich die Angst niemals belangen.

Möge deine äußere Würde ein Spiegel sein der inneren Würde deiner Seele.

Mögest du dir die Zeit nehmen, die stillen Wunder zu feiern, die keine Aufmerksamkeit heischen.

Mögest du Trost finden in der geheimen Symmetrie deiner Seele.

Mögest du jeden neuen Tag als ein heiliges Geschenk erleben, gewoben um das Herz des Wunders.

 

John O’Donohue (1956 – 2008) in: Echo der Seele. Von der Sehnsucht nach Geborgenheit. München 1999, S.133

Hermann Hesse: Weg nach innen

 

Foto: © wak

Wer den Weg nach innen fand,
Wer in glühndem Sichversenken
Je der Weisheit Kern geahnt,
Daß sein Sinn sich Gott und Welt
Nur als Bild und Gleichnis wähle:
Ihm wird jedes Tun und Denken
Zwiegespräch mit seiner eignen Seele,
Welche Welt und Gott enthält.

Hermann Hesse (1877 – 1962)