Stein im Mund

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Man erzählte über den Abbas Agathon:
Drei Jahre trug er einen Stein im Munde,
bis er zurechtkam mit dem Schweigen.

Weisung der Väter. Hg. Bonifaz Miller, Trier 1980 (PG 65, 113)

Mit Liebe umfangen

https://absolutmedien.de/film/582/Morgenroete+im+Aufgang

Nach etlichen harten Stürmen
ist mein Geist durch der Höllen Porten
durchgebrochen bis in die
innerste Geburt der Gottheit
und allda mit Liebe umfangen worden.

Jakob Böhme (1575 – 1624) in: Aurora oder Morgenröte im Aufgang

Gottesklugheit

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Hier löst sich ein
in Gott fortgeschrittener Mensch
von überständigem Brauch,
von dem, worüber Gott mit uns hinauswill
und schon hinaus ist.

Frömmigkeit ist eine Art Klugheit,
sie ist Gottesklugheit.

Thomas Mann (1875 – 1955) in „Joseph und seine Brüder“

Die Wirklichkeit Gottes erfahren

Halte dein Denken leer,
dein Fühlen unabhängig
und dich selbst
in reiner Gegenwärtigkeit,
damit Gnade dich anrühren
und dich kräftigen kann
mit der Erfahrung
der wirklichen Gegenwart Gottes.

Brief persönlicher Führung. In: Wolke des Nichtwissens und Brief persönlicher Führung. Anleitung zur Meditation. Neu übertragen und herausgegeben von Willi Massa. Freiburg/Br. 1999, S. 153

Aus der Mitte strahlt die Lebenssonne

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Theresa von Avila hat die geheime Kammer der Seele mit einem Schloss verglichen, das sieben kristallklare Gemächer umschließt.

Die heilige Theresa spricht von der Anziehungskraft der sieben Gemächer, die alle, bis zum letzten, erforscht werden sollen.

„Ihr müsst wissen“, sagt sie, „dass man auf sehr verschiedene Weise im Schlosse hausen kann. Sehr viele Seelen leben nur in der äußeren Einfriedung des Schlosses, in dem die Wächter wachen, die es beschützen. Viele Seelen betreten das Schloss gar niemals und kennen die Reichtümer nicht, die es birgt; auch nicht die Zahl seiner Gemächer…
„Wenn die Seelen endlich die nächstliegenden Gemächer betreten, nehmen sie allzuviele Schlangen mit sich.“

„Aus der Mitte des Schlosses“, schließt Theresa ihre Beschreibung, „strahlt die Lebenssonne ihr Licht aus in alle Gemächer.“

Frederic Lionel (1908 – 1999) in: Abendland – Hüter der Flamme. Remagen, o.J. Kapitel XV, Die Urquelle des ewig Wahren, S. 141-142

Dem Heiligen Geist einen Platz geben

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Das sind die wahren Armen im Geist. Sie erfüllt der Heilige Geist; er stürmt in ihre Seelen, er gießt all seinen Reichtum über den Menschen aus, überschüttet ihn mit seinem Schatz, den inneren wie den äußeren Menschen, seine inneren und seine äußeren Kräfte, die oberen und die niederen. Und des Menschen Tun besteht hier darin, daß er sich bereiten lasse, und dem Heiligen Geist eine Stätte und einen Platz gebe, damit er sein Werk in ihm vollenden könne.

Johannes Tauler (1300 – 1361), Predigt 25

In Kontakt mit Gott sein

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Das Auge, mit dem ich Gott sehe, ist dasselbe, mit dem Gott mich sieht. Mein Auge und Gottes Auge sind ein und dasselbe im Sehen, ein und dasselbe im Wissen, ein und dasselbe im Lieben.
Meister Eckhart (1260 – 1328)

Dieses „Auge“ ist eine Metapher für inneres Gewahrsein, es steht für das Bewusstsein selbst, besonders in seiner kontemplativen Form der Innerlichkeit. Es repräsentiert die Fähigkeit zur klaren Wahrnehmung. Mein Selbstgewahrsein als Wesen, das sich seiner selbst bewusst ist, ist das Vehikel, mittels dessen das Göttliche mit mir kommunizieren kann.
Umgekehrt kann ich das Göttliche wahrnehmen, kann mit ihm innigst verbunden sein durch eben dieses Selbstgewahrsein. Extrovertiertes und introvertiertes Bewusstsein treffen im Akt mystischer Kontemplation, in welchem die Person in Kontakt mit Gott ist, zusammen. Sowohl der innere als auch der äußere Weg haben das höchste Mysterium zum „Ziel“, aber wir können uns dem Göttlichen nur durch dieses subtile kontemplative Gewahrsein nähern.

Wayne Teasdale (1945 – 2004) in: Das mystische Herz. Spirituelle Brücken bauen. 2004, o.O., S. 148-149

Glaube, Hoffnung, Liebe

Skizze des Johannes vom Kreuz | Archiv

Die Seele vereinigt sich mit Gott in diesem Leben
nicht durch Verstehen,
noch durch Genießen,
noch durch Vorstellungen,
noch durch irgendetwas Sinnenhaftes,
sondern nur verstandesmäßig durch den Glauben,
gedächtnismäßig durch die Hoffnung
und willensmäßig durch die Liebe.

Johannes vom Kreuz / Juan de la Cruz (1542 – 1591)