Ich bin in allem und alles ist in mir

Hazrat Inayat Khan | Foto: Archiv

 

Ich habe gut und böse gekannt,
Sünde und Tugend, Recht und Unrecht;
Ich habe gerichtet und bin gerichtet worden;
ich bin durch Geburt und Tod gegangen,
Freude und Leid, Himmel und Hölle;
und am Ende erkannte ich,
dass ich in allem bin und alles in mir ist.

Hazrat Inayat Khan (1882 – 1927)

Handlung ist Nicht-Handeln

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Für uns ist der kleine Raum, den das Denken um sich geschaffen hat, der das Ich ist, äußerst wichtig, denn der Mensch, der sich mit allem identifiziert, was in diesem Raum vorhanden ist, kennt nichts anderes, und in diesem Raum wird auch die Furcht geboren, nicht zu sein. Wenn der Mensch das verstanden hat, kann er in der Meditation eine Raumdimension betreten, wo Handlung Nicht-Handeln ist. Wir wissen nicht, was Liebe ist, denn in dem Raum, den das Denken um sich als Ich geschaffen hat, ist Liebe der Konflikt zwischen dem Ich und dem Nicht-Ich. Dieser Konflikt, diese Qual ist keine Liebe, es kann nicht in jenen Raum eindringen, in dem es kein Ich gibt. In diesen Raum liegt Glückseligkeit, die der Mensch sucht und nicht finden kann. Er sucht sie innerhalb der Grenzen des Denkens, doch das Denken zerstört nur diese Segensfülle.

Jiddu Krishnamurti (1895-1986)

Ihn in meinem Herzen kennen

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Gott ist für uns notwendig,
damit wir existieren können,
während wir notwendig für Ihn sind,
damit Er Sich für Sich Selbst manifestiert.
Ich gebe Ihm auch Leben,
indem ich Ihn in meinem Herzen kenne.

Ibn Arabi (1165 – 1240)

Nichts – als die Liebe

I

Die vier Rabbiner
weilten im siebten Himmel.
Was sahen sie dort?

*

Sie sahen: Alles!
Das Antlitz Gottes! Das Rad
Hesekiels! Und dann?

*

Was geschah ihnen
nach ihrer Vision? Wie
lebten sie – weiter?

II

Einer stritt sich nun
mit den Gelehrten – über
seine Vision!

*

Einer vergaß sie.
Ein anderer wurde irr.
Und der vierte? Schrieb!

*

Verse zum Dank für
die Sterne der Nacht schrieb er.
Und Liebes-Verse!

III

Er suchte keinen
Streit! Er vergaß: nichts! Verrückt
wurde er – auch nicht!

*

Er fasste seine
Vision – behutsam – ins Wort:
wieder – und wieder!

*

Vielleicht wurde er
niemals verstanden – doch das
spielt keine Rolle!

IV

Er pries: die Sterne,
pries: die Gnade Gottes, pries:
die Morgenröte!

*

Er pries: die Liebe,
pries: das Licht, das dem Dunkel
tagtäglich – entsprang!

*

Unermüdlich pries
er die Nacht, den Tag, das Licht –
und Gottes Liebe!

V

Im Samtblau der Nacht
und im Gold des Morgens pries
er nichts – als die Liebe!

*

Im Sonnenaufgang
wie im Sonnenuntergang
sah er: die Liebe!

*

In jeder Blüte,
in jedem Licht, jedem Lied
fand er: die Liebe!

VI

Achtsam und dankbar
fasste er diese Liebe
in seine Worte!

*

Sein ganzes Leben
lang beschrieb er: die Liebe –
und nur: die Liebe!

*

Und während das Gold
der Sonne den Wald erfaßt,
denke ich: an ihn!

VII

Kannte ich ihn denn?
Wir alle kennen ihn! Er
lebt: in uns allen!

*

In jedem, der schreibt –
über die Schönheit der Welt –
und über das Licht!

*

In uns allen lebt
der dichtende Rabbiner
weiter – und weiter!

VIII

Er sucht keinen Streit,
er sucht und findet: gar nichts,
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Liebe –
in jedem Licht, jedem Lied –
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Sonne,
den Mond, jeden Stern! Er preist
nichts – als die Liebe!

XIV

Ein jedes Gedicht,
das er schreibt, preist: die Liebe,
die ihm innewohnt!

*

Uns allen wohnt sie
inne, diese Liebe – des
vierten Rabbiners!

*

Wir müssen sie nur
entdecken – und besingen:
in jedem Gedicht!

 

Hannah Buchholz

3.11.2018

 

Zuerst veröffentlicht hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2018/11/03/nichts-als-die-liebe/

Weitere Gedichte von Hannah Buchholz hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

Wer den Himmel kennt

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Wer auf den Grund
seines eigenen Herzens geht,
kennt seine eigene Natur.
Und wer seine eigene Natur kennt,
der kennt den Himmel.

Mengzi (um 370 v.u.Z. – um 290 v.u.Z.)

Gefunden habe ich dieses Zitat hier:
https://mystikaktuell.wordpress.com/2018/01/24/grundlegende-gutheit-innere-freude-buchtipp-v/

Alle Dinge sind eins

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Es ist die Aufgabe eines jeden Menschen,
sich selbst zu kennen
und das rechte Maß zu wissen.
Das rechte Maß zu wissen, ist die höchste Kunst.

Weisheit besteht in nichts als diesem:
Wahr reden, wahr handeln,
der Natur der Dinge folgen.

Wer den Logos nicht hört,
der höre auf mich:
Der Weise sieht ein,
dass alle Dinge eins sind.

Es gibt nur eine Weisheit:
Erkenne die Intelligenz,
die alle Dinge
mit allen Dingen
verwebt.

Heraklit (544 bis 483 v.u.Z.)

Eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen

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Ich war im Katholizismus zuhause, nicht im römischen Katholizismus, aber im Katholizismus, ich bin im Protestantismus zuhause – jetzt vorrangig im Protestantismus – weil es schön ist, mehrere Heimaten zu haben. Und trotzdem muss man eine Heimat zu seiner ersten Heimat machen, sonst verspielt man sich im Leben. Und ich glaube, wer nur eine Heimat überhaupt gekannt hat, der ist in ihr eingekerkert, der kennt sich selbst nicht, weil er nur sich selbst kennt.

Fulbert Steffensky (*1933)