Misstraue niemals deiner Erfahrung

Foto: © wak

Erfahre die Weisheit der Schriften in deiner Seele. Danach kannst du, wenn du willst, räsonieren und deine Erfahrung intellektuell zum Ausdruck bringen. Doch selbst dann misstraue deiner Aussage, aber misstraue niemals deiner Erfahrung.

Aurobindo (1872 – 1950)

Advertisements

Mensch des Himmels

Foto: © wak

Der Mensch tue, was er wolle,
und fange an, wie er wolle,
er kommt niemals zu wahrem Frieden,
noch wird er dem Wesen
nach ein Mensch des Himmels,
bevor er an sein vierzigstes Lebensjahr kommt.

Johannes Tauler (* um 1300 – 1361)

Nichts – als die Liebe

I

Die vier Rabbiner
weilten im siebten Himmel.
Was sahen sie dort?

*

Sie sahen: Alles!
Das Antlitz Gottes! Das Rad
Hesekiels! Und dann?

*

Was geschah ihnen
nach ihrer Vision? Wie
lebten sie – weiter?

II

Einer stritt sich nun
mit den Gelehrten – über
seine Vision!

*

Einer vergaß sie.
Ein anderer wurde irr.
Und der vierte? Schrieb!

*

Verse zum Dank für
die Sterne der Nacht schrieb er.
Und Liebes-Verse!

III

Er suchte keinen
Streit! Er vergaß: nichts! Verrückt
wurde er – auch nicht!

*

Er fasste seine
Vision – behutsam – ins Wort:
wieder – und wieder!

*

Vielleicht wurde er
niemals verstanden – doch das
spielt keine Rolle!

IV

Er pries: die Sterne,
pries: die Gnade Gottes, pries:
die Morgenröte!

*

Er pries: die Liebe,
pries: das Licht, das dem Dunkel
tagtäglich – entsprang!

*

Unermüdlich pries
er die Nacht, den Tag, das Licht –
und Gottes Liebe!

V

Im Samtblau der Nacht
und im Gold des Morgens pries
er nichts – als die Liebe!

*

Im Sonnenaufgang
wie im Sonnenuntergang
sah er: die Liebe!

*

In jeder Blüte,
in jedem Licht, jedem Lied
fand er: die Liebe!

VI

Achtsam und dankbar
fasste er diese Liebe
in seine Worte!

*

Sein ganzes Leben
lang beschrieb er: die Liebe –
und nur: die Liebe!

*

Und während das Gold
der Sonne den Wald erfaßt,
denke ich: an ihn!

VII

Kannte ich ihn denn?
Wir alle kennen ihn! Er
lebt: in uns allen!

*

In jedem, der schreibt –
über die Schönheit der Welt –
und über das Licht!

*

In uns allen lebt
der dichtende Rabbiner
weiter – und weiter!

VIII

Er sucht keinen Streit,
er sucht und findet: gar nichts,
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Liebe –
in jedem Licht, jedem Lied –
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Sonne,
den Mond, jeden Stern! Er preist
nichts – als die Liebe!

XIV

Ein jedes Gedicht,
das er schreibt, preist: die Liebe,
die ihm innewohnt!

*

Uns allen wohnt sie
inne, diese Liebe – des
vierten Rabbiners!

*

Wir müssen sie nur
entdecken – und besingen:
in jedem Gedicht!

 

Hannah Buchholz

3.11.2018

 

Zuerst veröffentlicht hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2018/11/03/nichts-als-die-liebe/

Weitere Gedichte von Hannah Buchholz hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

Tayata Om Bekandze… – Medizinbuddha-Mantra

Foto: © wak

Tayata
Om Bekandze Bekandze
Maha Bekandze
Radza Samudgate Soha

Dies ist ein sehr wichtiges Mantra. Man sagt, es gebe acht Medizinbuddhas, doch dieses Mantra ist das wichtigste von ihnen. Seine Bedeutung ist folgende: TAYATA, wie auch OM, bedeutet das Potenzial des Universums. BAIKAZEYA ist die natürliche Medizin. MAHA ist groß, daher MAHA BAIKAZEYA – große natürliche Medizin. RAZA ist der König, der Herrscher dieser großen natürlichen Medizin. SAMUN GATE SOHA bedeutet: Bitte übertrage mir alle diese großen Kräfte.

In: Rangdro Tobkyi Dorje: Tibetisches Mantraheilen. Die Heilkraft tibetischer Yogis. Darmstadt 2006, S. 73

In einer Übersetzung heißt es:

Mögen all die vielen Lebewesen,
die krank sind,
schnell von ihrer Krankheit erlöst sein.
Und mögen all die Krankheiten dieser Wesen
Niemals wieder auftreten.

Im Tempel der eigenen Seele

Foto: © wak

Wer Gott nicht in sich selbst findet, wird ihn niemals außerhalb von sich selbst finden. Aber der, der ihn im Tempel der eigenen Seele sieht, sieht ihn auch im Tempel, welcher dieses Universum ist.

Ramakrishna (1836-1886)

C.G. Jung über religiöse Erfahrung

Foto: © wak

Religiöse Erfahrung ist absolut. Man kann darüber nicht diskutieren. Man kann nur sagen, dass man niemals eine solche Erfahrung gehabt habe. Wer sie hatte, wird sagen: ‚Ich bedauere, aber ich hatte sie‘. Und damit wird die Diskussion zu Ende sein. Es ist gleichgültig, was die Welt über die religiöse Erfahrung denkt; derjenige, der sie hat, besitzt den großen Schatz einer Sache, die ihm zu einer Quelle von Leben, Sinn und Schönheit wurde, und die der Welt und der Menschheit einen neuen Glanz gegeben hat.

C. G. Jung (1875 – 1961) in: Zur Psychologie westlicher und östlicher Religion, Band II, Olten 1971, S. 116