Es kommt ein Schiff geladen…

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Es kommt ein Schiff, geladen
bis an sein’ höchsten Bord,
trägt Gottes Sohn voll Gnaden,
des Vaters ewigs Wort.

Das Schiff geht still im Triebe,
es trägt ein teure Last;
das Segel ist die Liebe,
der Heilig Geist der Mast.

Der Anker haft’ auf Erden,
da ist das Schiff am Land.
Gott’s Wort tut uns Fleisch werden,
der Sohn ist uns gesandt.

Zu Bethlehem geboren
im Stall ein Kindelein,
gibt sich für uns verloren;
gelobet muss es sein.

Und wer dies Kind mit Freuden
umfangen, küssen will,
muss vorher mit ihm leiden
groß Pein und Marter viel,

danach mit ihm auch sterben
und geistlich auferstehn,
Ewigs Leben zu erben,
wie an ihm ist geschehn.

 

Das Lied wird Johannes Tauler zugeschrieben, einem Schüler von Meister Eckhart.

Mehr zu dem Lied und seiner Geschichte hier: http://www.liederlexikon.de/lieder/es_kommt_ein_schiff_geladen

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Nichts – als die Liebe

I

Die vier Rabbiner
weilten im siebten Himmel.
Was sahen sie dort?

*

Sie sahen: Alles!
Das Antlitz Gottes! Das Rad
Hesekiels! Und dann?

*

Was geschah ihnen
nach ihrer Vision? Wie
lebten sie – weiter?

II

Einer stritt sich nun
mit den Gelehrten – über
seine Vision!

*

Einer vergaß sie.
Ein anderer wurde irr.
Und der vierte? Schrieb!

*

Verse zum Dank für
die Sterne der Nacht schrieb er.
Und Liebes-Verse!

III

Er suchte keinen
Streit! Er vergaß: nichts! Verrückt
wurde er – auch nicht!

*

Er fasste seine
Vision – behutsam – ins Wort:
wieder – und wieder!

*

Vielleicht wurde er
niemals verstanden – doch das
spielt keine Rolle!

IV

Er pries: die Sterne,
pries: die Gnade Gottes, pries:
die Morgenröte!

*

Er pries: die Liebe,
pries: das Licht, das dem Dunkel
tagtäglich – entsprang!

*

Unermüdlich pries
er die Nacht, den Tag, das Licht –
und Gottes Liebe!

V

Im Samtblau der Nacht
und im Gold des Morgens pries
er nichts – als die Liebe!

*

Im Sonnenaufgang
wie im Sonnenuntergang
sah er: die Liebe!

*

In jeder Blüte,
in jedem Licht, jedem Lied
fand er: die Liebe!

VI

Achtsam und dankbar
fasste er diese Liebe
in seine Worte!

*

Sein ganzes Leben
lang beschrieb er: die Liebe –
und nur: die Liebe!

*

Und während das Gold
der Sonne den Wald erfaßt,
denke ich: an ihn!

VII

Kannte ich ihn denn?
Wir alle kennen ihn! Er
lebt: in uns allen!

*

In jedem, der schreibt –
über die Schönheit der Welt –
und über das Licht!

*

In uns allen lebt
der dichtende Rabbiner
weiter – und weiter!

VIII

Er sucht keinen Streit,
er sucht und findet: gar nichts,
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Liebe –
in jedem Licht, jedem Lied –
nichts – als die Liebe!

*

Er preist: die Sonne,
den Mond, jeden Stern! Er preist
nichts – als die Liebe!

XIV

Ein jedes Gedicht,
das er schreibt, preist: die Liebe,
die ihm innewohnt!

*

Uns allen wohnt sie
inne, diese Liebe – des
vierten Rabbiners!

*

Wir müssen sie nur
entdecken – und besingen:
in jedem Gedicht!

 

Hannah Buchholz

3.11.2018

 

Zuerst veröffentlicht hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/2018/11/03/nichts-als-die-liebe/

Weitere Gedichte von Hannah Buchholz hier: https://hannahbuchholz.wordpress.com/

Strenger Druck des spirituellen Freundes

Foto: © wak

Der strenge Druck des spirituellen Freundes ist gleichermaßen hoch zu schätzen und äußerst lästig. Sein Stil ist außerordentlich kraftvoll, aber so gesammelt, so angebracht, dass wir nichts gegen ihn einwenden können. Das ist Hingabe. Wir bewundern seinen Stil sehr, haben jedoch Angst davor. Er ist herrlich, wird uns aber zermalmen, in Stücke teilen. Hingabe schließt in diesem Fall so viel Schärfe mit ein, dass wir nicht einmal um Gnade bitten können, indem wir für uns beanspruchen, ein armseliges, nettes kleines Würstchen zu sein, das voller Ergebenheit ist und sich die ganze Zeit über vor seinem Lehrer niederwirft und ihm die Füße küsst.

Chögyam Trungpa (1940 -1987)

Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten

Simone Weil im Jahr 1921 / Bild: wikimedia, gemeinfrei

Die Aufmerksamkeit besteht darin, sein Denken zu umgehen, den Geist verfügbar, leer und für den Gegenstand durchlässig zu halten, die verschiedenen bereits erworbenen Kenntnisse, die man zu nutzen genötigt ist, in sich dem Geist zwar nahe und erreichbar, doch auf einer tieferen Stufe zu erhalten, ohne dass sie den Geist berührten. Der Geist soll hinsichtlich aller eigenen und schon ausgeformten Gedanken wie ein Mensch auf einem Berg sein, der vor sich hinblickt und gleichzeitig unter sich – jedoch ohne hinzusehen – viele Wälder und Ebenen wahrnimmt. Und vor allem soll der Geist leer sein, wartend, nichts suchend, aber bereit, den Gegenstand, der in ihn eingehen wird, in seiner nackten Wahrheit aufzunehmen. Die kostbarsten Güter soll man nicht suchen, sondern erwarten. Denn der Mensch kann sie aus eigenen Kräften nicht finden, und wenn er sich auf die Suche nach ihnen begibt, findet er statt ihrer falsche Güter, deren Falschheit er nicht zu erkennen vermag.

Simone Weil (1909 – 1943) in: Schwerkraft und Gnade, München 1952

Gefunden habe ich diesen Gedanken von ihr hier: http://www.marschler.at

12. August 2018 – Thomas Merton im Mystik-Kreis Köln

„In gewissem Sinne sind wir immer Reisende, und wir reisen, als wüssten wir nicht, wohin wir gehen. In einem anderen Sinn sind wir schon angekommen. Wir können uns Gott in diesem Leben nie ganz zu eigen machen, und deshalb reisen wir, reisen in der Dunkelheit. Doch durch die Gnade ist er bereits unser, und darum sind wir in diesem Sinne schon angekommen und leben im Licht. Doch ach! Wie weit muss ich gehen, um dich zu finden, in dem ich längst angekommen bin!“ – Thomas Merton

Um Thomas Merton geht es bei der Veranstaltung Mystik hier und jetzt – Thomas Merton: Mönch, Poet, Rebell am 12. August 2018 in Köln.

Als Mönch, Poet und Rebell war Thomas Merton (1915 – 1968) eine der herausragendsten Persönlichkeiten im Katholizismus des 20. Jahrhunderts. Er hat die Praxis christlicher Kontemplation und Mystik mit vielen Ausführungen bereichert. Als Partner im interreligiösen Dialog zwischen Buddhisten und Christen nahm er eine führende Rolle ein. Seine über 60 Bücher wurden weltweit zu Bestsellern. Als Novizenmeister von Ernesto Cardenal war seine poetische Kraft ebenso stark gefragt wie seine aktive Rolle in der Friedensbewegung der Vereinigten Staaten gegen den Krieg in Vietnam. In seiner Autobiographie „Der Berg der sieben Stufen“ hat er seinen Weg in das Kloster der Trappisten in Gethsemane beschrieben. In der „Weisheit der Stille“ ging er den Fragen um Mystik, Zen und Buddhismus nach. In seinem Buch „Christliche Kontemplation“ zeigte er wegweisend seine Sicht des spirituellen Weges. Mit der Tradition der Wüstenväter befasste er sich ebenso wie mit der Mystik in Taoismus, Hinduismus oder bei den Sufis.

Spannungsvoll und anregend, am 12. August von ihm zu hören und ihn selbst zu Wort kommen zu lassen.

Damit Rani Kaluza und ich, Werner A. Krebber,  planen können, Anmeldungen bitte bei:

Rani Kaluza
weissefeder@netcologne.de
Fon: 0221/ 2406997

Hier können Sie den Flyer von „Mystik hier und jetzt“ herunterladen:

https://de.scribd.com/document/373535678/Mystik-hier-und-jetzt-Studien-und-Praxiskreis-Einsichten-und-Erfahrungen?secret_password=Ss9hY6RXq5uhVIHkVq87

Unsere Welt heilen

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Ich spüre ganz stark, dass es die Gnade und die Macht Gottes braucht, um unseren leidenden Planeten zu heilen und zu transformieren. Zu viel ist schon zerstört, zu viel Dunkelheit ist schon gegenwärtig, als dass die Menschheit allein dieses von uns geschaffene Ödland erlösen, das Licht, das wir verloren haben, zurückgewinnen könnte. Nur durch die Liebe und die Gegenwart unseres Geliebten kann unsere Welt geheilt werden.

Llewellyn Vaughan-Lee (*1953)

Den ganzen Text gibt es hier: https://goldensufi.org/g_a_verfinsterung_vier-punkte-plan.html